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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Parodoi - Parras
"Verhängnisvolle Gabel" als P. der Schicksals-
tragödien. - Vgl. Solbrig und Roller, Almanach
der P. (für 1816 und 1817; 2. Ausg., Lpz. 1825);
Funck, Das Buch deutscher P. und Travestien
(2 Bde., Erlangen 1840-41); Delepierre, 1.3, pa-
roäie cli62 168 6i'6c8, 168 I^oiuaiiig 6t 163 mo-
(I6rn63 (Lond. 1871); Grisebachs Einleitung zu sei-
ner Ausgabe von Blumauers "Aneis" (Lpz. 1872).
Parodoi (Einzahl Parödos), im altgriech.
Theater die beiden Zugänge, die von rechts und
links in die zwischen Scene und Zuschauerraum
befindliche Orchestra führten. Sie wurden sowohl
uon den Zuschauern, die von ihnen aus zu den
Sitzen gelangten, als vom Chöre benutzt, der durch
uezurDrchestra zog (ob auch von den Schauspielern,
ist fraglich). Daher heißen P. auch die Gesänge des
Chors bei seinem Einzüge.
Parole (frz., "Wort"), das militär. Erkenuungs-
wort, gewöhnlich ein Ortsname, das täglich vom
Commandanten der Stadt oder vom Garnison-
ältesten beim allgemeinen Befehlsempfang (Pa-
roleempfang) gegeben wird. - Befehle, die bei
oer Parole aus gabe bekannt gemacht werden,
heißen Parolebefehle, die Befeylsbücher, in die
sie eingetragen sind, Parolebücher. Im Kriege
wird in neuerer Zeit von der Ausgabe eines beson-
dern Parole Wortes abgesehen; auch die Losung
(s. d.) findet nur noch ausnahmsweise im Festungs-
triege Anwendung. j^auf Ehrenwort.
?2.ro1s Ä'koniisnr (frz., spr. paroll donnöhr),
Paroli (span.), im Pharaospiel die Bezeichnung
für das Umbiegen einer Karte, die soeben gewonnen
hat, um damit anzuzeigen, daß man auf das Aus-
zahlen des Gewinns vorläufig verzichtet und den
ursprünglichen Satz zugleich uüt dem Gewinn aufs
Spiel fetzt; daher die Redensart: jemand ein P. bie-
ten (oder biegen), d. h. ihm in gleicher oder noch
überbietender Weise entgegentreten; auch jemandes
Pläne durch unvermutete Maßregeln vereiteln.
Parömie (grch.), Sprichwort; Parömio-
a, räphen, in der griech. Litteratur Sammler von
Sprichwörtern. Erhalten ist namentlich die Samm-
lung des Zenobius, auf der auch die dem Diogenian
zugeschriebene beruht. Die erhaltenen Sammlun-
gen sind herausgegeben von E. von Leutsch und
Schneidewin im "^oi-pu8 pNrokmioFi'HpIioi'um
Lrascorum", Bd. 1 u. 2 (Gott. 1839 - 51). Der
Vorrat wurde vermehrt durch Miller aus einer Hand-
schrift vom Athos in den "N6ianF68 äe litteraturs
Li-ecyiie" (Par. 1868) und durch Graux aus einer des
Escurial in der "Ilevus äs pkiloloFis" (Bd. 2). -
Vgl. Crusius, ^naiscta critica ad pÄroemioFrapiK^
3lH6C08 (Lpz. 1883); derf. und Cohn, Zur Über-
lieferung und Kritik der laroEmioFraplii (im "?ki-
I0I0FU8", 1891). Zernaget.
Paronychie (grch.), eine Entzündung am Fin-
Paropamifus, f. Hindukusch.
I>ar oräro (frz., spr. ordr), auf Befehl.
