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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Valladolid (in Mexiko) - Vallombrosa (Orden von)
del Rioseco (41 km), ist Sitz des Generalkapitäns,
eines Erzbischofs und einer Filiale der Bank von
Spanien und bat (1887) 62012 (30 620 männl.,
31392 weibl.) E., 9831 mehr als 1877, 6 Tbore,
darunterPuertadel Carmcnmit Standbild Karlsiil.,
scköne Straßen und Plätze (Plaza mayor, ein gro-
ßes mit Arkaden umgebenes Viereck, das dreieckige
Campo Grande, das achteckige ElOchavo), 15 Pfarr-
kirchen, eine 1346 gestiftete Universität mit surist.
und mediz. Fakultät, 35 Lehrern und einer Biblio-
tbek von 32 000 Bänden und 308 vandsckriften,
Schulen für Mathematik und Zeichnen und eine
Akademie für Kunst und Wissenschaft. Unter den
öffentlicken Gebäuden zeichnen sich aus: die von
Pbilipp II. 1585 gegründete und von Herrera be-
gonnene, doch unvollendete Kathedrale; der alte
königl. Palast, ehemals Residenz der eastilian. und
span. Könige; die vom Großinquisitor Torquemada
erbaute ehemalige Dominikanertirche San Pablo,
mit prachtiger got. Facade. Das ehemalige Benedik-
tinertloster ist in eine Kaserne mngcwandelt worden.
Das ^ole^w ci6 8t^i. lüi-u^ entbält ein Kunstmuseum
mit wertvollen Gemälden und Skulpturen sowie eine
Bibliothek von 14000 Bänden. V. bat lebhafte In-
dustrie: Eisengießerei, Wollweberei, Fabrikation von
Tucb, Seidenzcug, Baud, Gold- und Silberwaren,
Papier, Chemikalien, Mehl, Fayence und Leder. All-
jährlich findet in der zweiten Hälfte des September
eine Mefse statt.
Valladolld M-. wallja-), Stadt im merikan.
Staate ^)ucatan, liegt in der Mitte des no'rdl.
Plateaus, ist scbon gebaut, besitzt 7 Kirchen, ein
Iesuitenkolleg, ein Hospital, eine prächtige Wasser-
leitung und 14000 E., meist Indianer und Misch-
linge. Sie betreibt beträchtliche Baumwollindustrie.
Wenige Meilen westlich liegen die Ruinen von
Chichen-Itza ^s. d.). V. wurde 1543 gegründet.
Valladoltd de Michoacän (s'pr. wallja,
mitscko-), Stadt in Mexiko, s. Morelia.
Valle (ital.), Tbal.
Valle, Juan del, s.Cadalso.
Valle, Pietro della, ital. Reisender, geb. 2. April
1586 zu Rom, schiffte sich in Neapel 1614 zur Wall-
fahrt nacb dem Orient ein, besuchte die Türkei, Llgyp-
ten, Arabien, Persien und Indien und verweilte
über elf Jahre in diefen Ländern, deren Sprachen,
Befchaffenheit und Einwohner er genau kennen
lernte. 1626 langte er mit einem großen Gefolge
von Morgenländern in Rom an. Unter andern
Merkwürdigkeiten brachte er aus Ägypten zwei Mu-
mien mit, die sich jetzt in Dresden befinden. Er be-
schäftigte sich wissenschaftlich besonders auch mit der
Musik, deren gründlicher Kenner er war, und starb
21. April 1652 zu Rom. Seine Reisebeschreibung
"Via^i in 4'uicliia, I^rsi^ ecl Inäia äks^i'itti d^
Ini M6ä68iinc> in 54 I(M"i'6 i^ini^lilN'i" (2 Bde.,
Rom 1650-58; beste Ausg. 1662-63; deutsch
Genf 1674) zeugt von des Verfassers vielseitiger Ge-
lehrsamkeit, ist jedoch von Leichtgläubigkeit und der
Sucht, wunderbare Dinge zu erzählen, nicht srei.
Valle de Baztan, f. Bidassoa.
Valle di Diano, Tbal bei Sala Consilina (s. d.).
Valle diLedro, Ledrothal, Thal und Ge-
ricktsbezirk in Südtirol, s. Riva.
Valle di Rendena, das obere Thal der Sarca,
eins der anmutigsten Thäler Südtirols, reicht von
Pinzolo bis Tio'ne (s. d.), ist stark bevölkert. Die
Bewohner, welche Seidenraupen-, Maulbeerbaum-
und Viehzucht treiben, wandern zum Teil als
Brockhalls' Konversations-Lc-xikoil. 1-1. Aufl.. XVI.
