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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kinzelbach; Kinzig; Kióh; Kioko; Kios; Kiosk; Kioto; Kipfenberg; Kippe; Kipper und Wipper; Kippregel

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Kinzelbach - Kippregel.

und er erst später nach Kypros übergesiedelt sein, wo er die Stadt Paphos gründete. Er zeugte mit seiner eignen Tochter Myrrha den Adonis (s. d.) und tötete sich, nachdem er seines Frevels inne geworden. Das Wort K. hängt mit dem phönikischen kinnor ("Harfe") zusammen. Er galt für den Urheber von musikalischen Festfeiern.

Kinzelbach, Gottlob Theodor, Afrikareisender, geb. 24. Juni 1822 zu Stuttgart, erlernte Mechanik und gründete 1854 ein Geschäft in Konstantinopel, nach dessen Auflösung er mehrere Jahre lang verschiedene Teile des türkischen Reichs bereiste. 1859 nach Deutschland zurückgekehrt, schloß er sich der Heuglinschen Expedition an, besuchte 1860-62 den Norden von Abessinien und ging dann mit Munzinger über Chartum nach Kordofan, wobei ihm die Ortsbestimmungen, Höhenmessungen und meteorologischen Beobachtungen zufielen. 1862-64 studierte er in Stuttgart orientalische Sprachen und ließ sich dann in Kairo geschäftlich nieder. Aber schon 1866 trat er wieder eine Reise nach der Somalküste an, um dem Schicksal v. d. Deckens nachzuforschen, ging im Januar 1867 von Sansibar nach Barawa, dann nach Makdischu und von dort nach Gelidi am Webi-Doboi, wo er Ende desselben Monats starb.

Kinzig, 1) rechter Nebenfluß des Rheins in Baden und der Hauptfluß im mittlern Schwarzwald, entspringt nahe der Ostgrenze des Schwarzwaldes im Württembergischen, südlich von Freudenstadt bei Loßburg, fließt nach W., empfängt links die Schiltach und die vom Kesselberg kommende Gutach (mit dem links einmündenden Fallbach, welcher bei Triberg einen 170 m hohen Wasserfall in sieben Absätzen bildet), rechts die vom Kniebis kommende Wolfach, wendet sich bei Haslach nach NW., tritt bei Offenburg in die Ebene, nimmt in derselben links die vom Hünersedel kommende Schutter auf und mündet, nachdem sie eine Insel gebildet, bei Kehl, 75 m breit. Die K. ist 112 km lang und wird stark zur Holzflößerei benutzt. Von ihr hatte früher der Kinzigkreis in Baden seinen Namen, der Offenburg zur Hauptstadt hatte. - 2) Fluß in der preuß. Provinz Hessen-Nassau, entspringt am Sterbfritzer Eisenbahntunnel im Kreise Schlüchtern, durchströmt in Südwestrichtung ein ansehnliches Thal, das er bei Gelnhausen verläßt, und mündet nach 82 km langem Lauf bei Hanau rechts in den Main.

Kióh, chines. Feldmaß, s. Ma-u.

Kioko (Quioco), afrikan. Volksstamm im Reich des Muata Jamvo (s. d.), welchem er tributär ist. Sie sind wohlgebaute Leute, welche das Haar in lange, bleifederdicke Strähne geflochten tragen und tüchtige Jäger und Bienenzüchter sind. Auch beuten sie ihre Wälder nach Gummi aus. Als Besitztum schätzen sie aber vor allem die Sklaven, die sie gut behandeln. Ihre Dörfer legen sie in Wäldern an, wo sie sich Raum durch Niederbrennen der Bäume verschaffen. An Haustieren züchten sie Ziegen, Hühner und Hunde, seltener Schweine und Schafe, und pflanzen Maniok, Mais, Hirse, Erdnüsse, Bohnen. Da im Lande der K. das Eisen zu Tage liegt, befassen sie sich mit oberflächlicher Gewinnung und Verarbeitung desselben in Schmelzöfen, und die Kiokoschmiede sind im Lundareich geschätzt. Von hoher Bedeutung ist für die K. der in großem Maßstab betriebene Raubbau auf Gummi, infolge dessen die Gummifelder sehr gelichtet werden und, weil keine Nachpflanzung vorgenommen wird, das Volk in einer nordwärts gerichteten Bewegung sich befindet, um immer wieder neues Material für diesen Raubbau in Angriff zu nehmen. Das Land der K. ist in Distrikte eingeteilt, von denen jeder unter einem großen Häuptling mit Namen Mona steht. Jedes der Dörfer hat einen kleinen Häuptling, welcher an den Mona Tribut zu zahlen hat, welcher denselben alljährlich oder alle 2-3 Jahre an den Muata Jamvo abführt. Vgl. Pogge, Im Reich des Muata Jamvo (Berl. 1880); Schütt, Reisen im südwestlichen Becken des Congo (das. 1881).

