Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

537
Schmerzen Mariä - Schmetterlinge
Hüftgelenkentzündung, Schulterschmerzen bei Unter-
leibsaffektionen. Die Ctärke des S. hängt nicht
nur von der schmerzerregenden Ursache ab, sondern
auch von der Reizbarkeit des betroffenen Indivi-
duums. In Krankheiten steigert sich oft die Em-
pfänglichkeit für körperliche Schmerzempfindungen
in erstaunlicher Weife, während andererfeits Geistes-
Zerrüttung Kr körperlichen S. häufig unempfindlich
macht. Über die Behandlung des S. f. Neuralgien.
Mehr in bildlicher Weise spricht man auch von rein
geistigem S., dem Seelenschmerz, z.B. Neue,
Trauer, Angst; derselbe kann, obwobl er nicht so
intensiv ist wie der körperliche S., durch feine Dauer
und seine allgemeine Wirkung die größte Gefahr
für den Organismus hervorrufen. - Vgl. Dumont,
Vergnügenund E. (deutsch, Lpz. 1876); Oppenhei-
mer, S. und Temperaturempfindung (Berl. 1893);
Goldschcider, Über den S. in physiol. und klinischer
Hinsickt (ebd. 1894).
Schmerzen Maria, Schmerzensfreitag,
s. Maria sieben Freuden.
Schmerzensgeld, eine Geldentschädigung, die
nach manchen deutschen Gesetzgebungen wie nack
Osterr. Vürgerl. Gesetzb. §. 1325 der Urheber einer
Körperverletzung dem Verletzten wegen der damit
zugefügten Schmerzen zahlen muß und die ganz un-
abhängig von der Strafe eintritt. Die Höhe des S.
richtet sich nach der Schwere der Verletzung und den
sonstigen Strafabmcssungsgründen; der Betrag wird
durch richterliches Ermessen bestimmt. (S. Körper-
verletzung.) Nach dem Entwurf des Vürgerl. Gesetzb.
ß. 770 kann im Fall einer sckuldhaften Körper- oder
Gesundheitsverletzung sowie im Fall schuldhafter
Freiheitsentziehung der Verletzte auch wegen eines
andern Scbadens als eines Vcrmögcnsfchadens eine
billige Entschädigung in Geld verlangen. Ein glei-
cber Anspruch soll einer Frauensperson im Fall einer
Notzucht und einiger anderer Fleischesverbrcchen zu-
Schmerzlosigkeit, s. Analgesie. ^stehen.
Schmerzstillende Mittel, diejenigen Heil-
mittel, welche die Nerven und das Gebirn gegen
Schmerz unempfindlich machen. (S. Anodyna, An-
ästhesieren und Narkotische Mittel.)
Fc/i5tt. et 1536., hinter lat. Pflanzennamen Ab-
kürzung für I. K. Schmidt, geb. 1793 zu Vern-
stadt in der Oberlausitz, gest. 1850 als Konservator
des Sckuttlewortschen Herbariums in Bern, und
für Gustav Kunze (s. d.).
Schmettau, Samuel, Neichsgraf von, preuß.
Generalfeldmarschall, Grandmaitre de l'Artillerie,
geb. 20. März 1684 zu Berlin, stand zuerst in dän.,
dann in ansbachifchen Diensten und sockt im Spa-
nischen Erbfolgekriege beiHöchftädt und Malplaquet
mit, wurde 1707 Generaladjutant des Erbprinzen
von Heffen und trat 1714 in poln. Dienste, wo er
wäbrend der Konföderationsunruhen dem König
August II. wichtige Dienste leistete. Bald nachher
ging er in österr. Dienste über, kämpfte 1717 gegen
die Türken und die Spanier auf Sicilien, wo er sich
als Generalwachtmeister bei Villafranca auszeich-
nete. 1720 leitete er die Belagerung von Messina;
1731 ging er nach Genua, um den Aufruhr zu stillen,
und als ihm dieses gelungen, 1733 als Feldmarsckall-
lieutenant gegen die Franzofen nach dem Rbein.
Hierauf wolmte er dem Türtcnkriege 1737 als Feld-
zeugmeister bei und verteidigte 1739 Belgrad. 1741
wurde er Generalfeldmarschall. Beim Ausbruck des
Krieges zwischen Österreich und Preußen berief ibn
Friedrich II. als preuß. Unterthan zurück. Da S.
aber nicht wünschte, gegen Osterreich zu fechten, so
verwendete ihn Friedrich als Gesandten, zuerst in
München bei Kaiser Karl VII. und später in Paris;
dock befebligte er in der Schlacht bei Cbotusitz (1742)
die Kavallerie des rechten Flügels. Er starb 18. Aug.
