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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cladosporium; Claim; Clair-obscur; Clairac; Clairault; Claires; Clairet; Clairette; Clairfayt; Clairon; Clairv; Clairvaux; Clairville

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Cladosporium - Clairville.

unregelmäßig becherförmigen, sich aus dem sehr abändernden, kleinblätterigen, rundlappigen Laub über 2,6 cm hoch erhebenden, graugrünlichen Trägern, die am Rand oft wiederum mit Bechern und mit großen, scharlachroten, kopfförmigen Apothecien versehen sind, auf Hügeln und in Wäldern durch ganz Deutschland gemein. C. rangiferina Hoffm. (Renntiermoos, Renntierflechte, Astflechte, s. Abbildung), mit unbedeutendem, krustenförmigem Thallus und zahlreichen blaßgrünen, 2,6-16 cm hohen, strauchförmigen Podetien, welche wiederholt dreigabeligästig sind, und deren unfruchtbare Endäste übergebogen, deren fruchttragende aufrecht sind und braune Apothecien tragen, sehr gemein in trocknen Nadelwäldern und auf der Erde große Rasen bildend, ist in Lappland Hauptnahrung der Renntiere während des Winters und wird auch bei uns in strengen Wintern von den Hirschen aufgesucht. In Skandinavien verarbeitet man sie auf Spiritus.

^[Abb.: Cladonia rangiferina (Renntiermoos).]

Cladosporium, s. Pleospora.

Claim (engl., spr. klehm), Anspruch, Reklamation.

Clairac (spr. klärack), Stadt im franz. Departement Lot-et-Garonne, Arrondissement Marmande, am Lot, hat (1876) 2388 Einw., welche feine weiße Weine (vins pourris) bauen und Pflaumenhandel treiben. C. war die erste Stadt, die sich zur reformierten Kirche bekannte.

Clairault (Clairaut, spr. kläroh), Alexis Claude, Mathematiker, geb. 13. Mai 1713 zu Paris, wurde, 18 Jahre alt, auf Grund seiner "Recherches sur les courbes à double courbure" (Par. 1731) Mitglied der Akademie, ging 1736 mit Maupertuis nach Lappland, um die große Meridianvermessung vorzunehmen, teilte 1743 der Akademie seine berühmte Theorie von der Gestalt der Erde mit ("Théorie de la figure de la terre", das. 1743) und ward so der erste französische Mathematiker, der die Entdeckungen Newtons weiterführte und den analytischen Ausdruck für die Bedingungen des Gleichgewichts der Flüssigkeiten gab. Nicht minder erfolgreich beschäftigte er sich mit der Theorie des Mondes ("Théorie de la lune", Par. 1752, 2. Aufl. 1765). In Verbindung mit Madame Lepaute bestimmte er die Wiederkunft des Halleyschen Kometen auf den 15. April 1759 und veröffentlichte darüber: "Recherches sur les comètes des années 1531, etc." (Par. 1760). Er starb 17. Mai 1765.

Claires, s. Kambrais.

Clairet (franz., spr. klärä), in Frankreich jeder blaßrote Wein; auch Kräuterwein, Würzwein.

Clairette (franz., spr. klärett), blaßroter Likör, besonders Kirschlikör; in Südfrankreich (Clarette) leichter Weißwein.

Clairfayt, österreich. Feldherr, s. Clerfait.

Clair-obscur (franz., spr. klär-obskühr), s. Helldunkel. In der Holzschneidekunst ist Clair-obscurschnitt das Verfahren, mit zwei oder mehreren Druckplatten farbige Holzschnitte herzustellen. Dasselbe wurde zuerst durch die Mainzer Buchdrucker Fust und Schöffer, welche Initialen mit mindestens zwei Platten druckten, angewendet und später von Jost de Negker in Augsburg und Joh. Wechtlin in Straßburg vervollkommt. Vgl. Holzschneidekunst.

Clairon (franz., spr. kläróng), s. Clarino.

