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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wilkesbarre - Wille

Unterhauses zur Verantwortung geladen wurde, verweigerte er jedesmal sein Erscheinen. Das Haus wagte nicht mehr gegen ihn einzuschreiten, sondern ließ die Sache fallen. 1772 wurde er zum Sheriff, 1774 zum Lord-Mayor gewählt, 1779 erhielt er das Amt des Stadtkämmerers, das er bis zu seinem Tode, 6. Dez. 1797, behielt. Almon gab die "Correspondence of W. with his friends" (5 Bde., Lond. 1805) heraus; außerdem erschienen "Letters of W. to his daughter" (4 Bde., ebd. 1804). - Vgl. Rae, W. Sheridan, Fox, the opposition under George III. (Lond. 1874); Watson, Biographies of John W. and William Cobbett (ebd. 1870).

Wilkesbarre, Hauptort des County Luzerne und des schönen Wyomingthals im nordamerik. Staate Pennsylvanien, in der Anthracitregion, am Südufer des North-Branch des Susquehanna, der von hier aus schiffbar wird, mit mehrfacher Bahnverbindung, zählte 1880: 23 339, 1890: 37 718 und 1896 etwa 50 000 E. Die 36 Kohlenzechen des Distrikts liefern gegen 6 Mill. t. Anthracit. Die Stadt hat außerdem Eisen- und Maschinenwerke und Gießereien, Brauereien, Fabrikation von Drahtseilen, Achsen, Messerwaren, Papier, Spitzen u. s. w., 3 National-, 3 Staats- und 1 Sparbank, ein Rathaus, Gerichtshaus, Theater, Hochschule, Seminar für Frauen, Bibliothek und geolog. Sammlung. Gegenüber liegt Kingston (2381 E.).

Wiltesland, zusammenfassende Bezeichnung für die von Terminationland nach Clarie- und Adeiieland sich erstreckenden Teile der Südpolarländer (s. d. und Karte).

Wilkie (spr. -ki), David, engl. Maler, geb. 18. Nov. 1785 zu Cults in der schott. Grafschaft Fife, studierte auf der Akademie in Edinburgh. Er zeigte frühzeitig besonderes Talent in der Darstellung von Scenen aus dem täglichen Leben. Nach seiner Ankunft in London 1805 wendete er sich zwar der Porträtmalerei zu, allein bald entschied sein erstes zur Ausstellung in der Akademie geliefertes Bild, Die Dorfpolitiker, über die Richtung, die er seitdem verfolgte. Er wurde 1811 Mitglied der Akademie und nach Sir Henry Raeburns Tode vom König zum schott. Hofmaler ernannt. 1825 reiste er nach dem Festland, lebte einige Jahre in Italien und ging dann nach Spanien, wo er eine Reihe Bilder malte, die Scenen aus dem Kriege auf der Pyrenäischen Halbinsel in den J. 1808-14 darstellen und sich jetzt in der königl. Sammlung befinden. Nach Sir Thomas Lawrences Tode wurde W. noch unter Georg IV. 1830 erster Hofmaler und von Wilhelm IV.in dieser Stelle bestätigt. 1840 ging er nach dem Orient; bei der Rückreise starb er 1. Juni 1841 im Angesicht von Gibraltar auf dem Schiffe. Seine Genrebilder, die sich durch Feinheit der Beobachtung auszeichnen, gehören meist der Sphäre des gemütlichen Humors an und zählen zu den bedeutendsten auf diesem Gebiete. Von seinen zumeist in der Londoner Nationalgalerie befindlichen Gemälden sind außer den Dorfpoltikern zu nennen: Das Dorffest, Das Blindekuhspiel (s. Tafel: Englische Kunst II, Fig. 9), Der Zinstag, Der blinde Geiger, Die Eröffnung des Testaments (Neue Pinakothek in München), Die Pensionäre in Chelsea die Nachricht von der Schlacht bei Waterloo lesend, John Knox nach seiner Rückkehr aus der Verbannung in der Kathedrale St. Andrews predigend (1824). Eine Biographie W.s verfaßte Allan Cunningham (3 Bde., Lond. 1843).

