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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Cisterna di Roma - Cistophorus
heil. Bernhard (s. d.) mit 30 Genossen in den Orden
eingetreten war, dehnte derselbe sich rasch aus und
besaß um 1200 bereits gegen 2000 Kloster in Frank-
reich, Deutschland, England, Skandinavien, Spa-
nien, Italien und Ungarn. Bernbard beißt des-
halb öfter der zweite Stifter des Ordens und die
C., besonders in Frankreich, Bernhardiner. 1119
wurden in der sog. "Urkunde der Liebe" (okai-ta.
cHritNtis) die Grundzüge der Verfassung des Or-
dens festgestellt und von Innocenz III. bestätigt.
Der Abt von Citeaur war danach das Haupt des
Ordens und mußte jährlich selbst oder durch einen
Abt sämtliche Klöster des Ordens visitieren. Ihm
standen zur Seite die Mte der ältesten vier Töckter-
tlöster: Clairvaur (seit 1113), La Fertt (seit 1115),
Pontigny (seit 1114) und Morimond (seit 1115).
Diese leiteten die Angelegenheiten des Ordens unter
unmittelbarer Aufsicht des Papstes, über ihnen
stand das alljährlich zu Citeaur zusammentretende
Generalkapitel, zu dem die nähern ^lbte alljährlich,
die entferntern in bestimmten Zwisckenräumen sich
einsinden mußten. Um die Mitte des 13. Jahrh,
begann der Verfall der C. teils durch Nachlassen
von der strengen Regel, teils durch innere Zwistig-
teiten. Es bildeten sich selbständige Kongregationen
und seit 1615 zerfielen die französischen C. in solche
der strengen und der laxen Observanz. In ihrer
Blütezeit übertrafen die C. alle andern Orden an
Ansehen, Einfluß und Reichtum. Von ihnen sind
ausgegangen die Ritterorden von Calatrava, Al-
cantara, Montesa und Alfama in Spanien, die
Feuillants (s. d.) und die Trappisten (s. d.). In
Deutschland war das älteste Cistercienserkloster zu
Altcampen, seit 1122, die berühmtesten unter 98
Stifternzu Ebrach (1127), Pforte (Sckulpforta 1127),
Maulbronn (1139), Riddagshausen (1145), Dobri-
lugk (11^5), Doberan (1171), Oliva (1170), Altcn-
zelle (1175), Lehnin (1180) und Vcbenhausen (1180).
Schon vor der Reformation gingen viele Klöster ein,
die meisten aber in der Revolutionszeit, durch die
Maßnabmen Josephs II. in Österreich; auch der
Nationalkonvent in Frankreich 1790 und derNeichs-
deputationsHauptschluß in Deutschland 1803 unter-
drückten viele Ansiedelungen der C. Gegenwärtig
hat der Orden die meisten Mitglieder in Österreich,
wo er die reichen Stifter Heiligenkreuz, Hohenfurt,
Lilienfeld, Ossegg, Rein, Schlierbach, Stams, Wil-
hering, Zwettl u. a. innehat; außerdem einige in
Italien, Belgien, Polen und der Schweiz; aus Frank-
reich wurden sie 1880 ausgewiesen. Die Tracht der
C. besteht für das Kloster in einem weißen Gewand
mit schwarzem Skapulier, schwarzer Kapuze und
schwarzem wollenen Gürtel; auf der Straße da-
gegen tragen sie sich grau; daher die Bezeichnung
graue Brüder.
Neben den C. gab es auch Cistercienserin-
nen, auch Vernhardinerinnen genannt. Stephan
barding stiftete das erste Kloster derselben 1120 zu
Tart in der Diöcese Langres; ihre Zahl stieg auf
6000. Auch sie verweltlichten sehr früh, spalteten
sich und sind jetzt in Frankreich aufgeboben. Am be-
kanntesten war das Kloster Port-Royal des Cbamps
bei Chevreuse. In Deutschland, wo 236 Stifter be-
standen, haben sie noch die Klöster Marienstern und
Marienthal in der sächs. Lausitz; in der Sctnveiz
8 größere Stifter, während 13 eingingen. In Öster-
reich bestanden 15. - Vgl. Winter, Die C. des nord-
östl. Deutschland (3Bde., Gotha1868-71); Ianau-
schek, OrissiukZ 0i8t6rci6ii8iuiii (Bd. 1, Wien 1877);
Vrunner, Ein Cistercienserbuch (Würzb. 1882);
Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner-
und Cistercienserorden (hg. von Kinter, ebd. 1883 fg.).
