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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zaubersprüche - Zaunkönige
Förmlichkeiten vorhält. Er erhält dadurch die Eigenschaft, Personen, verborgene Schätze und andere verborgene Dinge, Diebe, Hexen, den zukünftigen Gatten u. s. w. zu verraten. In der Mitternacht stunde des Sylvesterabends wird jeder Spiegel zum Z. - Vgl. Wuttke, Deutscher Volksaberglauben der Gegenwart (2. Aufl., Berl. 1861).
Die japanesischen Z. sind Metallspiegel, deren Rückseite ein starkes Relief trägt. Beim Schleifen werden die dickern Stellen wegen geringerer Nachgiebigkeit hohl. Infolgedessen projiziert der anscheinend ebene Spiegel, ins Sonnenlicht gestellt, ein Bild des Reliefs an die Wand.
Zaubersprüche und Zaubersegen, namentlich zur Heilung von Krankheiten und Schäden bei Menschen und Tieren, auch zum Schutz auf Reisen, zum Schutz der Tiere auf dem Felde und Ähnlichem, sind den alten Deutschen mit den vedischen Indern gemein. Die kräftige Formel pflegt einem epischen Eingang, der einen typischen Fall erzählt, zu folgen; zur Verstärkung des Zaubers dienten ligaturae, Knotungen (s. Nestel). Die ältesten deutschen Zaubersprüche sind noch heidnisch, die spätern oberflächlich ins Christliche umgearbeitet. Von den beiden wichtigsten und frühesten, den Merseburger Zaubersprüchen (hg. von J. Grimm, über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutschen Heidentums, Berl. 1842), ist der eine bestimmt zur Lösung eines Kriegsgefangenen, wobei eine Walkürenscene geschildert wird, der andere, der eine Götterschar einführt, zur Heilung eines lahmen Pferdes. Andere Sprüche richten sich gegen Würmer, auf die man Schwindsucht, Gicht u. s. w. schob, sowie gegen Blutungen, Schwamm, Epilepsie u. s. w. Sammlungen der ältern Zaubersprüche und Zaubersegen befinden sich in Müllenhoffs und Scherers "Denkmälern deutscher Poesie und Prosa", Nr. 4 u. 47 (3. Ausg., 2 Bde., Berl. 1892). - Vgl. auch Scherer, Altdeutsche Segen (Berl. 1885); Schönbach in den "Analecta Graeciensia" (Graz 1893); Weinhold, Die altdeutschen Verwünschungsformeln (Berl. 1895).
Zauberstrauch, virginischer, s. Hamamelis virginica.
Zauch-Belzig, Kreis im preuß. Reg.-Bez. Potsdam (s. Karte: Brandenburg u. s. w.), hat 1921,77 qkm und (1890) 77105 (38574 männl., 38531 weibl.) E., 6 Städte, 151 Landgemeinden und 75 Gutsbezirke. Sitz des Landratsamtes ist Belzig (s. d.).
Zauckerode, Dorf im Plauenschen Grunde (s. d.).
Zauden, Gaugerichte in Böhmen, s. Cuden.
Zauke, Pflanzenart, s. Convallaria.
Zaumgeld, soviel wie Halftergeld (s. d.).
Zäumung, Zusammenstellung aller derjenigen Hilfsmittel, die zur Führung und Lenkung der Reit- und Zugpferde dienen. Die Einwirkung der Z. erfolgt auf die Lefzen (Lippen) oder Kinnladen vermittelst des im Maul des Pferdes liegenden Gebisses (s. d.). Dieses wird mit dem Kopf des Pferdes verbunden durch das Kopfgestell (s. d.). Die Wirkung des Leiters auf das Gebiß erfolgt durch die Zügel (s. d.). Die einfachste Art der Z. ist die Trense (s. d.); sie wirkt weich und einfach lediglich auf die Lefzen des Pferdes und erfordert kein besonderes feines Gefühl in der Handhabung. Stärker und zwar auf die Kinnladen wirkt die Kandare (s. d.). Eine besondere Art von Z. ist der Kappzaum (s. d.j, bei dem durch das Anziehen der Zügel der Drall eines eisernen Bandes auf die Nase des Pferdes wirkt. Zur Befestigung des Pferdes während der Ruhe dient der (oder die) Halfter (s. d.).
Beistehende Fig. 1 stellt die ganze Z. von hinten, Fig. 2 den untern Teil derselben von der Seite dar, und zwar bezeichnen a Kopfstück (Genickstück), b Stirnriemen, c Kehlriemen, d Backenstücke, e Nasenriemen, f Mundstück und g Hebel der Kandare, h Kinnkette, i Kinnkettenhaken, k Trensengebiß, l Trensenzügel und m Kandarenzügel.
^[Abb.]Fig. 1.
^[Abb.]Fig. 2.
Zugpferde werden meist wie Reitpferde gezäumt; beim Fahren vom Sattel werden indessen nur die Sattelpferde durch die Kandarenzäumung geleitet; bei den Handpferden werden die Kandarenzügel in der Regel am Geschirr befestigt, während die Führung durch die Trense geschieht. Die Leitung der Zugpferde vom Bock aus geschieht meist ebenfalls mittels Trensengebiß. - Vgl. Spohr, Die Z. bei Reit- und Kutschpferden. Eine rationelle Zäumungslehre u. s. w. (Hannov. 1888).
Zaun, s. Einfriedigung.
Zauneidechse, s. Eidechsen nebst Tafel: Echsen I, Fig. 2.
Zauner, Franz, Edler von Feldpaten, Bildhauer, geb. 1746 zu Feldpaten inl Oberinnthal, studierte 1766-71 in Wien beim Akademieprofessor Schlotterer, arbeitete dann beim Hofbildhauer Beyer, welcher damals den reichen Statuenschmuck für das Schloß zu Schönbrunn besorgte, jedoch Z.s Selbständigkeit aus Neid unterdrückte, bis es letzterm durch den Fürsten Kaunitz gelang, sein Brunnenmodell für den Schloßhof durchzusetzen. Maria Theresia sandte ihn für 1776-80 nach Italien. Als Professor, Direktor und Hofstatuarius leitete er die österr. Plastik vom Barockstil zum Klassicismus über. Er starb 3. März 1822 in Wien. Z.s bedeutendste Leistung ist das 1807 vollendete Reiterdenkmal Kaiser Josephs II. in Wien, durch das er sich um die Wiederbelebung der Erzgießerkunst in Österreich große Verdienste erwarb.
Zaunkönige (Troglodytidae, Zaunschlüpfer, eine aus 17 Gattungen und 94 Arten bestehende, über den größten Teil der Erde verbreitete Familie kleiner munterer Vögel aus der Ordnung der Sperlingsvögel, voll unansehnlicher Farbe, mit dünnem, vorn stark zusammengedrücktem, bei ausländischen Arten schwach gebogenem Schnabel, mittelhohen, dünnen Füßen, runden Flügeln und kurzem, aufrechtem Schwänze. Die Z. kommen in der Alten Welt bis zum Himalaja, in der Neuen bis über den südl. Wendekreis vor. Deutschland und der größte Teil von Europa besitzt nur eine Art, den gemeinen Zaunkönig (Troglodytes parvulus Koch, s. Tafel: Mitteleuropäische Singvögel II, Fig. 6, beim Artikel Singvögel; Ei des Zaunkönigs s. Tafel: Eier mitteleuropäischer Singvögel,