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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tippu Sahib - Tirano

geben. Die Hauptstation T. T.s ist im Kasongoreich am rechten Ufer des Lualaba; außer zahlreichen kleinen Posten besitzt derselbe oberhalb der Stanleyfälle noch die Station Kibonge, und an der Mündung des Lira in den Lualaba die Station Riba Riba, wo er durch Anlage von Pflanzungen sich auch als Verbreiter der Kultur erweist.

Tippu Sahib, s. Tipu Sāhib.

Tippu Tip, s. Tippo Tip.

Tipton (spr. tippt'n), Stadt in der engl. Grafschaft Stafford, westlich von Wednesbury bei Dudley, Station der Great-Western- und der London and North-Western-Bahn, hat (1891) 29 314 E.; Kohlen- und Eisenbergwerke, Eisengießerei, Dampfkesselfabriken, Nagelschmieden und Fabrikation von Mennige und Bleiweiß.

Tipula oleracea, s. Kohlschnake.

Tipulidae, s. Schnaken.

Tipu Sahib oder Tipu Sultan, Sultan von Maisur, Sohn Haidar Alis (s. d.), geb. 19. Nov. 1749, bestieg 1782 den Thron seines Vaters. Er hatte 88 000 Mann im Felde stehen und zog mit ungeheuerer Übermacht gegen die Engländer unter Matthews und zwang ihn, sich im April 1783 zu Bednur zu ergeben. Nach hartnäckiger Belagerung fiel auch Mangalur in T. S.s Hände. Inzwischen hatten die Engländer ein Bündnis mit den Mahratten geschlossen, infolgedessen sich T. S., den der Friede von Versailles auch der franz. Unterstützung beraubt hatte, durch den Frieden zu Mangalur 11. März 1784 unterwerfen mußte. T. S. nahm 1786 den Titel Padischah an, befahl, die alte Hauptstadt Maisur samt der Burg abzutragen, zwang die Bewohner, nach Srirangapattan überzusiedeln, richtete die Hofhaltung auf das glänzendste ein und trachtete sein Heer bis auf 200 000 Mann zu verstärken. In seinem religiösen Fanatismus als Mohammedaner überbot er noch seinen Vater und führte den "heiligen Krieg" gegen die Hindu mit größtem Nachdruck fort, während er einen großen mohammed. Staatenbund anstrebte und sich deshalb nach Sindh, Kabul, Belutschistan und Konstantinopel wandte.

Indessen harrten die Briten nur auf eine Gelegenheit zu einem neuen Kriege, welche sich ihnen in T. S.s Angriff auf Trawankur (Dez. 1789) darbot. Nachdem Lord Cornwallis 1790 ein Schutz- und Trutzbündnis mit den frühern Verbündeten T. S.s, dem Peschwa der Mahratten (s. d.) und dem Nisam Ali des Dekan geschlossen hatte, begann der Krieg. T. S. leistete tapfern Widerstand, verlor jedoch mehrere Plätze in Maisur, infolgedessen Cornwallis und Abercromby bis Srirangapattan vorrückten, unter dessen Mauern sich der Sultan 19. März 1792 der feindlichen Übermacht fügen mußte. Er verlor die Hälfte seiner Länder, zahlte 33 Mill. Rupien, gab die Gefangenen und gewaltsam Übergesiedelten frei und stellte zwei seiner Söhne als Geiseln. Als 1795 der Titularradscha von Maisur, Tscham-Radsch, welcher in seinem Palast gefangen gehalten worden war, gestorben, vertrieb T. S. dessen Familie und beraubte sie ihres Eigentums. In seiner Erbitterung gegen die Briten suchte T. S. andere ind. Mächte gegen England aufzuwiegeln, unterhandelte mit Persien und rüstete im geheimen. Er sandte Boten nach Mauritius und Briefe an das Direktorium in Paris (1797), worin er Frankreich einen Freundschaftsbund anbot, der gern angenommen wurde. Der unerwartete Einfall der Franzosen in Ägypten (1798) setzte die Briten in die größten Besorgnisse. Sie beschlossen daher, als T. S. die Einstellung der Rüstungen verweigerte, dem Angriff zuvorzukommen und erklärten 22. Febr. 1799 den Krieg. Zwei Heere, verstärkt durch Hilfstruppen des Nisam, rückten in Maisur ein und schlugen unweit Srirangapattan T. S. in zwei Treffen, 6. März bei Sidasir und 27. März bei Malaveli. Der Sultan zog sich nach Srirangapattan zurück, welches 4. Mai mit Sturm genommen wurde. T. S., wiederholt von Kugeln getroffen, kämpfte bis zum letzten Atemzug. Aus Politik teilten die Briten das Reich Maisur (s. d.) mit ihrem Bundesgenossen, dem Nisam des Dekan. T. S.s Familie wurde die Festung Wellur in Karnatak zum Wohnort und eine Pension angewiesen. T. S.s Urenkel, Prinz Farruch Schah, gehört heute zu den angesehensten Notabeln Kalkuttas.