Wilkinasaga, s. Thidrekssaga.

Wilkischen, czech. Vlkýš, Dorf in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Mies in Böhmen, hat (1890) 2146, als Gemeinde 2287 deutsche E.; Brauerei, Spiritusbrennerei, Steinkohlengruben und ein Eisenwerk Hermannshütte der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft (600 Arbeiter).

Wilkomir. 1) Kreis im südöstl. Teil des russ. Gouvernements Kowno, von der Swenta (zur Wilija) durchflossen, hat 5901,5 qkm, 227 525 E., meist Litauer; Ackerbau, Branntweinbrennereien, Mühlen, 20 Keilereien. - 2) W., litauisch Wikomerge, poln. Wilkomierz, bei den Kreuzrittern Wilkemirgen, Kreisstadt im Kreis W., rechts an der Swenta; hat (1894) 16 890 E., darunter 10 850 Israeliten; russ., kath. Kirche, Synagoge und elf israel. Betschulen; fünf Gerbereien, drei Brauereien, eine Töpferei und großen Flachshandel.

Wilkowyschki, russ.-poln. Kreis und Kreisstadt, s. Wolkowyschki.

Willaert (spr. -ahrt), Adrian, Gründer und Haupt der ältern venet. Tonschule, geb. um 1480 zu Brügge oder Roulers in Belgien, ward durch Jean Mouton gebildet, kam 1516 nach Italien und wurde l527 Kapellmeister an St. Markus in Venedig. Hier schuf er etwas Neues in der Musik dadurch, daß er das doppel- und wechselchörige Singen, welches er in der Markuskirche mit ihren beiden gegenüber liegenden Orgelchören vorfand, zu kunstvollen Doppelchören ausbildete, die ein Jahrhundert lang der venet. Kirchenmusik eigentümlich blieben und sodann durch allgemeine Verbreitung in der musikalischen Kunst dauernd erhalten sind. Er komponierte zahlreiche Werke in allen Arten der damaligen geistlichen und weltlichen Musik, bildete viele Schüler und starb 7. Dez. 1562 in Venedig.

Willamette (spr. -mett), Fluß im nordamerik. Staate Oregon, entspringt auf den Kaskadengebirgen, fließt erst nach NW., dann nach N. und mündet in den Columbia. Er ist 480 km lang und bis Portland schiffbar; 40 km oberhalb seiner Mündung bei Oregon City sind die Willamettefälle.

Willd., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Karl Ludwig Willdenow (s. d.).

Willdenow, Karl Ludwig, Botaniker, geb. 1765 in Berlin, wurde 1798 Professor der Naturgeschichte am mediz.-chirurg. Kollegium daselbst, 1810 Professor an der Universität und starb 1812. Er schrieb: "Florae Beroliensis prodromus" (Berl. 1787), "Grundriß der Kräuterkunde" (ebd. 1792; 7. Aufl., von Link, 1831), "Anleitung zum Selbstudium der Botanik" (ebd. 1804; 4. Aufl. 1832).

Wille, die allgemeine Bezeichnung für eine Gruppe seelischer Thätigkeiten, denen die Beziehung auf die Veränderung des gegenwärtigen und die Herstellung eines zukünftigen Zustandes gemeinsam ist. Die ältere Psychologie betrachtete den W. als eins der sog. Vermögen der Seele (das höhere Begehrungsvermögen, s. d.), d. h. als eine einheitliche und selbständige Grundkraft, aus der sich die einzelnen Willensbethätigungen als ihre Wirkungen ergeben sollten. In der neuern Psychologie hält man teils den W. nur für ein Erzeugnis oder einen Komplex von Empfindungen oder Vorstellungen, teils gesteht man ihm in engerm oder weiterm Sinne eine ursprüngliche Selbständigkeit zu. Die moderne Psychologie, die alles Psychische als Bewußtseinserscheinung auffaßt, legt den Hauptwert auf den Nachweis einer elementaren Bewußtseinsfunktion