Messer- und Scherenschleifer nach Österreich und
Italien aus. Das V. d. R. wird neuerdings dank
der großartigen Alpennatur (Adamello-, Presanella-
und Brentagruppe) sowie als Dnrchgaugstbal nach
Ätadonna di Campiglio von Reisenden sebr besucht.
Vallee (frz., spr.'walleh), Tbal.
Vallöe d'Auge (spr. dobsch'), Tbal imfranz.
Depart. Calvado^ (s. d.).
Vallee de Bellegarde (spr. bellgard), franz.
Name des Iauntbals if. d.).
Vatteixsche Druckpunkte, s. Neuralgien.
Valle Maggia (spr. maddscka), ital. Name von
! Maintbal ls. d.s.
Valleudar, Stadt im preusi. Reg.-Bez. und
Krci'> Koblcuz, recbtv am Rhein, an den südweftl.
Ausläufern des Westerwaldes und der Linie Köln-
NiederlabnsteinderPreuß.Staatsbabnen, Dampfer-
station, bat i18l)5) 3709 E., darunter 182 Evange-
lische und 181 Israeliten, Post, Telegrapb, katb.
roman. Kirche, 1839 von Lasiaulr mit Beibebaltung
des Turms aus dem 15. Jahrb. erbaut, mit sckönen
(^)lasgemälden, evang. Kirche (1885), St. Iosephs-
bospital sür Kraute, Pfründner und Pensionäre;
6 Cigarrenfabriken, Holzpfeifen-, Militäreffektcn-
und Cbampagnerfabrik, bedeutende Thongruben und
Thonindustrie, ^bst- und Neiubaudel luid Schiffs-
verkebr. l iiin östlick die Ruine des 1143 gegründeten,
1567 aufgehobenen Klosters Schönstadt; 2 km süd-
licb der Mallendarer Berg, früher Sommersitz des
Deutschordenskomtnrs der Ballei Koblenz, ein Aus-
sichtspunkt. V. ist mit der im Rhein liegenden Insel
! Nnederwertb durch eine ^ühre verbunden.
! Vallengin, sckweiz. Stadt, s. Valangin.
Valletfche Pillen (?iww" t^ii-i c^donici),
eins der mildesten und am besten zu ertragenden
Eisenmittel. Sie enthalten als wirksamen Bestand-
teil toblensaures Eisenoxydul.
Valli, s. Lagunen.
Vallier, ^aint, franz. Stadt, s. Samt Vallier.
Valiisusria. /^., Vallisnerie, Pflanzengat-
tung aus der Familie der Hydrocharidaceen ss. d.).
Die bekannteste Art ist die in Südfrankreich und
Italien, besonders in den Kanälen der Reisfelder
bäufige V. 8M-a1i8 ^. <f. Tertsig. 5 zum Artikel He-
lobien), mit langen, grasartigen, in dichten Büscheln
stehenden Blättern. Die Pflanze bat oft ein fo üp-
piges Wachstum, daß sie in manchen Kanälen Süd-
frankreichs der Schiffahrt hinderlich wird. Interessant
ist die Art der Bestäubung der zweihäusigen Blüten;
diese steben nämlich unter Wasser, die männlichen (d)
dicht gedrängt auf einem Kolben (linke Pflanze der
Figur), die weiblichen (a) einzeln auf spiralig zu-
sammengerollten Stielen (rechte Pflanze der Figur).
Geschlechtsreif geworden, erheben sich letztere auf den
aufgerollten Stielen über den Wasserspiegel und die
männlichen reißen sich los und kommen an die Ober-
fläche, wo sie die weiblichen, ihnen durch Wind und
! Wellenschlag nahe gebracht, befruchten. Nach diesem
! Akte werden die weiblichen Blüten durch die sich wie-
! der zusammenrollenden stiele unter das Wasser ge-
! zogen, wo die Frucht sich entwickelt und zur Reife
^ tommt. Diese Pflanze ist für Zimmeraquarien sehr
gut verwendbar. Sie erfordert weiter keine Pflege,
als daß man ihre Blätter von den sich leicht in
stehendem Wasser stark entwickelnden Algen frei hält.
Vallombröfa, Orden von, gestiftet 1039 von
Johannes Gualbert <Giovanni Gualberto),
.Verrn von Pistoja, in V. uack der Rc^'l Bonedikts.
Der Orden fand fast nur in Italien Verbreitung; da-
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