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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Loew; Louvrestil; Lovanĭa; Lovatelli; Love's labour's lost; Lovelace; Lovely; Lovere; Lowat; Lowatz; Lowe

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Louvrestil - Lowe.

1868 zur Ausführung gelangte. 1871 entging das L. mit Ausnahme der Bibliothek der Zerstörung durch die Kommunisten. An Kunst- u. andern Sammlungen enthält das L. die Gemäldegalerie, das Renaissancemuseum, die Sammlung griechischer und ägyptischer Altertümer, die Handzeichnungen, die mittelalterlichen, Renaissance- und modernen Skulpturen, das Marinemuseum, das ethnographische und chinesische Museum. Im Florapavillon ist neuerdings ein Kunstgewerbemuseum angelegt worden. Weiteres über die Kunstschätze des L. s. Paris.

Louvrestil, dem Louvre zu Paris entlehnte Bezeichnung für den Baustil der französischen Hochrenaissance (zweite Hälfte des 16. und Anfang des 17. Jahrh.).

Lovanĭa, lat. Name der Stadt Löwen.

Lovatelli, Ersilia, ital. Schriftstellerin, s. Caetani.

Lovelace (spr. lóww'leß), nach Richardsons Roman "Clarissa Harlowe" Bezeichnung für einen durch seine Liebenswürdigkeit dem weiblichen Geschlecht gefährlichen Mann.

Lovely (engl., spr. löww'li), lieblich, zierlich.

Lovere (spr. -wēre), Flecken in der ital. Provinz Bergamo, Kreis Clusone, am nördlichen Ende des Iseosees, hat einen 1828 der Gemeinde vermachten stattlichen Palast, Tadini, welcher eine Kunstschule, eine Gemäldegalerie, eine Antiquitäten- und naturwissenschaftliche Sammlung, dann eine Kapelle mit einem Werk von Canova enthält, ein Gymnasium, eine technische Schule, einen Hafen und (1881) 2530 Einw., welche Tuchweberei, Fischerei und Handel betreiben.

Love's labour's lost (engl.), "Verlorne Liebesmüh'", Titel eines Lustspiels von Shakespeare.

Loew, bei naturwissenschaftl. Namen, steht für Hermann Loew (s. d.).

Loew, Fr. Hermann, Schulmann und Entomolog, geb. 19. Juli 1807 zu Weißenfels, studierte in Halle Mathematik, Naturwissenschaft und Philologie, fungierte als Lehrer in Berlin, dann in Posen und wandte sich nun der Entomologie zu. In den "Horae anatomicae" (Pos. 1841) gab er wertvolle Beiträge zur Anatomie der Insekten und besonders der Fortpflanzungswerkzeuge derselben. 1841 und 1842 machte er mit Kiepert und Schönborn eine Reise nach dem Orient; 1848 wurde er in das deutsche Parlament gewählt, wo er sich der Gagernschen Kaiserpartei anschloß, und 1850 folgte er einem Ruf nach Meseritz als Direktor der dortigen Realschule. Die Dipterologie, für welche er als erste Autorität galt, förderte er namentlich durch die Benutzung des Flügelgeäders als systematischen Merkmals; er bearbeitete auch die amerikanischen Zweiflügler und lieferte wichtige Untersuchungen über die Gallmücken und die Bernsteininsekten. 1868 quiesziert, siedelte er nach Guben über, nahm aber noch 1873 ein Mandat als Abgeordneter an und starb 21. April 1879 in Halle a. S.

Lowat (Lowot), Fluß in Westrußland, entspringt aus dem See Sabjesno im Kreis Gorodok des Gouvernements Witebsk, durchströmt, nördlich gewendet, die Gouvernements Pskow und Nowgorod und ergießt sich nach 490 km langem Lauf in mehreren Armen in den Ilmensee. Trotz der Stromschnellen im mittlern Lauf wird der L. stark befahren. Von Welikij Luki an ist er flößbar, von Cholm an schiffbar.

Lowatz, Stadt, s. Lowetz.

