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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dendrometer – Denguefieber

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Dendrologie'

(Münch. 1890); G. Hempel und K. Wilhelm, «Die Bäume und Sträucher des Waldes in botan. und forstwirtschaftlicher Beziehung» (Wien 1880 fg.).

Dendrometer (grch.), Baummesser, jedes Instrument, welches zur Messung der Höhe und Stärke stehender Bäume Verwendung finden kann. Die Bestimmung der Höhe erfolgt mit Hilfe von Höhenmessern, deren Konstruktion sich auf Ähnlichkeit und Proportionalität der Dreiecke oder auf trigonometrische Berechnung stützt, wie das D. von Winkler, Faustmanns Spiegelhypsomcter, Preßlers Meßknecht u. s. w. Die Durchmesser (Stärken) werden mit Meßband, Kluppe oder Baumzirkel gemessen. Der kubische Inhalt des Baums berechnet sich dann als Produkt aus Höhe, Grundstärke und Formzahl (s. d.). Auch andere Verfahren werden angewendet, so namentlich mit gutem Erfolg die von Preßler erfundene Richtpunktsmetbode, bei der es notwendig ist, die Höhe des sog. Richtpunkts zu bestimmen, wo des Stammes Durchmesser halb so groß ist, wie die unten gemessene Grundstärke. D., mit denen Stammdurchmesser in beliebiger Höhe gemessen werden können, sind zwar konstruiert und wirklich ausgeführt worden, finden aber sehr selten praktische Anwendung.

Dendrophĭdae, s. Baumschlangen.

Déné, s. Tinneh.

Deneb, Stern 2. Größe im Schwan.

Denegatĭo actionis (lat.), Verweigerung des Klageformulars. Der Oberbeamte im alten Rom, vor welchem der Civilprozeß eingeleitet wurde, verweigerte dem Kläger die Ausstellung eines Klageformulars, sodaß der Kläger mit seinem Anspruch ganz oder zur Zeit abgewiesen wurde, wenn sich eine die Klage beseitigende Einrede sogleich als begründet herausstellte, oder wenn der Kläger den prozessualen Obliegenheiten nicht nachkam.

Denegieren (lat.), verleugnen, verweigern; Denegation, Verweigerung.

Deneschka, russ. Münze, s. Denga.

Denfert-Rochereau (spr. dangfähr rosch’roh), Pierre Marie Aristide, franz. Oberst, bekannt durch seine Verteidigung von Belfort, geb. 11. Jan. 1823 zu St. Maixent (Depart. Deux-Sèvres), besuchte die Polytechnische Schule und die Applikationsschule zu Metz, aus der er 1847 als Lieutenant in das 2. Genieregiment eintrat. Bei Ausbruch des Orientkrieges war er bereits Kapitän, wurde vor Sewastopol beim ersten Sturm auf den Malakow schwer verwundet und wirkte nach seiner Genesung als Lehrer an der Applikationsschule zu Metz. 1860 wurde er nach Algerien versetzt und 1863 dort zum Bataillonscommandeur ernannt. 1864 wurde D. Geniekommandant der Festung Belfort, stieg dort zum Oberstlieutenant und 17. Okt. 1870 zum Obersten auf und entwickelte bei der Verteidigung des Platzes große Zähigkeit, sodaß er, als er 16. Febr. 1871 auf Anweisung Jules Favres die Festung übergeben mußte, eine sehr ehrenvolle Kapitulation erreichte. (S. Belfort.) Unter seiner Kontrolle schrieben Ed. Thiers und de La Laurencie die «Histoire de la défense de Belfort» (Par. 1871; 4. Aufl. 1874). Nach dem Friedensschluß nahm er den Abschied, obgleich er die vorgeschriebene Altersgrenze noch nicht erreicht hatte. Am 8. Febr. 1871 wurde er in die Nationalversammlung gewählt, legte aber sein Mandat nieder, als die Versammlung den Friedenspräliminarien zugestimmt hatte. Am 2. Juli 1871 wurde er von neuem gewählt, und auch bei den Neuwahlen Okt. ↔ 1877 erhielt er wieder ein Mandat zur Deputiertenkammer, wo er sich dem Republikanischen Verein anschloß. D. schrieb noch: «Des droits politiques des militaires» (Par. 1874). Er starb 11. Mai 1878 zu Versailles. Dem Fort Bellevue bei Belfort wurde 15. Mai 1878 sein Name beigelegt; in Montbéliard ward ihm 21. Sept. 1879, in St. Maixent 16. Mai 1880 ein Standbild errichtet. – Vgl. Marais, Un Français: Le colonel D. (Par. 1885).

