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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vorverfahren - Vos
Durchsuchung von Papieren, nacb der Deutschen bei
Vernehmung solcher Zeugen und Sachverständigen,
die voraussichtlich am Erscheinen in der Hauptver-
handlung behindert sein werden) eine Parteien-
Öffentlichkeit derart statt, daß die Beteiligten von
den Terminen benachrichtigt werden und denselben
beiwohnen dürfen.
Über den Antrag auf Eröffnung der V. entscheidet
der Untersuchungsrichter; zur Ablehnung desselben
bedarf es indes eines Beschlusses des Gerichts (Straf-
kammer oder Ratskammer). Der Beschluß, durcb
welchen die V. eröffnet wird, unterliegt der Regel
nach keiner Anfechtung; der Beschluß, durch welchen
die Eröffnung der V. abgelehnt wird, kann nach
der Deutschen Strafprozeßordnung mit sofortiger
Beschwerde, nach der Ofterr. von dem Staatsanwalt
und Privatautläger mit einer binnen drei Tagen
bei der Ratskammer (s. d.) anzubringenden, von
dem Gerichtshof zweiter Instanz zu entscheidenden
Beschwerde angefochten werden. Die Führung der
V. liegt in der Regel dem Untersuchungsrichter ob
(wegen der Ausnahme s. Untersuchungsrichter), der
jedoch befugt ist, auswärtige Amtsrichter (Bezirks- !
gerickte) um Vornahme einzelner Nntersuchungs- i
Handlungen zu ersuchen. Er hat über alle Unter- !
suchungshandluugen Protokolle aufzunehmen und ^
zu denselben einen Gerichtsschrcibcr (beeideten Pro- !
tokollführer) zuzuziehen. Die Staatsanwaltschaft <
kann, ohne das Verfahren aufznhalten, jederzeit
Einsicht von den Akten nehmen und ihr geeignet
scheinende Anträge stellen. Nach Schluß der V.,
von welchem der Angeschuldigte in Kenntnis zu
setzen ist, werden die Akten der Staatsanwalt-
schaft zur Stellung ihrer Anträge vorgelegt, welche
auch auf Ergänzung der V. gerichtet fein können.
Vgl. §§. 176fg. der Deutschen', ßtz. 91 fg. derÖsterr. !
Strafprozeßordnung. Das weitere s. unter Ein-
stellung des Strafverfahrens und Eröffnung des
Hauptverfahrens.
Vorverfahren, nach dem Sprachgebrauch der
Deutschen Strafprozeßordnung die gemeinschaftliche
Bezeichnung für die gerichtliche Voruntersuchung
und das staatsanwaltschaftliche Ermittelungsver-
fahren. Mit letzterm, in Österreich Vorerhebun -
gen genannt,wirddas Eingreifen der Staatsbehörde
der Regel nach beginnen. (S. Voruntersuchung.)
Vorverjüngung, s. Femelschlagbetrieb.
Vorvermächtnis, nach einigen soviel wie Vor-
ausvermächtnis (s. d.). Andere bezeichnen mit V.
dasjenige Vermächtnis, welches einem Vermächtnis-
nehmer den vermachten Gegenstand nur bis zum
Eintritte einer gewissen Frist oder bis zur Erfüllung
einer Bedingung und von da ab einem andern Ver-
mächtnisnehmer zuwendet (Deutsches Bürgert. Ge-
setzb. §. 2104), in entsprechender Weise wie das Erb-
schaftsvermä'chtnis (s. d.). Die Wissenschaft spricht
in einem solchen Falle meist von successivemVer -
mäch tnisse, das Deutsche Bürgert. Gesetzb. §. 2191
von einem Nachvermächtnis.
Vorvertrag (?Hswin 6s coiitrallLnäo), ein
Vertrag, durch welchen Kontrahenten einander ver-
sprechen, ein in seinen wesentlichen Punkten be-
stimmtes Geschäft demnächst miteinander abzu-
schließen, z. V. einen Kauf (Mcwin äs enienäo),
einen Darlehnsvertrag mit der dann erfolgenden
Auszahlung des Darlehns (Mcwin äo imiwo
ä^näo). Der Kauf selbst ist kein V., sondern der
Hauptvertrag, wenn auch Lieferung der Ware und
Zahlung des Preises später erfolgen.
