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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wasserabzapfung - Wasseramseln
einige Grade unter Null, und zwar nach Verhältnis der Art und Menge dieser Beimischungen. Wenn ein Teil einer solchen Lösung erstarrt, so gefriert meist nur das W., und die rückständige Auflösung ist dann nm so konzentrierter, wie dies bei Wein, Vier und Kochsalzlösung der Fall. Die Dichtigkeit des W. ist indessen nicht bei dem Nullpunkt des Thermometers am größten, sondern bei -14° C. Von diesem Punkt an dehnt es sich ans, sowohl beim Abkühlen als bei der Erwärmung. Diese Eigentümlichkeit des W. ist für viele große Naturvorgänge von Bedeutung. Das W. würde ohne dieselbe im Winter nach und nach, selbst in den größten Seen, bis zum Nullpunkt und darunter abgekühlt werden und in seiner ganzen Masse erstarren. In Wirklichkeit aber sinkt das W., sobald es bis zu 4° abgekühlt ist, in den Seen zu Boden, und wenn endlich alles W. diese Temperatur angenommen hat, so kann nur seine Oberfläche noch unter diesen Grad abgekühlt werden, weil nun das kältere W. specifisch leichter als das warme ist und das W., wie die meisten Flüssigkeiten, die Wärme nur langsam leitet. Der Grund der Seen und Flüsse behält die angegebene Temperatur von ungefähr 4°. Es erleidet dies jedoch keine Anwendung auf das salzhaltige W. des Oceans. Wird das W. von 4° an erwärmt, so dehnt es sich allmählich aus, bis es bei 100° zu sieden anfängt. (S. Sieden.) Im ganzen dehnt sich das W. von 0 bis 100° um 42 Tausendteile des Volumens aus, das es bei 0° hat. Der Wasserdampf folgt bei seiner Ausdehnung durch die Wärme, innerhalb gewisser Bedingungen, den gewöhnlichen Gesetzen der Gasarten. Wenn W. in einem verschlossenen Gefäß erhitzt wird, so gewinnt der Dampf nach und nach einen so hohen Grad von Spannkraft, daß er die stärksten Gefäße zu zersprengen vermag. (S. Dampf.) Den: unsichtbaren Wasserdampf wird durch kalte Körper die Wärme entzogen; er verdichtet oder kondensiert sich dann zu W. und wird sichtbar. (S. Kondensation.) Darauf beruht die Bildung der Wolken, der Nebel und die Entstehung anderer Meteorolog. Erscheinungen. Daher sieht man den Hauch in kalter Luft, und daher beschlagen sich kalte Körper, die in warme Zimmer gebracht werden, mit W.; letzteres rührt von dem Wasserdunst der Zimmerluft her. Meteorwasser nennt man das als Dampf in die höhern Regionen geführte W., das sich durch die Einwirkung kälterer Luftschichten zu sichtbaren Dünsten kondensiert (Nebel, Wolken) und, bei noch stärkerer Kondensation, als Tropfen zur Erde fällt. Es erscheint dann als Regen, als Schnee oder als Hagel. Fast alles fließende W. auf der Erde verdankt seinen Ursprung dem Meteorwasser, das auf die Erde fällt und teils über die Oberfläche wegrinnt, teils von der Dammerde eingesogen wird oder sich in die Klüfte und Spalten der Gebirge senkt. Dieses in hoher gelegenen Gegenden in die Erde eingedrungene W. tritt in den Quellen unserer Bäche und Flüsse wieder zu Tage. Hat das W. bei seinem Aufenthalt in der Erde Mineralien aufgelöst, so entstehen die Mineralwässer (s. d.). Als Bestandteil anderer Körper tritt das W. in drei verschiedenen Formen auf, 1) als hygroskopisches W., 2) als Krystallwasser (s. d.), 3) als chemisch gebundenes W.
