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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Fischguano

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Fischbein - Fischguano

sich in der Mitte des Rachens und sind 1½ bis 4 m lang. Ihre Zahl beträgt beim einzelnen Tiere 6-700, es werden aber nur die größern und mittlern verwendet, die kleinsten oder Nebenbarten gewöhnlich weggeworfen. Die nach Erlegung des Tieres ausgehauenen Barten werden vom anhängenden Speck befreit und kommen entweder ganz in Packeten von 10-12 Stück von den Schiffen, oder man hat sie des bequemern Unterbringens halber bereits mit eisernen Keilen der Länge nach gespalten und dann gebündelt. Solchergestalt gelangen sie in die Fischbeinreißereien, deren es in den meisten Einfuhrhafenstädten, Hamburg, Bremen, Amsterdam, Kopenhagen, auch in größeren Fabrikstädten wie Berlin, Wien gibt. Die Barten werden hier, nachdem die faserigen Barte abgeputzt worden, auf erforderliche oder vielmehr thunliche Länge, d. h. so lang, daß die einzelnen Stücke noch gleichmäßig stark sind, zersägt, denn die Preise der Ware wachsen mit der Länge der Stücke und was 1½ m und darüber lang ist, trägt in der Regel den doppelten Preis dessen, was unter diesem Maße bleibt. Man erweicht die Stücke in heißem Wasser, spannt sie in einen Schraubstock und spleißt sie mit einem zweigriffigen, zu einem Bogen geformten Messer zu den verschiedenen Nutzstücken, die dann noch glatt geschabt werden. Man gewinnt so die viereckigen Stäbe zu Schirmen (Schirmfischbein), die flachen zu Korsets etc. (Schneiderfischbein), die 3-4½ cm breiten Platten zu Blankscheiten; zum Einlegen in Damenhüten, formt man dünne Ruten, die dann noch zugerundet und als Putzfischbein in Ringen verkauft werden, indes die andern Sorten gebündelt sind. Die sonstigen Anwendungen des F. zu Stöcken, Reitpeitschen, feinen Korb- und andern Galanteriewaren sind bekannt. Die feinen Schabspäne werden wie Roßhaare zum Polstern benutzt. Das F. läßt sich in heißen Wasserdämpfen und heißem Sande auch gleich dem Horn erweichen und dann durch Pressen zu Dosen, Stockknöpfen etc. verarbeiten. Schleif- und Putzmittel für den Stoff sind mit Wasser angemachtes feines Bimssteinpulver, das mit Filz aufgerieben wird, und an der Luft zerfallener gebrannter Kalk. -

Das F. war im vorigen Jahrhundert, wo es dessen weit mehr gab, doch noch teurer als jetzt, weil für die steifen Schnürbrüste und mächtigen Reifröcke der Frauen enorme Massen benötigt wurden. Später sank die Ware stark im Preise, um in unsrer Zeit allmälig wieder höher zu gehen. Der Mangel an F. zu mäßigen Preisen hat sich am fühlbarsten gemacht bei dem häufigsten Verbrauchsartikel, den Regenschirmen. Die Anwendung feiner Stahlstäbe bietet keinen ganz genügenden Ersatz, auch sind sie nicht wohlfeil. Dagegen hat sich als ein Surrogat, das das wirkliche F. wenigstens im Äußeren ziemlich gut nachahmt, das sog. Wallosin Eingang verschafft und findet bei den Schirmen zu geringern und Mittelpreisen vielfache Anwendung, sodaß nur bei den besseren Sorten der echte Stoff oder auch Stahl zu finden ist. Der Erfinder und erste Fabrikant dieses Kunstfischbeins ist Th. Vöckler in Kölln bei Meißen; der Grundstoff ist spanisches Rohr, das einer eigentümlichen, seine Poren dichtenden Behandlung unterliegt. Soviel bekannt wird das geschälte und vierkantig gespaltene Rohr erst schwarz gefärbt, dann durch Kochen unter 2-6 Atmosphären Dampfdruck erweicht und in einem warmen Luftstrom völlig wieder getrocknet; die Stücke werden dann in eine Auflösung von Kautschuck und Guttapercha eingelegt und diese Lösung mittels starken hydraulischen Drucks ins Innere des Rohrs eingepreßt; zugleich werden aber auch durch Hinzufügung einer Lösung von Schwefel in Teeröl Kautschuk und Guttapercha vulkanisiert. Dann werden die Stäbe vorsichtig getrocknet; nochmals unter starkem Druck gedämpft, gewalzt und wieder getrocknet. Die Ware kommt nun als fertig geformte Schirmstäbe zum Verkauf und es kann ihr in Betracht solcher Herstellungsweise alles Gute zugetraut werden; es muß aber von andern Seiten viel leichter gearbeitete Ware angebracht werden, da man nicht selten mit dergleichen Schirmen üble Erfahrungen machte. Die Stäbe haben dann den großen Fehler, gegen Nässe nicht unempfindlich zu sein, halten sich daher nach jedem Regen längere Zeit in allen Richtungen gekrümmt und sprengen dadurch Haften und Ösen, sodaß der Schirm sich thatsächlich selbst ruiniert. - Fischbein, weißes, ist das Knochengerüst des sogenannten Tintenfisches oder der Sepia (s. d.) - Zoll: Rohes Fischbein ist zollfrei; gerissenes, auch in geglätteten Stäben s. Tarif im Anh. Nr. 13 f.; Fischbeinwaren Nr. 13 g.

Fischguano. Zu den künstlichen Düngemitteln, welche in neurer Zeit in immer steigendem Maße aufgesucht, fabriziert und an den Markt gebracht werden, gehört auch Fischdünger, dem eigentlich der Name Guano nicht zukommt, da er nicht aus Excrementen besteht. Da man zu allen Zeiten in Küstengegenden mit Fischen und Fischabfällen gedüngt hat, so liegt das Neue an der Sache nur darin, daß man dieselben jetzt in eine haltbare und transportable Ware verwandelt und in den Handel bringt. Es geschieht dies in mehreren Küstengegenden, namentlich Englands, Frankreichs und Norwegens. Vom letztern Lande stammt die bei uns in Deutschland importierte Ware. Dieselbe ist getrocknete und zerkleinerte Fischmasse, und besteht wohl immer aus den Abfällen, welche man bei der Stockfisch- Herings- und Thranbereitung nebenbei in Massen erhält. Sonst bietet aber das Meer noch unerschöpfliche Mengen geringer, in andrer Weise nicht nutzbarer Fische, welche jede noch so große Nachfrage nach Guano decken könnten, so kommt auch das zerkleinerte und getrocknete Fleisch der Haifische unter den besonderen Namen Haifischguano in den Handel. Die ersten F.sendungen kamen von den Lofodden, dieser großen norwegischen Fischereistation. Die 20 Millionen Kabliaus, welche alljährlich in den ersten 3 Monaten um diese Inseln herum gefangen und auf ihnen ausgeschlachtet werden, geben schon eine bedeutende Menge Abfälle. Die Zubereitung des F. besteht darin, daß man die Fischmasse in Cylindern mit heißen Wasserdämpfen behandelt, dann Wasser und