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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wenden (Dorf) - Wenersee
und ein kath. Bücherverein. Volksüberliefernngen
sammelten Schmaler ("Volkslieder der W. in der
Ober- und 3liederlausitz", 2 Bde., Grimma^l84vl-
44; illitKarte des Sprachgebietes), W. von ^chulen-
burg ("Wend. Volkssagen und Gebräuche", Lpz.
1880; "Wend. Volkstum in Sage, Brauch und
Sitte", Verl. 1882), Mncke (Volksliederhefte: "8t"-
U^tik^ Wxi8kicu 8"i'do")), Bautzen 1884 - 86, mit
Karte), Hörnik, Cernh u. a. Gramnratiken von Pfuhl
i"Laut- und Formenlehre der oberlausitzisck-wend.
Sprache", Bautzen 1887), Mucke ("Histor. und ver-
gleichende Laut- und Formenlehre der niedcrsorbi-
schen Sprache", Lpz. 1895), Kral ("Grammatik der
oberwend. Sprache", Vautzen 1895); Wörter-
bücher von Pfnhl ("Wend. Wörterbuch", Bautzen
1866) und Zwahr ("Niederlausitzisch-wend.-deut-
sches Wörterbuch", Svremberg 1846-47). - Vgl.
Andree, Wend. Wanderstudien (Stuttg. 1873); dcr's.,
Das Sprachgebiet der Lausitzer W. vom 16. Jahrb.
bis zur Gegenwart (Prag 1873); Boguslawski und
Hörnik, Hi8t0i^^ 86id8lc6Ntt "3.1 ollll^ (mit histor.
Karte aus dem 6. bis 11. Jahrh., Bautzen 1884);
Pypin, Das serb.-wend. Schrifttuin in der Ober-
und Niederlausitz (Lpz. 1884); (5. Müller, Das
Wendentum in der Niederlausitz (Cottb. 1894).
Wenden, preuß. Dorf, s. Bd. 17.
Wenden. 1) Kreis im südl. Teil des rusj. Gou-
vernements Livland, in: Gebiet der livländ. Aa
und des Ewest (zurDüna), hat 5637,^ <ikm, dar^
unter 77 hkm Seen, 130 695 E., meist Letten;
Roggen-, Kartoffel- und Flachsbau, Viehzucht, !
1 Papier-, 1 Tuchfabrik, 13 Brauereien, 4 Bräunt z
weinbrennereien, 9 Wollkämmereien. - 2) W., lett.
^6)i8o und I(6li8, esthn. ^Vc^nno-Iin, Kreisstadt im
Kreis W., in malerischer Gegend (der sog. Livlän-
dischen Schweiz), 5 km links van der Aa entfernt
und an der Linie Petersburg-Riga der Baltischen
Eiscnbabn, hat (1893) 4516 E., Post, Telegrapb,
eine großartige Schloßruine; die evaug. St. Io-
hanniskirche, 1281 erbaut, mit dem Grabmal Plet-
tenbergs (s. d.), eine rusf. Kirche, eine Wasserheilan-
stalt; eine Dampfmüble und eine Wollkämmerei. !
Die ehemalige Bnrg W. tanl 1204 in die Hände der !
Schwertritter. 1238 wurde W. Residenz des Ordens !
ineisters und blieb es fast 300 Jahre. W. kam 1562
zu Polen, 1622 zu Schweden und 1710 zu Rußland.
Wendengräber, s. Bestattung. .^
Wendenpfennig, s. Tafel: Münzen III, Fig.
Wendepflug, s. Pflug. > l 5.
Wendeplatte, s. Transportable Eisenbahnen
nebst Tafel, Fig. 7.
Wendepunkt, s. Wendetangentr.
Wender, s. Spinnerei.
s^en^e?., hinter lat. Pftanzennainen Abtürzilllg
^ür Georg Wilhelnr Franz Wenderoth, geb.
1774 zu Marburg, gest. 1861 daselbst als Professor
Wenderwalzcn, s. Spinnerei. j der Botanik.
Wendescheiben, s. Eisenbahnsignale.
Wendefchemel, s. Wagen.
Wendetangente, diejenige Tangente einer
Kurve, beider eine plötzliche Richtungsänderung des
Kurvenlaufs eintritt, so daß die beiden Kurvenzweige
auf entgegengesetzten Seiten der W. liegen. Der
Berührungspunkt einer W. heißt Inflerions-
punkt oder Wendepunkt und gehört zu den sog.
