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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Altaische Sprachen; Altaīt; Altamūra; Altān; Altar

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Altaische Sprachen - Altar.

durchforschte, ergab indessen als Resultat, daß die Rente wohl eine Unterbrechung erleiden werde, aber sich wieder steigern müsse, da die Lager unmöglich erschöpft sein können. Notwendig zur Fortführung und Hebung des Bergbaus ist jedoch, daß die Kohlen der kusnezkischen Becken (südlich von Tomsk) benutzbar werden; denn die früher ausgedehnten Waldstrecken, welche die Russen vorfanden, sind durch Abtrieb ohne Sorge für Wiederbewaldung sowie durch häufige Waldbrände bereits stark gelichtet. Die trocknen Südwestwinde wirken zum Verschwinden des Waldes, der aus Fichten, Kiefern, Lärchen, Birken und Espen besteht, wie zum Überhandnehmen der Steppe mit. - Neben dem Bergbau hat sich im A. eine lebhafte Steinindustrie entwickelt; Säulen, Kamine, Vasen, Etageren und dergleichen Gegenstände werden aus Porphyr, Grünstein, sogen. Jaspis, Marmor und Granit gefertigt; eine Zeichenschule sorgt für Entwickelung des Geschmacks. - Der Sommer ist in dieser kontinentalen Region der Erdoberfläche sehr warm, der Winter aber auch sehr kalt; kein Jahr vergeht, ohne daß das Quecksilber einige Male erstarrt, und obwohl Zucker- und Wassermelonen vortrefflich im Freien gedeihen, so gelingt es doch nicht, irgend einen Obstbaum unbeschützt am Leben zu erhalten. Die Steppenflora reicht bis zu 300 m; die Waldflora nimmt den Raum ein zwischen 300 und 1200 m, und oberhalb des Waldes steigt unter der starken Verwitterung des Schiefergesteins die Alpenflora am Nordabhang bis 1950 m, am Südabhang bis 2250 m. Die Fauna ist hier und da noch reich an Wild (Edelhirsche, Elentiere, sibirische Rehe), aber auch an Wölfen, Füchsen, und auf den Höhen findet sich mit dem Marder zugleich der Zobel; häufig ist auch der Bär. An Vögeln ist kein großer Reichtum, zu den Waldhühnern gesellt sich in der Alpenregion das Schneehuhn.

Die einheimische Bevölkerung des A. bilden Mongolen, Kalmücken und sporadisch Kirgis-Kaisaken. Eingewanderte, zu Sibiriaken gewordene Russen wohnen am dichtesten im Bezirk Minussinsk (am Jenissei) und längs der Straßen. In den Tannu- und Ulangumketten sitzen verschiedene spärliche Überreste jagdtreibender Völker, deren Ursprung schwer zu deuten ist. An diese Bergvölker grenzen im NW. die Bergkalmücken, Mongolenstämme, welche, durch die Schwierigkeiten der hier noch stark bewaldeten Berge in der Viehzucht beengt, sich bald der Jagd, bald auch, durch die europäisch-sibirische Bevölkerung angeregt, dem Ackerbau Zugewendet haben und den Sibiriaken in der Lebensweise ähneln. Die Kirgis-Kaisaken (dem türkischen Stamm angehörend) breiten sich vor der Hauptmasse des A. längs seiner Nordseite aus; die Sibiriaken haben sich hauptsächlich der Thalsohlen und Grubendistrikte bemächtigt. Die gesamte Bevölkerung des A.-Sajanischen Gebirgsabschnitts berechnet Wenjukow ("Die russisch-asiatischen Grenzlande", deutsch, Leipz. 1874) zu 690,400 Seelen, darunter 440,000 Sibiriaken und Russen, 120,000 Mongolen, 35,000 Kalmücken, 26,000 Buräten, 54,400 turkisch-finnische Stämme (Urjanchen, Darchaten etc.), 10,000 Kirgisen, 5000 Chinesen, Mandschuren. Im Durchschnitt wohnen 1,5 Menschen auf dem Quadratkilometer. Vgl. B. v. Cotta, Der A., sein geologischer Bau und seine Erzlagerstätten (Leipz. 1871).

Altaische Sprachen, s. Uralaltaische Sprachen.

Altaīt, s. Tellurblei.

Altamūra, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Bari, in gesegneter Weingegend, hat ein Lyceum, ein Gymnasium, eine schöne Kathedrale und (1881) 19,817 Einw., welche starke Viehzucht treiben. In der Nähe Ruinen der Station Lupatia an der Via Appia. A. ward 1220 unter Friedrich II. neu aufgebaut; es ist die Heimat des Komponisten Mercadante (s. d.).

Altān (auch Altane, v. ital. altana), herausgebauter, mehr oder weniger offener Teil eines Gebäudes, welcher aus den obern Stockwerken einen unmittelbaren Austritt ins Freie gestattet. Solche Altane werden entweder an abgestumpften oder abgerundeten Ecken oder an der Haupt- und Nebenfassade herausgebaut und zwar entweder auf den Mauern eines unter ihnen befindlichen Gebäudevorsprunges oder durch besondere Säulen oder Pfeiler (auch Karyatiden, Atlanten oder Hermen) gestützt. Gewöhnlich sind sie bloß an das untere Stockwerk angebaut und dienen dann zum Austritt nur aus dem darüber befindlichen Stockwerk, bisweilen reichen sie jedoch durch mehrere oder auch durch sämtliche Stockwerke.

Altar (v. lat. alta ara), jede künstliche Erhöhung zur Darbringung von Opfern, im Altertum ursprünglich aus Rasen, Erde und Steinen roh aufgebaut; zuweilen aus Holz, das dann mit der Opfergabe zugleich vom Feuer verzehrt wurde. Griechen und Römer machten die Altäre sodann zu Werken der Kunst (Fig. 1), die sie aus Stein meißelten, und brachten an den Ecken Widderköpfe (Hörner) an, ursprünglich wirkliche Schädel der geschlachteten Tiere, später mittels Skulptur hergestellte. Auch schmückte man den A. zum Opferdienst mit Kränzen und Binden. Die Altäre der obersten Götter standen thronartig auf Stufen erhöht. Man errichtete einzelnen Göttern und auch mehreren zusammen Altäre, in Rom auch den Kaisern, wie überhaupt auch Heroen dieser Ehre teilhaftig wurden. Bei Griechen und Römern standen die Altäre außer in Tempeln an den Straßen und Plätzen, in Hainen und bei Quellen, überhaupt an allen für den Verkehr bedeutsamen Orten. So pflegten auch Eroberer die Grenze ihres Vordringens durch die Errichtung eines Altars zu bezeichnen. Lange erhielt sich auch bei den Juden die altnationale Sitte, auf den Höhen Altäre zu errichten, bis seit Salomo oder vielmehr seit Josias der von jenem erbaute Tempel in Jerusalem als ausschließliche Kultusstätte durchgesetzt wurde. Hier stand der Brandopferaltar im Vorhof unter freiem Himmel; an den vier Ecken befanden sich Hörner, die mit dem Opferblut bestrichen wurden. Der Rauchaltar im Heiligtum, auf dem nur Räucherwerk verbrannt wurde, war mit Gold überzogen. Die katholische Kirche hat nach ihrer Opfertheorie den Abendmahlstisch in einen A. um-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. Antiker Altar.]