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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wengernalp - Wenzel (Deutscher König)
jedoch im Laufe eines Jahres selten über 1^ m.
Der einzige Abfluß des Sees in das Ekagerrak ist
die Götaels (s. d.), während der See auf der an-
dern Seite durch den Götakanal mit den: Wettersce
und der Ostsee verbunden ist. Seine größte Tiefe
beträgt gegen 90 m. Eine von Wermland südwärts
vorspringende Landzunge, die sich in zabllosen
Felsencilanden (Lurö) bis zu der großen Insel Kal-
landsö gleichsam fortsetzt, teilt das ganze Becken
in den kleinen: Dalbosee im Südwesten und den
gröhern eigentlichen W. im Nordosten. Er ist reich
an Fischend Unter den zahlreichen (etwa 30) größern
und kleinern Flüssen, die er aufnimmt, ist der Klarelf
(s. d.) der bedeutendste.
Wengernalp, einer der berühmtesten Aussichts-
punkte (mit Kote!) des Oberlandes im schweiz.
Kanton Bern, in 1885 in Höhe, der Jungfrau, dem
Mönch und dem Eigcr gegenüber, 3 km südöstlich
von Lauterbrunncn, mit dem sie durch die Wengern-
alpbahn (s. d.) verbunden ist, an dem Paßwcg über
die Kleine Scheidegg. (S. Scheideck.)
Wengernalpbahn, Zahnradbahn von Lauter-
brunncn "über Wengernalp (s. d.) nach Grindelwald
(rund 18 km), 20. Juni 1893 eröffnet (s. Schwei-
zerische Eisenbahnen).
WengerfkaGörka, Eisenwerk bei Ci^cina (s. d.).
Wenglein, Joseph, Landschaftsmaler, ged.
5>. Okt. 1845 zu München, studierte daselbst als
Schüler von Eteffan und Lier die Malerei. W.
entnimmt i'eine Motive meist der obcrbayr. Land-
sckaft, deren grauen Tönen er reizvoll und wabr
nabe kommt, .hervorzuheben sind: Bergrücken mit
Ruine ll.875), Simssee bei Rosenheim (1877), Hocb-
nwor in Oberbayern (1880'. Galerie in Karlsruhe),
Kaltsteinsammlerinnen im Isarbett bei Tölz (1883;
Neue Pinatotbek in München), Im oberbayr. Hoch-
moor (ebd.), Kalköfen an der Isar (1886), Herbst
im oberbayr. Moos (1888'. Museum in Leipzig),
Winter am Isaruser (Nationalgalcrie in Berlin),
Isariandschaft bei Tölz (18l>2- Vtuscum in Leipzig).
Wengrow. 1) Kreis in: nordwcstl. Teil dev
rnss.-poln. Gouvernements Sjedlez, im Gebiet des
Bug und seines Zuflusses Liwez, bat 1338,.". qkm,
71946 E/, Ackerbau, Viehzucht, 7 Branntweinbren-
nereien, 88 Fabriken, darunter Ziegelbrennereien,
Mühlen, Käsereien und 1 Glashütte. - 2) W., poln.
^Vs^w, Kreisstadt im Kreis W. am Liwez, hat
<1894) 8765) E., darunter 6350 Juden; Post, Tele-
graph, 2 kath. und 2 evang. Kirchen; Glockengießerei,
Gerbereien.
Wenigborster, s. Vorstenwürmer.
Weniger-Glogau, preuß. Stadt, s. Ober-
g log au. >s. Bd. 17.
Wenings, Stadt im Grohberzogtun: Hessen,
Wenlock (Mu ch - W enl o ck), Municipalborough
in der engl. Grafschaft Shropshire (Salop), im SO.
von Shrewsbury, Station der Linie Welliugton-
Craven-ArmsderGreat-Nestern-Bahn, zählt (1891)
1^703 E., hat eine Ruine der 1080 gegründeten
(5istercienserpriorei und Steinkohlengruben.
Wennigfen, preuß. Dorf, s. Bd. 17.
Wenno lin, s. Wenden (Stadt).
Wen-fhu, s. Buddha.
Wente, Fluß, s. Windau.
Wentow-Kanal, s. Tabelle I zur Karte: Die
Schiffahrtsstraßen des Deutschen Reiches,
beim Artikel Schiffahrtskanüle.
