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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Versteinerte Wälder - Versuch
gern, im Konkurse oder um eine Teilung herbei-
zuführen, über die gegenseitigen Rechte und Pflich-
ten des Ausbietenden und der Anbietenden ent-
scheiden an erster stelle die Versteigerungsbedin-
gungen, bei Zwangsversteigerungeir so weit, als das
Gesetz nicht unabänderliche Vorschriften erteilt.
Soweit abweichende Bedingungen nicht anfgestellt
sind, ist nach der herrschenden Ansicht und bei der
freiwilligen V. der Ausbietende nicht verpflichtet,
das höchste (oder niedrigste) Gebot anzunehmen;
er kann, wenn ihm die Gebote nicht gefallen, ab-
brechen. Der Vertrag ist also erst dann geschlossen,
wenn auf ein Gebot der Zuschlag erfolgt ist. ^o
auch das Deutsche Bürgert. Gesetzb. §. 156. In
Sachsen gilt nach §. 819 des Bürgerl. Gesetzbuchs im
Zweifel der Vertrag mit dem Gebot abgeschlossen,
wenn ein höheres Gebot nicht mehr abgegeben wird.
Allgemein ist der Bieter gebunden, bis ein höheres
Gebot abgegeben oder der Zuschlag verweigert wird;
mit Abbruch des Versteigerungstermins ist das Ge-
bot erloschen. Die Versteigerungsbedingungen kön-
nen andere sein. Ein preuß. Gesetz voll 1797 er-
klärt Verträge für uuerlaubt, durch die ein Bieter
bei öffentlichen V. andere Bietungslustige durch
Vorteile vom Mitbieten abhält, um selbst billiger
zu erwer.ben. Der Betrag, welchen derzurückstehende
Bietungslustige gewonnen hat, soll dem Eigentümer
oder dessen Gläubiger als Entschädigung heraus-
gegeben werden.
Versteinerte Wälder, volkstümlicher Aus-
druck für mehr oder minder große Anhäufungen von
versteinerten Baumstammstücken in den Schichten
der Erde, namentlich wenn die verkieselten Reste
durch natürliche Zerstörung des einhüllenden Ge-
steins bloßgelegt werden; sie finden sich besonders
im Rotlicgenden (Radowenz in Böhmen) und im
Tertiär (Mokattam bei Kairo).
Versteinerungen, Petrefakten, Fofsilien,
die in vielen Fällen in Steinmasse verwandelten Über-
reste früherer Organismen, die sich in den Schichten
der Erdrinde vorfinden. Dieselben sind entwederganz
unveränderte Einschlüsse, durch die Umhüllung von
Bernstein, Kalktuff, Kieselsinter u. dgl. erhalten (In-
krustationen), oder es ist, wie z. B. in kalkigen
Teilen (Schalen und Knochen), nnr die organische
Substanz ausgelaugt und der kalkige Teil unverän-
dert geblieben (Calcinate), oder an die Stelle der
früher vorhandenen Pflanze oder des Tiers ist mi-
neralische Masse, z.B. kohlensaurer Kalk, Kiesel,
Schwerspat, Flußspat, Eisenstein u. s. w., getreten
(eigentliche Petrefakten); oder endlich die Or-
ganismen selbst sind gänzlich verschwunden, haben
aber in dem umgebenden oder ausfüllenden Gestein
ein Abbild ihrer Form zurückgelassen (Abdrücke
und Steinkerne). Zu genauer Erkenntnis und
Bestimmung der V. gehört eine um so vollständigere
Vertrautheit mit Zoologie und Botanik, als von
größern und höher entwickelten Pflanzen und Tie-
ren fast nie vollständige Exemplare, sondern nur
einzelne Teile außer allem Zusammenhange, z. B.
Blätter, Zapfen, Stammstücken, Zähne, Schuppen,
einzelne Knochen n. f. w., gefunden werden und von
niedrigen Tieren auch nur die Hartteile erhalten
sind. Die Versteinerung stunde,Petrefakt en-
tuude oder Paläontologie (s. d.) ist wichtig ein-
mal als notwendige Vervollständigung des Mate-
rials zu einer Geschichte der Organismen und sonnt
als Prüfstein Darwinfcher Theorien, dann aber als
Hilfsmittel der Geologie für Altersbestimmung der
Gesteinsschichten. (S. Geologie.) Die aus der Lage-
rung erkannte Altersreihe der fossilen Organismen
(Leitfossilien, s. d.) läßt, obwohl sie sehr lücken-
haft ist, einen steten Wechsel der Arten erkennen, wo-
bei eine schrittweise Vervollkommnung des jeweiligen
organischen Gesamtcharakters der Erde zu beobachten
ist. Lehrbücher s. Paläontologie und Geologie.
