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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vert en pàte - Vertikow
Eine solche Hinterlegung kann ausgehen von einem
Gericktsvollzieber oder einem Drittschuldner aus
Anlaß der Pfändung von Mobilien oder Geldfor-
derungen für mehrere Gläubiger. Nach Eingang
der Anzeige über die Sachlage hat das zuständige
Amtsgericht an jeden beteiligten Gläubiger die Auf-
forderung zu erlassen, binnen zwei Wochen eine Be-
rechnung seiner Forderung an Kapital, Zinsen und
Nebenposten einzureichen. Nach Ablauf der Frist
fertigt das Gericht einen Teilungsplan an, bei wel-
chem die Kosten des Verfahrens vorweg vom Masse-
bestande abgezogen und die Forderungen der Gläu-
biger mangels Einreichung einer Berechnung nach
Maßgabe der bekannten Sachlage berechnet werden.
Zur Erklärung über den Teilungsplan und zu dessen
Ausführung wird ein Termin bestimmt, und spä-
testens drei Tage vorher auf der Gerichtsschreiberei
der Plan zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt.
Erfolgt Widerspruch, so wird darüber seitens der
Beteiligten verhandelt, im Fall einer Einigung der
Plan berichtigt, andernfalls derselbe insoweit aus-
geführt, als der Widerspruch ihn nicht betrifft. Gegen
einen ausbleibenden und auch vor dem Termin nickt
widersprechenden Gläubiger wird angenommen, das;
er mit Ausführung des Plans einverstanden sei.
Andererseits gilt die Annahme, daß ein ausbleiben-
der Gläubiger den vom andern Gläubiger erhobenen
Widerspruch nicht als begründet anerkenne. Der
widersprechende Gläubiger muß dann binnen Mo-
natsfrist den: Gericht nachweisen, daß er gegen die
beteiligten Gläubiger Klage erhoben habe, widrigen-
falls Zur Ausführung des Plans geschritten wird.
Die Klage ist beim Verteilungsgericht oder beim
übergeordneten Landgericht zu erheben. Das Land-
gericht ist für sämtliche Klagen zuständig, falls seine
Zuständigkeit an sich auch nur für eine der Klagen
begründet ist, sofern nicht sämtliche beteiligten Gläu-
biger vereinbaren, daß das Verteilungsgcricht über
alle Widersprüche entscheiden solle. In dem Urteile
über den Widerspruch ist zugleich zu bestimmen, an
welche Gläubiger und in welchen Beträgen die Streit-
masse auszuzahlen ist, oder event, ein anderweitev
V. anzuordnen. Das Versäumnisurteil ls. d.) gegeil
einen widersprechenden Gläubiger ergeht dabin, daß
der Widerspruch als zurückgenommen anzusehen sei.
Auf Grund des erlassenen Urteils wird von: Ver-
teilungsgericht Auszahlung oder anderweite V. au-
geordnet. - Nach Maßgabe dieser letztern Bestim-
mungen sollen laut §. 757 der Civilprozeß ordnunq
auch Verteilungsstreitigkeiten in einem ^wangsvoll-
streckungsverfahren in das unbewegliche Vermögen
<Subhastation) erledigt werden. - Weitere Anwen-
dung findet das V. bei Dispache (s. d.) und Sub-
hastation (s. d.), Zwangsenteignung und Nayon-
beschränkungen ss. Festungsrayon; Deutsches Bür-
gers Gesetzbuch, Einfübrungsgesetz Art. 53 u. 54). - -
In Österreich ist das V. bei Exekution in das un-
bewegliche wie bewegliche Vermögen geordnet in der
Exekutionsordnung vom 27. Mai18W, tzß. 209 fg.
und 283 fg.
