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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pyroverbindungen – Pyrrol

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Pyrotypie'

dadurch das Aussehen einer Intarsia-Arbeit. So behandelte Holzplatten werden namentlich zu Sessellehnen, Sitzteilen u.s.w. benutzt. Hochreliefarbeiten dienen zu Friesen, Umrahmungen, Hohlkehlen u.s.w.

Pyroverbindungen, s. Brenzverbindungen.

Pyroxām, soviel wie Uchatiuspulver (s. d.).

Pyroxēn, Name für eine Gruppe von Mineralien, von denen viele Glieder weit verbreitet und als Gemengteile von Gesteinen wichtig sind. Chemisch stimmt die allgemeine Zusammensetzung mit derjenigen innerhalb der Amphibolgruppe überein, indem alle P. Bisilikate (neutrale Metasilikate) oder Mischungen mehrerer derselben sind, konstituiert nach der Formel RSiO3, worin R vorwiegend Ca, Mg, Fe, auch Na2, K2, stellenweise Mn ist; in gewissen Gliedern spielen auch hier Sesquioxyde (Thonerde und Eisenoxyd) eine Rolle. Morphologisch aber unterscheiden sich die P. von den Amphibolen dadurch, daß sie einen Prismenwinkel von etwa 87° besitzen, dem gewöhnlich eine ziemlich entwickelte Spaltbarkeit folgt. Säuren greifen diese Mineralien nicht oder nur wenig an. Die Glieder der Pyroxengruppe gehören drei Krystallsystemen an: Enstatit, Bronzit und Hypersthen sind rhombisch, Augit, Diallag und Akmit monoklin, der Rhodonit triklin (s. die Einzelartikel).

Pyroxylīn, soviel wie Schießbaumwolle (s. d.).

Pyrrha, Gemahlin des Deukalion (s. d.).

Pyrrhichĭus oder Dibrachys, in der griech. und röm. Metrik ein aus zwei kurzen Silben (ᴗ ᴗ) bestehender Versfuß.

Pyrrho, Stifter der skeptischen Schule der griech. Philosophie, die nach ihm auch die pyrrhoneische heißt, geb. um 360 v.Chr. in Elis im Peloponnes, gest. um 270. Seinen Lehrer Anaxarchus soll er im Gefolge Alexanders d.Gr. nach Indien begleitet und sich auf diesem Zuge mit den Meinungen der Gymnosophisten und Magier bekannt gemacht haben. Er zweifelte an aller Möglichkeit theoretischer Erkenntnis, indem für jede Behauptung ein Gleichgewicht der Gründe für und wider (isostheneia) bestehe, so daß die logische Folge die Enthaltung von jedem Urteil (epochē) ist. Diese Enthaltung bezieht sich übrigens nur auf das Urteil über das Ding an sich, das der Erscheinung zu Grunde liegt; die Erscheinung selbst behauptet der Skeptiker nur um so entschiedener, so daß seine Theorie wesentlich der des Protagoras (s. d.) entspricht. Die praktische Folge der Zurückhaltung des Urteils ist die Gleichgültigkeit (adiaphoria) oder Unerschütterlichkeit (ataraxia), die P. dem Demokrit entlehnt. P. hat keine Schriften hinterlassen, doch wurde seine Lehre von seinem geistreichen Schüler Timon von Phlius dargestellt, der auch eine ausführliche Bekämpfung der ältern Physiker verfaßte und die Anschauungen seines Lehrers zu einem gründlichen System verarbeitete. Zugleich wurde der Akademiker Arcesilaus (s. d.) durch P. dem Skepticismus gewonnen. Neben der akademischen scheint dann die pyrrhoneische Schule seit Timons Tode (um 235) in den Hintergrund getreten, wenn nicht ganz erloschen zu sein, bis Änesidemus (s. d.) sie zu neuer Bedeutung erhob. Die Pyrrhonischen Tropen (zehn verschiedene Wendungen, die Unzuverlässigkeit der Sinneswahrnehmungen zu beweisen) rühren wohl erst von Änesidemus her; sie fassen nur die ältern, zum Teil schon von Protagoras und den Kyrenaikern gebrauchten Zweifelsgründe in ein System zusammen.