Verstopfung, s. Stuhlverstopfung.
Verstrickung, s. Konfination.
Verstümmelung, diejenige Körperverletzung,
welche in §§. 224 fg. des Neichsstrafgesetzbuchs mit
Strafe bedroht ist (s. Körperverletzung), und welche
als schwere bezeichnet wird. Wegen Selbstver-
stümmelung zu dem Zwecke, um sich dadurch dem
Militärdienste zu entziehen, tritt nach dem Reichs-
strafgesetzbuch §. 142 Gefängnisstrafe nicht untcr
einem Jahre ein (zuständig: Strafkammer), aucb
kann daneben auf Verlust der bürgerlichen Ehren-
rechte erkannt werden. Dieselbe Strafe trifft den,
der einen andern auf dessen Verlangen zur Er-
füllung der Wehrpflicht untauglich macht. Ahnlich
österr. Strafgesetz in §ß. 409, 410.
Versuch, in allgemein wissenschaftlicher Hinsicht,
s. Experiment. ^ In der Jurisprudenz ist der V.
(lat. C.0Q9.W8) eines Verbrechens (s. d.) oder eines
Vergehens (s. d.) - der einer Übertretung kommt
nach dem Reichsstrafgesetzbuck überhaupt nicht in
Betracht - eine mit dem Entschlüsse, ein bestimmtes
Verbrechen oder Vergehen (z. B. einen Mord, einen
Diebstahl u. s. w.) zu begehen, unternommene Hand-
lnng, wenn der zum Begriff des vollendeten Ver-
brechens oder Vergehens erforderliche volle That-
bestand infolge von Umständen nicht eingetreten ist,
welche von dem Willen des Thäters unabhängig
waren (z. B. der Revolver versagte beim Abdrücken
oder der Schuß ging fehl, der Thäter wurde ab-
gefaßt, als er in die fremde Tasche griff u. s. w.).
Ner V. ist nicht ohne weiteres strafbar; er wird
es erst, wenn der Entschluß der Verübung durch
Handlungen bethätigt ist, welche einen Anfang der
Ausführung enthalten. Diesen Ausführungshand-
luugen stehen die straflosen Vorbereitungshand-
lungen gegenüber. Die Strafbarkeit tritt erst ein,
wenn mit Handlungen begonnen ist, welche einen
Teil des Thatbestandes darstellen. Auch liegt ein
strafbarer V. nicht vor, wenn der Thäter die Aus-
führung der beabsichtigten Handlung aufgegeben
hat, ohne daß er an dieser Ausführung durch Um-
stände gehindert worden ist, welche von seinem
Willen unabhängig waren, wenn er also aus freien
Stücken von der Fortsetzung seiner verbrecherischen
Thätigkeit abstand. Der V. bleibt ferner straflos,
wenn der Thäter zu einer Zeit, zu welcher die Hand-
lung noch nicht entdeckt war, den Eintritt des zur
Vollendung des Verbrechens oder Vergehens ge-
hörigen Erfolges durch eigene Thätigkeit abgewen-
det hat. Das versuchte Verbrechen oder Vergehen
wird milder bestraft als das vollendete. Ahnlich wie
das deutsche Strafgesetz verlangt das österreichische,
daß der Vösgesinnte cine zur wirklichen Ausübung
führende Handlung unternommen hat, und daß die
Vollbringung des Verbrechens nur wegen Unver-
mögenheit, wegen Dazwischenkunft eines fremden
Hindernisses oder durch Zufall unterblieben ist. Anck
hier gilt der V. als Milderungsumstand (ߧ.43-4(i
des Reichsstrafgesetzbuchs,' HZ. 8, 47" des österr.
Strafgesetzes). Die Frage nach der Abgrenzung zwi-
schen Ausführung und Vorbereitungshandlung ge-
winnt besondereBedeutttng, wenn es sich um einen V.