Kios (vulgär Gio, türk. Gemlik), asiatisch-türk. Hafenstadt im Wilajet Chodawendikjâr, am Indschir-Liman, einem Golf des Marmarameers, ist Sitz des Erzbischofs von Nikäa, eines Kaimakams und eines griechischen Konsuls, hat beträchtlichen Handel (Seide, Oliven, Baumwolle), Dampferverbindung mit Konstantinopel, Schiffswerften der türkischen Regierung und 7050 meist griech. Einwohner. - Der Mythus läßt K. von Herakles gegründet werden, als ihm die Nymphen hier den Hylas geraubt und er beim Suchen nach ihm die Abfahrt des Schiffs versäumt hatte. Später wohnten dort milesische Kolonisten, und in der makedonischen Zeit hieß K. zeitweise Prusias.

Kiosk (v. pers. koschk, "Lustschloß"), zeltartiger Gartenbau, rund oder viereckig, auf Säulen ruhend, vorn offen oder mit Gitterwerk geschlossen. Am äußersten Teil der obern Gemächer orientalischer Paläste findet sich fast stets ein K., der wie ein Erker vorsteht und 50 cm über den Grund des Diwans erhöht ist, von welchem er gleichsam eine Fortsetzung bildet. In großen Parkanlagen, besonders in England, sind Kioske in türkischem oder chinesischem Geschmack üblich; ebenso dienen derartige Bauten in größern Städten als Verkaufsstellen für Zeitungen (Zeitungskiosk) etc.

Kioto, japan. Stadt, s. Saikio.

Kipfenberg, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, Bezirksamt Eichstätt, im engen Thal der Altmühl, hat ein Bergschloß, eine kath. Pfarrkirche, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Hopfenbau und (1885) 800 Einw.

Kippe, s. Chebra kadischa.

Kipper und Wipper (v. niederd. kippen, d. h. abschneiden, und wippen, d. h. schnellen, so in die Wagschale werfen, daß diese sinkt), im 17. Jahrh. Benennung derjenigen Münzherren, welche das gute Geld einschmolzen und geringhaltiges ausprägten. Dieses Unwesen herrschte besonders zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, und der Wert des guten Geldes stieg dadurch so sehr, daß 1621 ein guter Thaler 7-8 und 1623 sogar 16-20 Thlr. galt. Daher nannte man den Zeitraum von 1621 bis 1623 vorzugsweise die Zeit der K. u. W., leichte und verfälschte Münzen aber Kipper- oder Kipfergeld.

Kippregel, im Verein mit dem Meßtisch der Hauptapparat für die topographische Aufnahme, dient als Projektionsinstrument, als Horizontal- und Vertikalwinkel- und als Entfernungsmesser. Die K. (s. Figur, S. 746) besteht aus einem messingenen Lineal, über welchem auf einem Träger (Säule) ein um eine Horizontalachse drehbares Fernrohr derart steht, daß bei genau horizontaler Lage des Lineals eine Kante desselben, die Ziehkante, in die durch die Fernrohrachse gelegte Vertikalebene fällt. Wird daher das Fernrohr nach einem Ziel gerichtet, so ist die an der Ziehkante gezogene Linie die Projektion der Visierlinie auf die Meßtischplatte. Zum Messen von Vertikalwinkeln ist am Fernrohr ein Gradbogen befestigt, der sich an einem am Träger (Säule) angeschraubten Nonius vorbeischiebt. Zum Horizontalstellen des Fernrohrs ist unter oder über demselben eine Röhrenlibelle korrigierbar an ihm befestigt. Ist mit Hilfe dieses Ni-^[folgende Seite]