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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Abellinum - Abendmahl

dem Abel nachzueifern, aber bald wieder verschwand. – Vgl. Der Abelit (Greifsw. 1746).

Abellinum, alter Name von Avellino (s. d. und Tripalda).

Abelmosch (Abelmoschus), Strauch, s. Hibiscus.

Abelmoschusfaser, die aus dem Stengel von Abelmoschus tetraphyllos Grah. (in Indien Rai bhendá genannt) abgeschiedene Gespinstfaser, im europ. Handel zuweilen mit der ähnlichen Jute verwechselt und als solche verkauft. Diese Abelmoschusart findet sich in den gebirgigen Gegenden Hindustans, die Ernte erfolgt vor der Fruchtreife; die abgesonderte Faser hat eine Länge von etwa 0,7 m. Die Farbe der Bastfaser ist flachsgelb, stellenweise hellbraun, namentlich an den untern Teilen. Der Feuchtigkeit ausgesetzt, tritt ein allgemeines Braunwerden und zwar viel schneller als bei der Jute ein. Von der Jutefaser ist die A. leicht durch das Mikroskop zu unterscheiden, indem in den Bastbündeln der A. neben Bastzellen auch Bastparenchymzellen (gefächerte Bastzellen) vorkommen, welch letztere in der Jute fehlen. Diese Parenchymzellen enthalten Kristalle von oxalsaurem Kalk. Mittels chem. Hilfsmittel läßt sich dagegen die A. von der Jutefaser nicht unterscheiden.

Abelmoschuskörner, s. Hibiscus.

Abelsche Funktion, s. Funktion.

Abelsche Gleichung, s. Abel, Niels Henrik.

Abelscher Apparat, ein von dem engl. Chemiker Frederick Abel konstruierter Apparat zur Prüfung des Brennpetroleums auf seinen Entflammungspunkt; derselbe ist in verbesserter Form seit 1883 im Deutschen Reich gesetzlich für die Zwecke der Petroleumprüfungen eingeführt (s. Petroleum).

Abelsches Theorem, s. Abel, Niels Henrik.

Abelsorden, s. Abeliten.

Abels Pulver, s. Explosivstoffe.

Abenaki, Name für die Indianerstämme im südwestl. Teil von Maine, am Kennebec-River, verstümmelt aus Wapanachki, was in der Lenni-Lenape- oder Delawaren-Sprache «Volk beim Aufgang der Sonne» bedeutet. Ohne Zweifel gehörten sie, wie die Lenni-Lenape und die Mahikan oder Mohikaner der großen Algonkin-Sprachfamilie an.

Abencerragen, bei den span. Chronisten und Romanzendichtern Name eines edlen maur. Geschlechts im Königreiche Granada, das während der innern Kämpfe sowie in den Kriegen mit den christl. Königen von Castilien eine hervorragende Rolle spielte. Das Geschlecht führt seinen Namen nach Jussuf ibn Zerragh, dem Vertrauten des Königs Mohammed Ⅶ. Als letzterer Fürst 1427 von seinem Vetter Mohammed al-Zaghir gestürzt worden war, mußte Jussuf mit dem größten Teile seiner Angehörigen nach Castilien flüchten. Er wußte dort den König Johann Ⅱ. sowie auch den König von Tunis für die Sache seines gestürzten Gebieters zu gewinnen, durch deren Hilfe denn auch Mohammed Ⅶ. wieder auf den Thron gelangte. Al-Zaghir wurde hingerichtet; Jussuf ibn Zerragh hingegen fiel als treuer Anhänger des maur. Königshauses 1436 in einer Schlacht gegen einen neuen Thronprätendenten, den vom König von Castilien unterstützten Jussuf ibn Alhamar. Dieser siegte zwar und kam auf den Thron von Granada, starb aber schon sechs Monate nachher, worauf Mohammed Ⅶ. zum drittenmal als König in Granada einzog. Nachdem Mohammed Ⅶ. 1444 nochmals vom Throne gestoßen war und auf demselben Osmin ibn Ahnaf und seit 1453 Mohammed ibn Ismail gefolgt waren, Sollen nach spanischen, aber durch die arab. Geschichtschreiber nicht bestätigten Berichten die A. den Versuch gemacht haben, die Krone von Granada für ihr Geschlecht zu gewinnen. Durchaus nur der Romanzen- Poesie gehören jener Kampf der A. mit der Familie der Zegris und der tragische Untergang der erstem in der Alhambra in den letzten Jahren der maur. Herrschaft in Granada an, welche besonders durch die «Historia de las guerras civiles de Granada» des Gines Perez de Hita (s. d.) in der Litteratur berühmt geworden sind. Der Verfasser dieses mit vielen Romanzen durchwebten histor. Romans will seine Erzählung arab. Berichten entnommen haben; doch ist nur ein Teil der Heldengestalten historisch. Schack hat im 2. Bande seiner «Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sicilien» die auf arab. Quellen zurückgehenden Momente im Werke des Hita kritisch beleuchtet. Aus dieser Dichtung entnahm Châteaubriand den Stoff zu dem Roman «Les aventures du dernier des Abencérages», wonach Jouy das Textbuch zu Cherubinis Oper «Les Abencérages» bearbeitete. – Vgl. Conde, Historia de la dominacion de los Arabes en España (Madr. 1829). ^[Spaltenwechsel]