Denga (vom tatar. tenga, «Silbermünze», «Geld») oder Denuschka, auch Deneschka genannt, kleine russ. Münze, die Hälfte der Kopeke (s. d.). Die Mehrzahl ist Dengi (s. d.).

Dengelgeist, in Schwaben der sagenhafte Sensenmann, der als bärtiger Greis auf dem Kirchhofe sitzt und seine Sense dengelt (schärft), um die zum Tode Bestimmten niederzumähen, also die Personifikation des Todes selbst, wie er mit seinem Attribute auch sonst in der Sage und bildenden Kunst des Mittelalters, freilich mehr noch als Gerippe, erscheint. J. P. Hebel gestaltet ihn als Engel mit goldenen Flügeln, in weißem Gewande, welches ein rosenfarbener Gürtel umgiebt. Befragt giebt der D. an, er mähe nur Futter für den Esel des Christkindchens und für die Kühe des heil. Fridolin.

Dengeln, Dängeln oder Tängeln, die durch den Gebrauch stumpf gewordene Schneide der Sensen und Sicheln durch Hämmern auf einem kleinen Amboß dünn austreiben, wozu man sich bisweilen einer kleinen maschinellen Vorrichtung, des Dengelgeschirrs oder Dengelstocks, bedient.

Dengi (die Mehrzahl von Denga, s.d.), im Russischen die allgemeine Bezeichnung für Geld. Die älteste Bezeichnung (11. Jahrh.) für Vermögen, Habe, Geld im Russischen war skot (d. i. Vieh), dann (in der Kiewer Periode) kuny (d. i. Biberfelle). Daneben kursierten ausländische Münzen, endlich Silberbarren (grivny; 50 kuny = 1 grivna). Zur Zeit Jaroslaws wurden Münzen geprägt. Eine regelmäßige Münzprägung fand in Rußland aber erst seit der Mongolenherrschaft statt. Man prägte Silbermünzen, D., von denen 100 auf ¼ Pfd. Silber gingen, die sich aber auf die Hälfte des Werts verschlechterten. (S. Kopeke.)

Dengis (türk., «Meer»), Name verschiedener Seen in der Kirgisensteppe, z.B. auch des Balchaschsees.

Dengler, Leop., Forstmann, geb. 17. Nov. 1812 zu Karlsruhe, studierte auf der Forstschule des Polytechnikums daselbst und wurde 1818 zweiter Forstlehrer (für Waldbau, Wegebau u. s. w.) am Polytechnikum und 1864 zum Forstrat ernannt. Er starb 27. Jan. 1866 zu Karlsruhe. D. hat namentlich auf dem Gebiete des Wegebaues sich Verdienste erworben. Seit 1. Jan. 1858 war er Redacteur der 1857 von von Gwinner gegründeten «Monatsschrift für Forst- und Jagdwesen»; auch gab er in neuer Bearbeitung die 4. Auflage von Gwinners «Waldbau» (Stuttg. 1858) heraus und schrieb «Weg-, Brücken- und Wasserbaukunde für Land- und Forstwirte» (ebd. 1863; 2. Aufl. 1868).

Denguefieber, auch Dandyfieber, Daggeïsches Fieber, Polka- oder Insolationsfieber, eine in Amerika, Ostindien, China und Ägypten endemisch auftretende Infektionskrankheit, welche unter den Symptomen eines akuten fieberhaften, von Ausschlag begleiteten Rheumatismus auftritt. Die Kranken werden meist ganz plötzlich unter Mattigkeit, Kopfschmerzen, starker Rötung

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 936.