Wen-tfchou, Vertragshafen in der chines. Pro-
vinz Tscbe-kiang, an der Mündung des On-kiang in
das Meer, nüt geringem ausländischen: Verkehr, hat
1895 etwa 80000 E.
Wentworth, Thomas, s. Strasford, Gras von.
Wentworth - Fitzwilliam, eng! Familie,
s. Fitzwilliam.
Wenzel werden die Unter, oft auch die Ober in
verschiedenen Kartenspielen genannt.
Wenzel (Wenccslaus IV. von Böhmen), deut-
scher König (1378-1400), ältester Sohn Kaiser
Karls IV. aus dem Hause Luxemburg, geb. 1361,
wurde schon als dreijähriges Kind zum König von
Böhmen gekrönt, 1373 nüt der Mark Brandenburg
belehnt, die aber 1378 seinem Bruder Sigismund
übertragen ward, und 1376 zum röm. König ge-
wühlt. 1378 folgte er seinem Vater auf dem böhm.
und deutfchen Königsthron, in einer Zeit, wo die
bürgerlichen und kirchlichen Elemente Deutschlands
sicb in einem Zustande der Gärung und Auflösung
befanden. Zwar versuchte W. auf dem Reichstage
zu Nürnberg 1383 den Etä'dtebündnissen und Adels-
vereinen entgegenzutreten; allein weder dieser Plan
noch ein 1384 zu Heidelberg gemachter und 1387 zu
Mergenthcim wiederholter Versuch einer Gesann-
einigung aller Fürsten und Städte war von Ersvlg.
Aus dem Reichstage in Eger 1389 gelang es endlich,
einen Landfrieden herzustellen. Vergeblich bemühte
er sich ferner, das püpstl. Schisma beizulegen. In
der Verstimmung über seine Mißerfolge überließ
er sich immer mehr seiner Neigung zum Trunke und
zur Jagd und vernachlässigte die Regierungsge-
schäfte. Dazu verleitete ihn seine iahzornige Natur
;u mancherlei Gewaltthaten. So ließ er den Prie-
ster Johann von Nepomuk (s. d.) zu Tode foltern
und von der Prager Brücke in die Moldau werfen.
Der hohe Adel und der Klerus empfanden insbe-
sondere die Strenge seiner Mahregeln. Die bdhm.
Großen verbanden sich mit W.s Bruder, dem König
Sigismund vou Ungarn, und seinem Vetter, dem
Markgrafen Iobst von Mähren. W. wurde aus
einer Reise 1394 überfallen und auf dem Prager
schloß mehrere Monate in geheimer Haft gehalten,
bio auf seines Bruders, des Herzogs Johann von
Görlitz, Betreiben die deutschen Fürsten seine Frei-
lassung bewirkten. Neue Empörungen zwangen ihn,
unter Vermittelung seines Bruders Sigismund und
des Markgrafen Iobst einen Frieden mit dem Adel
einzugehen, wodurcb seine königl. Autorität zu einer
Schattenherrschaft hcrabgedrückt wurde.
Auch in Deutfchland sank sein Ansehen immer
mehr. Während er, in steter Geldnot, sich verleiten
ließ, an Johann Galeazzo Visconti 1395 die Würde
eines Herzogs von Mailand für 100000 Goldgülden
zu verkaufen, benutzten die Ritter- und Städtebünd-
nisse die Unthätigkeit W.s zu Gewaltthätigkeiten,
denen ein neues Landsriedensgebot 1398 auf dem
Reichstage zu Frankfurt nicht zu steuern vermochte.
Als W. sich zur Beseitigung der Kirchenspaltung
mit Frankreich vereinigte, verfeindete er sich mn
dem Erzbischof Johann (s. d.) von Mainz, dem es
endlich gelang, für den Plan der Absetzung W.ö
eine Mehrheit unter den Kurfürsten zu gewinnen.
An: 20. Aug. 1400 wurde zu Oberlahnstein von
den vier Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und
Pfalz die Absetzung W.s beschlossen und an seine
Stelle der Kurfürst Ruprecht von der Pfalz gewählt.
Unterdessen war W. mit den Böhmen in neue Zwi-
stigkeiten geraten, die Sigismund benutzte, um iei-
nen Bruder 1402 gefangen zu nehmen und 15 Mo-
nate zu Wien in Haft zu halten, bis es W. gelang,