Clairon (spr. kläróng, eigentlich Claire Josephe Hippolyte Leyris de la Tude), berühmte franz. Schauspielerin, ward 1723 in der Nähe von Condé in Flandern geboren. Trotz ihrer vernachlässigten Erziehung trat C. schon im 12. Jahr in der Italienischen Komödie als Soubrette auf, war dann vier Jahre Mitglied der Bühne in Rouen, hierauf an den Bühnen zu Lille, Dünkirchen und Gent engagiert, bis sie als Sängerin 1743 in der Großen Oper zu Paris angestellt wurde. Trotz eines entschiedenen Erfolgs ging sie schon nach fünf Monaten von der Oper zu der Comédie française über. Sie begann ihr Debüt mit der Phädra, feierte einen glänzenden Triumph und ward bald eine bedeutende Nebenbuhlerin der Dumesnil. Nachdem sie 22 Jahre lang der Liebling des Publikums gewesen, ward sie, weil sie sich in gerechtem Unwillen über einen Taugenichts unter den Schauspielern geweigert hatte, aufzutreten, 1765 ins Gefängnis gebracht und betrat seitdem die Bühne nicht wieder. Auf eine Einladung des Markgrafen von Ansbach begab sie sich, bereits 50 Jahre alt, an dessen Hof, wo sie bis 1791 blieb, kehrte dann nach Paris zurück und starb daselbst 18. Jan. 1803. Stolz von Natur, mit Schönheit und edler Gestalt ausgestattet, spielte sie Rollen wie Phädra, Zenobia, Monomime, Dido und vor allen Medea vorzüglich. Voltaire sagte von ihr: "Sie hat im Ton der Stimme, was die Dumesnil im Herzen". Sehr lehrreich sind ihre "Mémoires d'Hippolyte C. et réflexions sur la déclamation théâtrale" (Par. 1799; neue Aufl., mit Biographie von Andrieux, 1822; neue Ausg. 1847).

Clairv., bei zoolog. Namen Abkürzung für J. ^[Joseph Philippe] de Clairville (spr. klärwil), franz. Entomolog, gestorben in der Schweiz zu Anfang dieses Jahrhunderts.

Clairvaux (spr. klärwoh), ehemals berühmte Cistercienserabtei im franz. Departement Aube, Arrondissement Bar, an der Aube und der Ostbahn, gestiftet vom heil. Bernhard 1115 und von ihm bis zu seinem Ende geleitet. Herzog Hugo von Troyes hatte den Grund dazu geschenkt, der, eine wüste Waldgegend, Clara Vallis genannt und von den Mönchen urbar gemacht wurde. Bei Bernhards Tod (1153) zählte die Stiftung schon 700 Mönche. Lange erhielt sich die ihr von ihrem Stifter auf Grund von Benedikts Regeln aufgeprägte Einfachheit; allmählich aber erhoben sich neben dem ursprünglichen bescheidenen Kloster neue palastähnliche Gebäude, die ihrerseits durch die majestätische Kirche verdunkelt wurden. C. war als Tochter von Cîteaux kurz vor der Reformation die Mutter von 357 Mannsklöstern und außerdem von vielen Frauenklöstern. Nach einer Stiftung Alfons' I. von 1143 waren die Könige von Portugal verbunden, alljährlich einen Zins von 50 Goldmaravedis nach C. zu entrichten, was der Abtei Veranlassung gegeben haben mag, nach König Sebastians Tode das Königreich selbst als Eigentum zu beanspruchen. Durch die französische Revolution aufgehoben, dient die Abtei gegenwärtig als Zentralgefängnis für die 13 östlichen Departements Frankreichs, mit durchschnittlich 2000 Insassen. Vgl. Arbois de Jubainville, Études sur l'état intérieur des abbayes cisterciennes et principalement de C. (Par. 1858).

Clairville (spr. klärwil), Louis François, eigentlich Nicolaie, franz. Bühnendichter, geb. 28. Jan. 1811

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]