Singularitäten (s. d.).
Wendezeher, s. Klettervögel.
Wendidad, Teil des Zendavesta (s. d.).
Wendisch-Buchholz, s. Buchbolz.
Wendische Krone, von beiden Grohherzögen
von Mecklenbnrg 12. Mai 1864 gestifteter Haus
orden, zerfällt in Großtreuze, Großkomture, Kom-
ture und Ritter; dazu kommt ein goldenes uno
ein silbernes Verdiensttreuz. Für Schwerin ist die
Zahl der inländischen Dekorierten auf 6 Großkreuze,
18 Großkomture, 24 Komture und 48 Ritter, für
Strelitz auf je ein Drittel dieser Zahlen festgesetzt.
Ordenszeicken ist ein vierarmiges, achtspitziges,
goldeingefafttes, weiß emailliertes Kreuz, zwischen
dessen Armen je ein goldener Greif. Das blaue
Mittelschild zeigt die goldene wend. Krone, aus der
roteu Umrahmung für Schwerin die Worte: ?kr
li8peil, ää ld8tra, für Ttrelitz: ^vito virot konor"'
in goldenen Buchstaben. Das Kreuz wird von einer
Krone überhöht und an gelb und rot gerandetem
lichtblauem Bande getragen. Für die Verdienst-
treuze ist das Band rot mit blau und gelben Rän-
dern festgesetzt. (S.Tafel: Die wichtigsten Or
den l, Fig. 16.)
Wendische Spree, s. Dahme.
Meneii., hinter lat. Pflanzennalnen Abkürzung
für Johann Christoph Wendland, geb. 1755
zu Landau, gest. 1828 als Inspektor des königl. Gar-
tens zu Herrenhausen bei Hannover.
Wendland, der nordöstliche Teil des ehemaligen
Fürstentums Lüneburg (s. o.).
Wendland, Johann Christoph, s. ^,i<?i.
Wendorf, Seebad bei Wismar (s. d.).
Wendungen, Veränderungen der Frontrichtllna
durch Drehen des Körpers anf der Stelle. In den
Vorfchriften der verschiedenen Armeen kommen W.
vor um einen Achtclkreis (45°), um einen Viertel
kreis (90°) und um einen halben Kreis (180"). Im
deutschen Heere nennt man die genannten W. Vier-
telwendungen, halbe W. und ganze (Kehrt)
W.; die Bezeichnung in andern Heeren ist verschie-
den, in Asterreich z. B. heißen sie halbe, ganze und
doppelte W. Bei der Infanterie kann jeder Mann
einer Abteilung die W. für sich allein auMhren, da
der ihm im Gliede zur Verfügung stehende Raum
eine quadratische Form hat. Bei der Kavallerie da
gegen nimmt der einzelne Reiter einen Raum ein,
der etwa dreimal so tief wie breit ist; er kann daher
W. im Gliede ohne Störung der engen Aufstellung
nicht machen; jede Wendung kann nur von wenig-
stens drei Reitern gemeinsam ausgeführt werden
und ist eigentlich eine Schwenkung. Geschütze und
Fahrzeuge können nur bei einer Aufstellung mit
ganzen Zwischenräumen W. ausführen.
Wenern, s. Wenersee.
Wenersborg, Stadt im schwed. Weners-
borgs oder Elfsborgs Län (s. d.), an der Süd-
spitze des Wenersees auf einer Landzunge zwischen
dem Götaelf und dem See, durch welche evn Kanal
geleitet ist, und in Eisenbahnverbindung mit der
Stadt Uddevalla und der Station Herrljunga auf
der westl. Stammbahn, hat (18W) 56.37 E.; Getreide-
handel, Fabrikation von Leder, Zündhölzchen u. s. w.
Wenersee, Wenern, auch Wänern, der
größte See Skandinaviens und nach dem Ladoga
und Onega der größte in Europa, in Südschweden
gelegen, von den Landschaften Wermland, Westcr-
götland und Dalsland umgeben, ist in seiner Haupt-
richtung von Nordosten gegell Südwesten etwa
180 Km lang, 80 Km breit und bedeckt einen Flä-
chenraum von 5808 hkiu, wovon 240 ykm In-
seln. Der See liegt 44,i in über dem Spiegel der
Nordsee, seine Wasserhöhe variiert bis über 3 m,