Vgl. Michaud, Histoire des progrès et de la chute de l'empire Mysore sous le règne de Hyder Aly et Tippoo Saib (2 Bde., Par. 1801); The history of Tippoo Sultan, written by Mir Hussain Ali Khan (übersetzt von Miles, Lond. 1844).

Tipu Sultan, s. Tipu Sāhib.

Tique-Caraputo (Amblyomma americanum L. oder nigua Degeer, Niguazecke, eine 2-3 mm lange, rotbraune, berüchtigte Zecke Südamerikas, die in den Wäldern sehr häufig ist und dadurch, daß sie sich an Menschen und Tieren, besonders Pferden festsaugt, sehr lästig wird.

Tirabeque, Pseudonym, s. Lafuente, Modesto.

Tiraboschi (spr. -boski), Girolamo, ital. Litterarhistoriker, geb. 18. Dez. 1731 zu Bergamo, wurde im Jesuitenkolleg zu Monza gebildet, trat in den geistlichen Stand und lehrte in Mailand und Novara an niedern Schulen, bis er den Lehrstuhl der Rhetorik an der Brera zu Mailand erhielt. Dann wurde er Bibliothekar bei dem Herzog Franz III. von Modena und starb auf seinem Landgute bei Modena 3. Juni 1794. Sein Hauptwerk ist die berühmte "Storia della letteratura italiana" (13 Bde., Modena 1772-81; 2. Ausg., 16 Bde., 1787-93; vorzüglichste Ausg., 16 Bde., Mail. 1822-26; deutsch im Auszuge von Jagemann, 5 Bde., Lpz. 1777-81). Das Werk reicht von den Anfängen wissenschaftlicher Bildung bis 1700. Unter T.s übrigen Werken sind die "Biblioteca modenese" (6 Bde., Modena 1781-86) und die "Memorie storiche modenesi" (4 Bde., ebd. 1793; mit seinem Urkundenbuche) zu nennen.

Tirabzon, s. Trapezunt.

Tirade (vom ital. tirare, d. i. ziehen), in der Musik eine Verzierung, die zwischen zwei Tönen die dazwischen liegenden Noten durchläuft. T. ist auch die Bezeichnung für einen längern deklamationsartigen Worterguß, oft mit dem Nebensinn des Phrasenhaften. Über den Tiradenreim, s. Reim.

Tirailleure (frz., spr. -răjöhre), Schützen, die in der zerstreuten Ordnung kämpfenden Mannschaften der Infanterie (s. Schützen).

Tiraillieren (frz., spr. -răjieren), soviel wie in zerstreuter Ordnung fechten. (S. auch Schützen.)

Tirano, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Sondrio, im Veltlin, 450 m ü. d. M., links an der Adda, hat (1881) 3119, als Gemeinde 5870 E., Paläste (meist aus dem 16. Jahrh.) der Visconti, Pallavicini, Salis, Torelli, Kirche San Martino; Handel mit Seide und Wein. 1½ km nordwestlich in einem kleinen Ort die großartige Wallfahrtskirche Madonna di T. (16. Jahrh.), links am Poschiavo, am Eingang in das schweiz. Puschlavthal, den südlichsten Teil des Kantons Graubünden.