Abend, die Zeit von Sonnenuntergang bis zum Eintritt der Nacht; ferner diejenige Himmelsgegend, in der die Sonne und überhaupt die Gestirne untergehen, also Westen.

Abendberg, der 1257 m hohe nordöstl. Ausläufer der Morgenberghornkette am obern (südöstl.) Ende des Thuner Sees im Kanton Bern, früher bekannt durch die 1841 von Dr. Jul. Guggenbühl gegründete, aber bei seinem Tode 1863 aufgelöste Kretinenheilanstalt; jetzt klimatischer und Molkenkurort.

Abendbörse. Die eigentliche Börsenzeit fällt in die ersten Nachmittagsstunden. Unter A. versteht man den nichtoffiziellen Börsenverkehr zur Abendzeit in besondern Lokalen oder unter freiem Himmel (Boulevardverkehr). Die strengen Vorschriften der Börsenordnung finden auf die A. keine Anwendung. (S. Börse und Effektensocietät.)

Abenddämmerung, s. Dämmerung.

Abendfalter oder Abendschwärmer (Sphingidae), Familie der Großschmetterlinge (s. Insekten und Schwärmer).

Abendland, s. Occident.

Abendmahl, Heiliges A. oder Nachtmahl, Mahl des Herrn (1 Kor. 11, 20), Eucharistie, Sakrament des Altars. Das A. wird von allen christl. Parteien außer den Quäkern gefeiert. Die Feier des letzten Mahles Jesu Christi mit seinen Jüngern (Matth. 26, 17‒29; Mark. 14, 12‒25; vgl. mit 1 Kor. 11, 23‒25; Luk. 22, 14‒23) mußte durch die Umstände, unter denen sie erfolgte, und durch die begleitenden Worte und Handlungen Jesu einen tiefen Eindruck bei den ältesten Christen zurücklassen. Nach den Berichten der drei ersten Evangelisten (der vierte erwähnt die Feier nicht) war das Mahl ein Passahmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte. (S. Passah.) Aber im Hinblick auf seinen nahen Tod fühlte er sich an demselben Abend zu einer Handlung gedrungen, die der ganzen Feier eine wesentlich neue Beziehung gab. Nach Beendigung des jüd. Passahmahles reichte er den Seinen Brot und Wein dar, mit symbolischen Handlungen und Worten, welche die Bedeutung seines Todes veranschaulichen sollten. Wie das Passahmahl die Verschonung der Israeliten vor dem Würgengel und die Errettung aus Ägypten symbolisch darstellte, so sollte auch sein Tod den Seinen Verschonung und Rettung bringen, nämlich von dem bevorstehenden göttlichen