Die Verteilung im Konkursverfahren, im ge-
meinrechtlichen Konkursprozeß Distribution^ -
verfahren genannt, findet nach der Deutschen
Konkursordnung fß. 137) nach Abhaltung de^
allgemeinen Prüfungstermins so oft, als hin-
reichende Masse vorhanden ist, statt. (S. Abschlags-
verteilung.) Sobald die Verwertung der Masse be-
endigt ist, erfolgt die Schlußverteilung, welche
der Genebmigung des Gerichts unterliegt, odne daß
die Erledigung der bezüglich der bestrittenen Forde-
rungen schwebenden Prozesse abzuwarten ist. Für
die hier beteiligten Gläubiger ist, wenn sie rechtzeitig
vorgegangen sind, durch die stattgehabte Hinter-
legung gesorgt. Die Schlußverteilung wird auf
Grund eines Schlußverzeichnisses bewirkt, das in
derselben Weise zu behandeln ist, wie die den frühern
Verteilungen zu Grunde liegenden Verzeichnisse. Zur
Abnahme der Schlußrechnung des Konkursverwal-
ters (s. d.), zur Erhebung von Einwendungen gegen
das ^chlußverzeichnis und zur Beschlußfassung über
die nicht verwertbaren Vermögensstücke findet ein
Schlußtermin (früher Distributionstermin)
statt. Über Einwendungen gegen das Verzeichnis
entscheidet auch hier das Gericht, dessen Verichti-
gungsentscheidung wie bei den Abschlagsverteilun-
gen (s.d.) niederzulegen ist und angefochten werden
kann. Nach dem Schlußtermin beschließt das Gericht
Aufhebung des Konkursverfahrens. Nach dieser kön-
nen aber noch Nachtragsverteilungen (s. d.) stattfin-
den. Ähnlich Österr. Konkursordn. M. 108-190.
Vort sn pHte (frz.), s. Iodgrün.
Vertesgebirge (spr. wehrtesch-), die nördl.
Fortsetzung des Vakonyer Waldes, von dem es
durch die Einsenkung zwischen Mör und Kis - Ber
getrennt ist, reicht bis an die Donau bei Gran,
235 in hoch und von Weingeländen umsäumt.
Vsrtsx (lat.), Scheitel.
Verticillastren, Blutenform, s. Labiaten.
Vertieren (lat.), umwenden, übersetzen.
Vertiko llat.), der Schwindel (s. d.j.
Vertikal (vom lat. vei-wx, Scheitel), soviel wie
senkrecht, lotrecht, perpendikulär, heißt jede Richtung
nach dem Mittelpunkt der Erde. Jeder frei fallende
Körper, jedes frei hängende Lot zeigt die vertikale
Richtung an. Ein durch Zenith und Nadir gedachter
Kreis heißt Vertikalkreis, die Ebene dieses Krei-
ses, welche diejenige des Horizonts senkrecht durch-
schneidet, Vertikal ebene. - In der Astronomie
nennt man ersten V. den Höhenkreis (s. d.), der
durch den Ost- und Westpunkt geht und daher auf
dem Meridian senkrecht steht. Die Höhenänderung
der Sterne infolge ihrer täglichen Bewegung ist
in der Nähe des ersten V. am stärksten. Sterne süd-
lich vom Äquator kommen nicht in den ersten V.,
ebenso nicht diejenigen Cirkumpolarsterne, deren
Poldistanz kleiner als die Ltquatorhöhe des Ortes ist.
Vertikälcordon, s. Obstbaumformen.
Vertikalgatter, Teil der Sägemaschinen (s. d.).
Vertikalhammer, s. Fallhammer.
Vertikälliobelmaschlne, s. Stoßmaschine.
Vertikalkreis, s. Höhenkreis und Vertikal.
Vertikalwinkel, im Gegensatz zu den Hori-
^ontalwinkeln diejenigen Winkel, deren einer Scheu-
tcl in der Horizontalebene liegt, während der andere
in einer durch erstern Schenkel gelegten Vertikal-
ebene liegt. Je nachdem der zweite Schenkel über oder
unter dem horizontalen Schenkel liegt, heißen die V.
Höben-, Elevations-, positive Winkel oder
Tiefen-, Depressions-, negative Winkel.
Vertikälwinkelmesser, s. Meßinstrumente,
geodätiscke.
Vertikow, eine zierlichere Form des Schrankes,
benannt nach dem Erfinder und Verfertiger Verti-
kow in Berlin. Es hat meist einen geschnitzten Auf
satz zum Aufstellen von Vasen, Nippsachen u. dgl.