Pyrrhocŏrax, s. Alpendohle. ↔

Pyrrhocŏris, s. Feuerwanze.

Pyrrhonismus, s. Skepsis.

Pyrrhopīn, s. Chelidoniumbasen.

Pyrrhos, Sohn des Achilleus, s. Neoptolemos.

Pyrrhotīn, Mineral, s. Magnetkies.

Pyrrhūla, Vogelgattung, s. Gimpel.

Pyrrhūra, s. Keilschwanzsittiche.

Pyrrhus, König von Epirus (s. d.), geb. 319 v.Chr., einer der größten Feldherren seiner Zeit. Nach einer wechselreichen, gefahrvollen Jugend schloß er sich seinem Schwager Demetrius Poliorketes an. Mit ihm focht er bei Ipsus (301) und ging für ihn als Geisel nach Ägypten. Dort vermählte er sich mit Antigone, der Tochter der Königin Berenice, und wurde von Ptolemäus I. 298 in seine epirotische Herrschaft zurückgeführt. Rasch vergrößerte er erobernd seine Macht; auch Macedonien vermochte er vorübergehend zu behaupten. Ein neuer Schauplatz des Ruhms eröffnete sich ihm, als ihn die Bewohner von Tarent im Kriege gegen die Römer zu Hilfe riefen. P. siegte zuerst 280 v.Chr. bei Heraklea am Siris und 279 zum zweitenmal bei Asculum in Apulien glanzvoll über die Römer; allein dieser Sieg wurde so teuer erkauft, daß P., wie Plutarch im Leben des P., Kap. 21, erzählt, nach der Schlacht in die Worte ausbrach: «Noch ein solcher Sieg und wir sind verloren!» (daher der Ausdruck Pyrrhussieg). Von den Syrakusanern gegen die mit Rom verbündeten Karthager nach Sicilien gerufen, setzte er 278 v.Chr. dorthin über, drängte die Karthager 277 bis Lilybäum zurück und machte sich schon bereit, sie in Afrika selbst anzugreifen, als infolge seines strengen Regiments die unzuverlässigen Sikelioten 276 von ihm wieder abfielen. Er kehrte nun nach Italien zurück, um den hart bedrängten Tarentinern abermals zu helfen, erlitt aber 275 v.Chr. bei Beneventum in Samnium durch die Römer unter Curius Dentatus eine gänzliche Niederlage. Nach diesen Unfällen sah er sich genötigt, nach Epirus und Griechenland zurückzugehen. 272 unternahm er einen zweiten kühnen Zug zur Eroberung des Peloponnes, fiel aber bei einem Straßenkampfe in Argos. – Vgl. R. Schubert, Geschichte des P. (Königsb. 1894).


Textfigur:

Pyrrōl, eine im Steinkohlenteer und besonders im Knochenöl enthaltene Substanz von der Zusammensetzung C4H5N. In reinem Zustande ist es eine farblose chloroformähnlich riechende Flüssigkeit, die sich an der Luft bräunt und bei 131° siedet. Ein mit Salzsäure befeuchteter Fichtenspan wird durch Pyrroldämpfe rot gefärbt. P. kann auch auf synthetischem Wege dargestellt werden und entsteht z.B. beim Destillieren der Ammoniaksalze der Zuckersäure und Schleimsäure. Seine chem. Konstitution ist in der Formel ausgedrückt. Es zeigt sehr schwach basische Eigenschaften und bildet keine beständigen Salze mit Säuren. Dagegen kann das Wasserstoffatom der Imidgruppe NH durch Kalium und Natrium ersetzt werden (Pyrrolkalium). Durch Ersatz der Wasserstoffatome des P. entstehen eine große Zahl von Pyrrolderivaten, unter denen das Tetrajodpyrrol (s. Jodol) als Antiseptikum Verwendung findet. Durch Reduktionsmittel können an die Pyrrolderivate 2 und 4 Wasserstoffatome angelagert

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 539.