Paros, eine der bedeutendsten unter den Cykla-
den, 6 km westlich von Naros, mit 209 ykm, zur
griech. Eparchie Naxos gehörig, mit (1889) 7928 E.,
wird von einem kahlen Gebirgslande erfüllt, das
sich in der Mitte in dem von den Alten Marpessa,
jetzt Hagios Ilias genannten Gipfel zu 771 m Höhe
erhebt. Nur untergeordnet tritt Glimmerschiefer
auf, fast das ganze Gebirge besteht aus Mar-
mor. In einigen Thälern und Küstenebenen wird
Wein und Getreide gebaut. Die zuerst von Kre-
rern (an welche noch der Name Minoa erinnerte),
dann von Ioniern bewohnte Insel, die schon am
Ende des 8. Jahrh. v. Chr. eine Kolonie nach
Thasos (s. d.) entsandte, verdankte ihre Bedeutung
bauptsächlich dem trefflichen Marmor, der den
Hauptausfuhrartikel bildete. Die fchönste, beson-
ders zu Bildhauerarbeiten geeignete Art des pa-
rischen Marmors, von den Alten Lychnites ge-
nannt, findet sich ziemlich in der Mitte, etwa 8 km
ostlich von der alten Stadt P<, deren Stelle der
jetzige Hauptort Parikia mit 2338 E. einnimmt.
Nachdem die Athener unter Miltiades vergebens
versucht hatten, die Insel zu unterwerfen, trat die-
selbe nach dem zweiten Perserkriege dem athenischen
Seebunde bei. Später kam sie unter die Ober-
boheit der agypt. Könige, wurde 197 v. Chr. von
den Römern den Atbenern übergeben und kam
dann unter röm. Herrschaft. Seitdem teilte sie das
Schicksal der übrigen Cykladen. (S. Archipelagus.)
Westlich von P., nur durch einen schmalen Kanal
getrennt, liegt Antiparos (s. d.).
Paroskop, soviel wie Baroskop (s. d.).
Parotis (grch.), die Ohrspeicheldrüse; Paro-
titis, der Bauerwetzel (s. d.).
Paroxysmus (vom grch. 0x^8, scharf, also
eigentlich Verschärfung) bezeichnet die Steigerung
einer in einzelnen Anfällen verlaufenden Krank-
heit, zwischen den von der Krankheit freie Zwi-
schenzeiten (Intermission, bei fieberhaften Zu-
ständen Apyrexie) liegen. Unter den Fiebern
(s. d.) geben das Wechselfieber, unter den übrigen
Krankheiten manche Nervenleiden (Neuralgien,
Epilepsie, Wahnsinn) ein gutes Beispiel dafür ab.
Die P. sind teils periodische, d. h. sie stellen sich
nach bestimmten Zeiten (täglich, einen Tag um den
andern, jeden Monat) ein, oder sie sind nicht perio-
disch. Krankheiten (Fieber) ohne Unterbrechungen
zum Bessern oder Schlimmern heißen kontinuier-
liche. (S. Krankheit.)
Paroxytönon (grch.), in der griech. Betonungs-
lehre ein Wort, das den Acutus (s. Accent) auf der
vorletzten Silbe hat, z.B. pkero (cpipco), "ich trage".
?a.r pistoibt (frz., spr. -letz), im Villardspiel:
ohne das Queue anzulegen.
?a.r pröteronos (frz., spr. -rängß), vorzugs-
Parquet, s. Parkett. ^weise.
Parr, Katharina, die sechste Gemahlin Hein-
richs VIII. von England, geb. 1509 als Tochter
eines Baronets, war schon zum zweitenmal Witwe,
als der König sie 12. Juli 1543 heiratete. Es be-
dürfte aller Klugheit Katharinas, mit ihren prot.
Sympathien dem Argwohn ihres Gemahls auszu-
weichen, doch hat sie ihren Anteil daran gehabt, als
in der letzten Zeit Heinrichs VIII. eine kleine Wen-
dung zu Gunsten des Protestantismus eintrat.
Nach dem Tode des Königs heiratete sie den prot.
Lord Thomas Seymour, Großadmiral von Eng-
land. Sie starb 7. Sept. 1548 zu Sudely Castle in
Gloucestershire.
Parrachse (spr. -rascheh), D ent, s. Dent.
?a.rra. ^assäna. !>., s. Iassana.
Parramatta, Hauptstadt der Grafschaft Cum-
berland der britifch-austral. Kolonie Neusüdwales,
22 km im WNW. von Sydney, am Flusse P. ober-
halb der Port-Iackson-Bai, hat (1891) 11677 E.,
Gerichtshalle, Stadthaus, Waisenhäuser, Park;
etwas Industrie und bedeutenden Handel mit Oran-
gen. P. ist Vahnknotenpunkt und hat Dampferverkehr.
Parras de la Fuente, Stadt im Staate Coa-
huila der Republik Mexiko, in 1493 m Höhe östlich