Lowe (spr. loh), 1) Sir Hudson, Gouverneur von St. Helena während Napoleons Gefangenschaft, geb. 1770 in Irland, trat 1785 in die englische Armee, nahm als Leutnant an der Expedition gegen Toulon teil und diente darauf in Portugal, auf Minorca, in Ägypten und Malta. 1803 avancierte er zum Major, 1804 zum Oberstleutnant im Regiment der corsischen Jäger. Hierauf diente er in Neapel unter Sir James Craig, verteidigte 1808 die Insel Capri tapfer gegen die Franzosen und erhielt, als er schließlich kapitulieren mußte, freien Abzug nach Sizilien für seine Truppen mit Waffen und Gepäck. Später war er bei der Einnahme von Zante und Kephalonia thätig, avancierte 1812 zum Obersten, wurde 1813 englischer Kommissar bei dem Hauptquartier Blüchers, dem er 1814 nach Frankreich folgte, und hierauf zum Generalmajor und 1815 zum Gouverneur von St. Helena ernannt. Wegen der ihm von der Regierung zur Pflicht gemachten Strenge, mit der er bei der Bewachung Napoleons verfuhr und jeden Fluchtversuch unmöglich machte, ist L., wenigstens zum Teil ohne seine Schuld, der Gegenstand ingrimmigen Hasses und vieler Verdächtigungen von seiten des gestürzten Imperators und seiner Gefährten in der Verbannung geworden, die ihm eine traurige Berühmtheit verschafft haben. Nach Napoleons Tod kehrte er nach England zurück; wurde von Emanuel de Las Cases, dem Sohn des Generals Las Cases, 22. Okt. 1822 auf öffentlicher Straße beleidigt und zum Zweikampf herausgefordert, lehnte das Duell aber ab. 1823 ward L. Gouverneur der Bermudasinseln, 1830 Generalleutnant und 1842 Inhaber des 50. Linieninfanterieregiments. Er starb 10. Jan. 1844. Zu seiner Verteidigung schrieb er: "Memorial relatif à la captivité de Napoléon à Ste-Hélène" (Par. 1830, 2 Bde.; deutsch, Stuttg. 1830). Vgl. außerdem die von dem ihm feindlichen O'Meara veröffentlichten Anekdoten aus seinem Leben (Par. 1822) und Lowes "Letters and journals from St. Helena" (hrsg. von Forsyth, Lond. 1853, 3 Bde.).

2) Robert L., Viscount Sherbrook, brit. Staatsmann, geb. 1811 zu Bingham in Nottinghamshire, studierte zu Oxford, wo er später eine Zeitlang als Lehrer wirkte. Im Januar 1842 ward er Barrister in London; doch wanderte er noch in demselben Jahr nach Australien aus, wo er es bald zu einer ausgebreiteten Praxis brachte und von 1843 bis 1851 der legislativen Versammlung der Kolonie angehörte. Er nahm hervorragenden Anteil an der Beratung der Gesetze über die Verteilung der Staatsländereien und entwarf einen Unterrichtsplan, der bei der Organisation des Schulwesens fast in ganz Australien zur Grundlage diente. 1851 nach England zurückgekehrt, machte er sich durch Artikel über Kolonialverhältnisse in der "Times" bekannt, ward 1852 ins Unterhaus gewählt und führte sich daselbst durch eine glänzende Rede gegen das von Disraeli vorgelegte Budget ein. Das neue Ministerium Aberdeen verlieh ihm die Stelle eines Sekretärs beim indischen Amte, die er bis Februar 1855 bekleidete. Nach dem Antritt Lord Palmerstons wurde er im August zum Vizepräsidenten des Handelsamtes, Generalzahlmeister und Mitglied des Geheimen Rats ernannt. Bei der Neuwahl im März 1857, wo die Volkspartei ihm heftig widerstrebte, weil er sein Versprechen, für Ausdehnung des Wahlrechts und andre populäre Maßregeln zu wirken, nicht gehalten hatte, setzte er seine abermalige Erwählung zum Vertreter von Kidderminster mit Hilfe der Konservativen durch, ward jedoch von dem Volk derartig mißhandelt, daß er kaum sein Leben rettete. Der Sturz Palmerstons im Februar 1858 zog auch den Rücktritt Lowes nach sich, und so trat er auf die Seite der Opposition, welche eine Parlamentsreform verlangte. 1859 trat er als Vizepräsident des Unterrichtsrats in das neue Kabinett Palmerstons ein, mußte jedoch 1864 wegen eines von Lord R. Cecil beantragten Tadelsvotums