Die C. hatten jederzeit großen Einfluß auf die
Baukunst. Ihre Kunstschule ging hervor aus der
des Klosters Cluny und zeichnet sich vor dieser durch
die bewußte Einfachheit bei vollendeter Behandlung
des Tecknischen aus. Die C. wurden die Lehrmeister
der Baukunst namentlich im östl. Deutschland und die
Träger des got. Stils sowohl hier wie in Spanien
(Convcnto de las Huelgas bei Leon). Charakteristisch
für ibre Bauten ist der reich entwickelte, geradlinig
geschlossene Chor, der Mangel der Türme, die durch
Dachreiter (s. d.) ersetzt werden, die schöne Raum-
komposition und die stattliche Vauentwicklung. Als
fast vollständig erhaltene Beispiele der Bauweise
der C. sind in erster Linie die Klöster Maulbronn
und Bcbcnbausen zu nennen. Eine zweite Blüte
des Bauwesens erlebten die Cistercienserklöster im
18. Iabrh.; Fürstenfeld in Bayern, Wilhering in
Oberösterreich bieten eine glänzende Vertretung des
süddeutschen Barockstils. - Vgl.Dohme,DieKirchm
des Cistercicnserordens in Deutschland (Lpz. 1869);
Paulus, Die Cistercienserabtei Maulbronn (Stuttg.
1873); Dehio und von Vetzold, Die kirchliche Bau-
kunst des Abendlandes (ebd. 1884 fg.); Gurlitt, Gc-
schichte des Barockstils und des Rokoko in Deutsch-
land (ebd. 1889).
Cifterna di Roma (spr. tschi-), Ort im Kreis
Velletri der ital. Provinz Rom, am Nordrande der
Pontinischen Sümpfe, hat Post und Telegraph,
(1881) 2022, als Gemeinde 3096 E. C., wahrschein-
lich das alte 1>63 i^dernNs, war ein Markgrafen-
titel der Caetani, die hier eine Burg erbauten.
Eisterne, s. Wasserversorgung.
Eisternmo (spr. tschi-), Stadt in der ital. Pro-
vinz und im Kreis Bari delle Puglie, an der Grenze
gegen die Provinz Lecce und an der Linie Vari-
Vrindisi des Adriatischen Netzes, hat (1881) 6049 E.
Eisterz, s. Citeaux.
vistioöla, Cistensänger, ein 11 om langer
Vogel, mit rötlichgelbem Rücken- und hellerm Unter-
seitengefieder; der Scheitel ist dunkelbraun, ebenso
Schwung- und Steuerfedern. Bauen in Gras,
Schilf, Gestrüpp u. s. w. schöne beutelförmige Nester.
Die 32 Arten bewohnen die afrik. und die orient.
Region bis nach Australien. Eine Art (d 80Q06-
üicia F/1.) findet sich in den Uferländern des Mittel-
mcers, auch in Südeuropa.
Cistiflören, Ordnung aus der Gruppe der Di-
kotyledonen, Abteilung der Choripetalen, charakteri-
siert durch regelmäßige, seltener unregelmäßige und
meist zwitterige, fünfzählige Blüten, in denen die
Staubgefäße gewöhnlich in größerer Anzahl als die
Blumenblätter vorhanden sind. Der Fruchtknoten
ist oberständig und meist aus drei miteinander ver-
wachsenen Fruchtblättern gebildet. Die Ordnung um-
faßt die Fanlilien der Rcsedaceen,Violaceen,Drosera-
ceen, Sarraceniacecn, Nepcnthaceeu, Cistaceen,Bixa-
ceen, Hypericaceen, Tamaricaceen, Ternströmiaceen,
Dilleniaceen, Clusiaceen, Dipterocarpaceen (s. diese
Artikel). S. umstehende Abbildung: Fig. 1, Iiiea
c1iin6N8i8 HV?"F. (s. Thee); Fig. 2, lüi8tii8 ei-6ticii8 ^>.
(s. Cistrose); Fig. 3, Viola Filvssti-ig I^am. ff. Viola);
Fig. 4, 1^686(1^ lutkola. _^. (s. Wau).
Cistophorns, Cistopdöre, kleinasiat. Silber-
münze zu vier Drachmen (Tetradrachme) aus ftät-
griech. Zeit, benannt nach der auf der einen ^eite
aufgeprägten, mit einem Kranze von Epheu und
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.