Vorwachs (ki-opaii^) oder Etopfwachs, die
Masse, die die Bienen als Kitt bei Anlage einer
neuen Wabe benutzen; sie besteht hauptsächlich aus
dem klebrigen Überzuge der Knospen mancher Bäume,
z. B. der Pappeln.
Vorwalzwerk, s Walzwert.
Vorwarmeofen, s. Druckluftanlage.
Vorwärmer, ein Apparat, welcher dem zum
Speisen eines Dampferzeugers gebrauchten Wasser
eine höhere Temperatur erteilen soll, als es von
vornherein besitzt. Diese Vorwärmung des Speise-
wassers kann entweder durch den aus der Maschine
abgehenden Dampf oder durch die von der Kessel-
feuerung abgehenden Heizgase geschehen. Im ersten
Falle ist der V. neben dem Kessel aufgestellt, im
zweiten ist er in die Züge der Kesseleinmauerung
eingebaut. Letztere Anwendung der V. gestattet eine
bessere Ausnutzung der Heizgase und somit eine
Kohlenersparnis. Solche in den Fuchs eingebaute,
aus einem System von Röhren bestehende V. werden
auch Economiser genannt.
Vorwärmezone, s. Eisenerzeugung.
Vorwärts (BerlinerVolksblat't),dasCen-
tralorgan der socialdemokratischen Partei Deutsch-
lands, erscheint täglich in Berlin im Verlag von Mar
Bading in einer Auflage von 48000 Exemplaren.
Die Zeitung wnrde 1884 u. d. T. "Berliner Volks-
blatt" gegründet und von Hasenclever redigiert;
nach dem Erlöschen des Socialistengesetzes 1. Okt.
1890 nahm sie den Titel V., uuter dem schon früher
ein 1878 unterdrücktes Parteiorgan in Leipzig ber-
ausgekommen war, an, und Wilh. Liebknecht über-
nahm die Redaktion. Die Überschüsse der Zeitung
sowie der damit verbundenen Buchhandlung fließen
in die Parteikasse. ^schneiden.
Vorwärtsabschneiden, in der Geodäsie, s. Ab-
Vorwein, s. Most.
Vorwerk, ein vom Hauptgute abgetrennter
Wirtschaftshof, der bei ausgedehnter Feldmark be-
sonders für die Abfuhr des Düngers und die Ein-
bringung des Getreides durch Abkürzung der Weg-
strecken bedeutende Erleichterungen gewährt. Sehr
häusig besteht das V. nur aus Schafställen und
Scheunen nebst Räumlichkeiten für den Echafmeister.
V. ist auch soviel wie Abbau (s. d.).
Im militärischen Sinne sind V. soviel wie
Außenwerte (s. d.). seine kurze Vorrede.
Vorwort, soviel wie Präposition (s. d.); auch
Vorzeichen, soviel wie Anzeichen.
Vorzeichnung, die zu Anfang eines Tonstücks
und des Liniensystems neben dem Schlüssel be-
findlichen Zeichen und Zahlen. Die V. ist chro-
matisch und rhythmisch. Erstere besteht in den
sog. wesentlichen Erhöhungs- oder Erniedrigungs-
zeichen (H,!? und h), letztere in Zahlen und Zeichen
(l^f <^, "4 '/4 °/8 u. s. w.), welche die in dem Ton-
stück herrschende Taktart andeuten.
Vorzugserbe, s. Anerbe.
Vorzugsrecht, s. Rangordnung der Gläubiger
im Konkursverfahren.
Vos, Cornelis de, vläm. Maler, geb. 1585 zu
Hülst, war in Amsterdam thätig, wo er 1651 starb.
Unabhängig von Rubens und van Dyck bildete er sich
seinen eigenen lebensvollen Stil. Ats Porträtmaler
namentlich darf er zu den besten Niederländern ge-
rechnet werden: das berühmte Bildnis des Abraham
Graphens im Antwerpener Museum, die Familie
Hütten in München, Salomon Cock in Cassel und
Das Ehepaar in Berlin zeigen eine ebenso schlichte