Im menschlichen Körper spielt das W. eine große Rolle. Neben dem Sauerstoff der atmosphärischen Lust und der Wärme gehört das W., das beim erwachsenen Menschen gegen 60, beim neugeborenen gegen 70 Proz. des gesamten Körpergewichts ausmacht, zu den unerläßlichen Lebensbedingungen, da alle Physik, und chem. Vorgänge des tierischen und menschlichen Körpers ohne das Vorhandensein von W. unmöglich sind; es dient nicht nur als Auflösungsmittel und Träger vieler für den Organismus unentbehrlichen Stoffe (Eiweiß, Zucker, Salze u. a.), sondern vermittelt auch als wichtiger Bestandteil des Blutes den beständigen Kreislauf der Stoffe durch alle Gewebe und Organe und übt durch seine in der Haut und den Lungen vor sich gehende Verdunstung großen Einfluß auf die Regulierung der Eigenwärme. Die tägliche Wasserausscheidung beträgt beim gesunden Erwachsenen durchschnittlich 2500 ccm (2,5 l), die dem Körper von außen durch Speise und Trank wieder zugeführt werden müssen, wenn er gesund und leistungsfähig bleiben soll. Da erfahrungsgemäß in das W. häufig Krankheitserreger gelangen (s. Brunnenvergiftung und durch den Genuß desselben Epidemien verursacht werden können (insbesondere Cholera, Typhus, Ruhr), so ist die Beschaffung eines tadellosen, vor solchen Verunreinigungen absolut geschützten W. eine der wichtigsten Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege. Über die Beschaffung von W. zum Trinken, Kochen u. s. w. s. Wasserversorgung; über die Reinigung des W. s. Wasserreinigung. - Vgl. Pfaff, Das W. (Münch. 1870); Tyndall, Das W. in seinen Formen als Wolken und Flüsse, Eis und Gletscher (Bd. 1 der "Internationalen wissenschaftlichen Bibliothek", 2. Aufl., Lpz. 1879); Dove, Der Kreislauf des W. auf der Oberfläche der Erde (2. Aufl., Berl. 1874); Lersch, Hydro-Chemie (2. Aufl., Bonn 1870); ders., Hydrophysik (2. Aufl., ebd. 1870); van der Mensbrugghe, Histoire d’une goutte d’eau (Brüss. 1885); F. Fischer, Das W., seine Verwendung, Reinigung und Beurteilung (2. Aufl., Berl. 1891); Wanklyn, Analyse des W. (Charlottenb. 1893); Ohlmüller, Die Untersuchung des W. (2. Aufl., Berl. 1896).
Wasserabzapfung, chirurg. Operation zur Entfernung widernatürlich angesammelter Flüssigkeiten aus dem Körper. Man bedient sich dazu entweder des Trokars (s. d.) oder langer stählerner Hohlnadeln oder der Lanzette. (S. Punktion.)
Wasseralfingen, Dorf im Oberamt Aalen des württemb. Jagstkreises, an den Linien Crailsheim-Aalen (Obere Jagstbahn) und Stuttgart-Nördlingen der Württemb. Staatsbahnen, Sitz eines Hüttenamtes, hat als Gemeinde (1895) 3706 E., darunter etwa 750 Evangelische, Post, Telegraph, kath. Kirche (1883), evang. Kirche (1894), Wasserleitung; große königl. Eisenhütte mit Stuferzgrube, Walzwerk, Eisengießerei und mechan. Werkstätte, Präcisionszieherei, Fabrikation von Wichsschachteln und künstlichen Bausteinen, zwei Brauereien und Dampfziegelei. - Vgl. Schall, Geschichte des Hüttenwerks W. (Stuttg. 1896).
Wasseramseln (Cinclidae), eine ans 2 Gattungen und etwa 15 Arten bestehende Familie zaunkönigsartiger lebhafter Singvögel, welche die gemäßigten Gegenden der Alten Welt bis Westchina herab, dann die westl. Teile Nordamerikas bewohnen und hier den hohen Gebirgen folgend durch Mexiko bis Peru vordringen. Ihr Gefieder ist sehr einfach, rauchschwarz und weih und zeichnet sich vor dem aller andern Singvögel dadurch aus, daß es Unterdunen, wie das der Wasservögel, hat, und ihrer Lebensweise nach sind die W. auch echte Wasservögel,