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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

bildern und zeigen auch deren Fußstellung, was bei einem Vergleich zwischen der Amazone (Fig. 135) und dem Speerträger (Fig. 104) leicht erkannt werden wird.

Die Formen sind, der Eigenart der Amazonen entsprechend, stark den männlichen genähert, kraftvoll und streng. Die verwundete Amazone soll im Wettbewerb mit Phidias und Kresilas entstanden sein, und man hat versucht, aus den zahlreich erhaltenen Amazonen-Standbildern die zu der Eigenart jener Meister passenden herauszufinden. Ich gebe in Fig. 136 die Abbildung einer Amazone, deren Urbild bald auf Phidias, bald auf Kresilas zurückgeführt wird, ohne daß etwas Sicheres darüber gesagt werden kann, da sie sehr stark ergänzt ist und auch bei anderen Nachbildungen der richtige Kopf fehlt. Jedenfalls giebt sie aber die Möglichkeit zu einem Vergleich, um das Eigenartige der Kunst Polyklets erkennen zu lassen. Der Unterschied zwischen beiden Werken beruht zunächst in der strengeren Formgebung bei Polyklet, dann in der Haltung, die, wie ich schon sagte, durch Zurücksetzen und leichtes Anziehen des linken Fußes Aehnlichkeit mit der des Speerträgers erhielt, während sie bei der anderen die seitliche Stellung des linken Fußes wie bei den Athenabildern des Phidias annimmt. Das Gewand, das bei der zweiten Amazone das Feinfaltige der Kleidung der Parthenonfrauen zeigt, ist bei Polyklet einfacher und natürlicher, und in die ganze Gestalt ist mehr Ausdruckstiefe gelegt: sie zeigt das Ermatten, das durch die Wunde hervorgerufen wurde. Bei der zweiten Amazone kann man nicht aus der Haltung auf eine Verwundung schließen, eine solche ist vielleicht auch bei dieser nicht gedacht. Die Arme sind nach einer Darstellung auf einem geschnittenen Stein ergänzt, nach der sich die Amazone auf einen Speer stützte. - Eine einst hochgepriesene Hera

^[Abb.: Fig. 165. Gruppe des Menelaos.

Rom, Museum Boncompagni.]

^[Abb.: Fig. 166. Schlafende Ariadne.

Rom, Vatikan.]