1751 zu Berlin.
Schmetten, soviel wie Rahm (s. d.).
Schmetterlinge (I^piäoptera, f. die Tafel:
Schmetterlinge I und II), eine große, etwa
20000 bekannte Arten zählende Ordnung der In-
sekten, die fich durch vier staubartig beschuppte
Flügel von gleickcr Substanz, einen fpiralig ein-
wärts gerollten Rüssel und die sehr vollkommene
Verwandlung auszeichnet. Die Größe der S.
ist äußerst verschieden; einige Motten messen aus-
gebreitet nur wenige Millimeter, manche auslän-
dische Tagsckmettcrlinge bis gegen 30 cm. Der
Körper besteht aus den bei allen vollkommenern
Insekten gewöhnlichen Abschnitten, Kopf, Brust
und Hinterleib; nur sind die Vrustringe eng unter-
einander verbunden. Von den drei Fußpaaren
bleibt das erste bisweilen (als sog. Putzfüße) sehr
Nein. Die Flügel zeigen eine sehr große Ab-
wechselung der Umrisse. Sie sind ganzrandig oder
sind mannigfach ausgeschnitten, bei den Feder-
motten fast bis zur Wurzel in mehrere Teile zer-
scknitten, bald geschwänzt, bald ungeschwänzt, bei
allen mit feinen staubartigen Schüppchen dachziegel-
artig bedeckt, die sehr verschieden gefärbt und ge-
staltet, breit oder lang, dick oder dünn, rund oder
eckig, stumpf, spitzig oder gezähnt, gestielt oder stiel-
los u. s. w. sind. (S. Tafel: Körperbedeckung
der TiereI, Fig. 22-31.) Nur bei wenigen sind
die Flügel an einzelnen Stellen oder die Vorder-
flügel größtenteils schuppenlos und durchsichtig wie
bei den Glasflüglern (363i^). Bei sehr wenigen Weib-
cben sind die Flügel sehr kurz oder fehlen gar gänz-
lich, wie bei dem großen Frostschmetterling
((^eometr^ äkloiwi-iH ^., s. Tafel: Schädliche
ForftinfektenII, Fig.6d),demAprikosenspin-
n e r, den S a ck t r ä g e rn u. a. m. Die Ernü hrungs-
werkzeuge sind weniger kompliziert gebaut wie die-
jenigen der Käfer, bestehen aber hauptfächlich aus
dem Rüffel und haben auch nur die Bestimmung zum
Aufsaugen flüssiger Stoffe (Honig, Wasser), die nicht
in großer Menge aufgenommen werden und über-
baupt nicht als Nahrungsmittel gelten können; ja
> einige Arten von S. fcheinen ihr kurzes Leben hin-
^ durch durchaus nichts zu genießen, indem manchen
^ Eulcnarten der Rüffel ganz fehlt. Die Oberlippe ift
! nur als Rudiment vorhanden, die Unterlippe aber
! groß, dreieckig, mit zwei großen, meist dreigliedrigen
^ippentastern, zwischen denen der aus zwei Hälften,
^ den modifizierten Kiefern, bestehende Rüssel liegt, an
dessen Grunde die kleinen, ein- bis dreigliedrigen
Kiefertaster sitzen. Alle haben zwei große facettierte
Augen, nur febr wenige zugleich Nebenaugen.
Die Gcsckleckter sind äußerlich oft leicht erkenn-
bar. Die Weibchen sind meistenteils größer, oft
minder lebbaft gefärbt, baben einen dickern Hinter-
leib und oft dünnere Fühler (z. B. bei der Nonne,
! svig. 1a; beim Kiefernspinner, Fig. 2". u. s. w.).
Die Weibchen legen Eier von verschiedener, oft sehr
zierlicher Gestalt und mit verwickeltem Mikropyl-
^ apparat (s. Tafel: Eier II, Fig. 13 u. 14), aus
! denen nach Ablauf einer feststehenden Zeit die Raupe
ls. d. und Tafel: Raupen) hervorkommt, die, zur
! Fortpflanzung unfähig, nur auf Anhäufung von
! Körpermasse durch Ernährung hingewiesen, also sehr