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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kraftvermittler - Kragentaube
jenigen aller andern Systeme übertrifft, sodaß sie
namentlich zur Ausnutzung großer Wasserkräfte be-
rufen ist, wofür das großartigste Beispiel die Nia-
garafälle bieten, von denen 50000 Pferdestärken
mittels Turbinen und Dynamomaschinen in elektri-
schen Strom verwandelt und auf weite Entsernun-
gen fortgeleitet werden können. Die Anlage wurde
im Jan. 1894 probeweife in Betrieb gefetzt.
(S. Niagara.) Da ferner die Elektromotoren als
Kraftmaschinen ein fast unbegrenztes Anwendungs-
gebiet haben und wegen ihres einfachen Betriebes
igeringe Wartung und geringe Reparatur) beliebt
sind, so ist dic elektrische K. auch für geringe Ent-
fernungen in hohem Maße geeignet, fo z. B.
für Krananlagen, bei denen noch eine befondere
Krastersparnis möglich ist (s. Kran, S. (^82d). In
Fabriken und Werkstätten ist ein Betrieb der Ar-
beitsmaschinen durch Elektromotoren aus mehrern
Gründen vorteilhaft. Zunächst fällt die lärmende,
großen Naum beanspruchende und auch teure
Transmission weg, und an deren Stelle treten
dünne, leicht verlegbare Leitungsdrähte. Sodann
wird beim Betrieb von Werkzeugmaschinen, die oft
eine Zeit lang stillstehen, bedeutend an Krast ge-
spart, da das Leerlaufen ganzer Wellenstränge weg-
fällt. Dazu kommt der Umstand, daß größere An-
lagen ohnehin schon elektrische Beleuchtung, also
auch Dynamomaschinen in Betrieb haben und daß
dann bei hinzukommendem elektrischem Betrieb der
Arbeitsmaschinen eine gleichmäßigere Beschäftigung
dcr Dynamomaschinen, event. Wegfall der teuren
Accumulatoren eintritt. Auch für Straßenbahnen
erweist sich die elektrische K. vorteilhast. Die für
diesen Zweck errichteten Centralen haben dieselbe
Einrichtung wie die Elektricitätswerke für elektrische
Lichtanlagen. Weitere Einzelheiten überK. s. Druck-
luftanlage, Elektricitätswerke, Elektrische Kraft-
übertragung, Kleinmotoren, Straßenbahnen. -
Vgl. Niedler, Studien über Kraftverteilung, in
der "Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure",
1892 und 1893.
Kraftvermittler, s. Krafteinschalter.
Kraftverteilung, s. Kraftübertragung.
Kraftwurzel, soviel wie Ginsengwurzel.
Kraftziehpressen, s. Blechbearbeitung (Bd. 3,
S. 105d).
Kragen, Bekleidungsstück des Halses, traten
gleichzeitig mit den vergrößerten Halskrausen ss. d.)
in der 2. Hälfte des 16. Jahrh. auf. Sie waren
meist aus feinen Spitzen gefertigt, die nicht felten
mehrfach aufeinander lagen. Wie die Kröfen stan-
den sie teils wagerecht hinaus, teils gingen sie
hinter dem Kopfe in die Höhe. Die von runder
Form (Mühlsteinkragen; s. Tafel: Kostüme III,
Fig. 5 u. 6) wurden von Mann und Frau gleich-
mähig getragen. Als die Damen anfingen, ihre
Kleider wieder auszuschneiden, folgten die K. dem
Brustausschnitt und gingen sich fortsetzend vom
Rücken aus, durch Draht gehalten, schwungvoll in
die Höhe. In bürgerlichen Kreisen kamen gegen das
Ende des 16. Jahrh. Umlegekragen, namentlich bei
Herren, in die Mode, die von glatter feiner Lein-
wand, hier und da auch mit Spitzen besetzt waren.
Doch herrschte noch im Dreißigjährigen Kriege eine
große Mannigfaltigkeit hinsichtlich der K. Auf
gleichzeitigen Bildnissen trägt Tilly eine Kröse,
Wallcnstcin einen glatten sehr breiten Umlegekragen,
Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustav Adolf
ebensolche mit Spitzen besetzt (s. Tafel: Kostüme IV,
Fig. 1), Pappenheim gleichfalls einen solchen, aber
ausgezackt u. s. w. Nieselbe Mannigfaltigkeit ist
auch bei den Damen zu beobachten. Doch machte
der glatte K. im 17. Jahrh, immer größere Fort-
schritte, verdrängtem der zweiten Hälfte des17.Jahrb.
die übrigen K., kam aber selbst, nachdem er vorher auf
der Brust noch verlängert worden war, noch in dem-
selben Jahrhundert aus der Mode. Überreste dieser
letztern Art von K. bilden die Bäffchen des Ornats
der prot. Geistlichen. Die Umlegekragen kamen in
den zwanziger Jahren unsers Jahrhunderts wieder
zu Ehren, wo sie einen Bestandteil der "altdeutschen"
Tracht der Burschenschafter bildeten; doch kehrten
diefe K. wieder zum Hemd zurück und bilden keinen
selbständigen Toilettengegenstand mehr.
Kragenbar, s. Bär (Raubtier).
Krageneidechfe oder Krauseneid ech sel^I^-
inväoLauruZ XiuZii 6^'a?/), eine über 1 in lange,
gelbe, schwarzgefleckte, zu den Agamen (s. d.) ge-
hörige Eidechse Australiens, die um den hals e'men
breiten, von Knorpelstücken gestützten Hautsaum be-
sitzt, den sie aufrichten und ganz über den Kopf weg-
schlagen kann.
Kragenfaultier (Vi-aä^pug wi^uNws Ol/e^),
eine Art der Faultiere (s. d.) mit kohlschwarzer Binde
über Nacken, Hals und Schultern.
Kragengeier (Vulwr oceipitaliZ H^c/te/l),
eine fast ganz Afrika bewohnende Art der Geier
(s. d.), die am Anfang des mit weißem Flaum be-
deckten Halfes eine Kraufe größerer Federn hat. In
die Gefangenschaft gelangt der K. seltener, sein Preis,
350 M., ist daher hoch. In Bezug auf Haltung und
Ausdauern gilt von ihm dasselbe wie von allen
Geiern, und im Winter verlangt er warmen Raum.
Kragen-Laubenvögel (Äii^ni^oclsi-a) oder
Kragenvögel, eine aus 4 Arten bestehende Gat-
tung der Paradiesvögel (s. d.), die Nord- und Ost-
australien bewohnt und noch größere, künstlichere
und reicher geschmückte Lauben verfertigt als die
eigentlichen Laubenvögel (s. d.). Die bekannteste
Art ((HiHin^lioäei-H in^culata. Am^) ist 28 cm
lang, wovon 12 cm auf den Schwanz entfallen, heller
und dunkler braun und mit einem Halskragen seiden-
artiger, violettrotglänzcnder Federn versehen.
Kragennatter, s. Ringelnatter.
Kragentaube(<I!a,Il)6NH3 nicadln-ica. ^., s. nach-
stehende Abbildung), Mähnentaube, eine 36 cm
,-^"^
U,
-5^ - ^i2^
Artikeln die man unter K vermißt, sind nntcr C aufzusnchen.
lange Taube von schwarzer, grün und blau metallisch
glänzender Farbe. Die grünen Federn des Halses
sind verlängert und bilden einen Kragen. Sie findet
sich von den Nikobarcn und Philippinen bis Neu-
guinea und nistet auf dem Boden, wo sie auch ihre