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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zusammmrückung - Zuständigkeit
entweder in Zusammenhang mit einer Gemeinheits-
teilnng (s. d.) oder als selbständige Acaßregel. Im
letztern Fall bildet die bloße Gemengelage der
Grundstücke (auch wenn sie einer gemeinschaftlichen
Benutzung nickt unterliegen) einen zureichenden
Provokationsgrund. Gesetze, welche die Z. der
Grundstücke im zweiterwähnten Sinne regeln, be-
stehen in den meisten norddeutschen Staaten schon
leit längerer Zeit. Nach dein Gesetz für Altpreußen
von1872 genügt, wie in den meisten andern Staaten,
eine Majorität, berechnet nacb fläche und Grund-
steuerreinertrag der beteiligten Grundstücke, um die
Minorität zur Z. der Grundstücke zu zwingen.
Bayern, Württemberg, Baden baben wirksame Ge-
setze entsprechenden Inbalts ^ seit i^",, Hessen
seit 1887, Elsaft-^otbriugen seit 18W. Jedoch greifen
die süddeutschen Zusammenlegungsgesetze nicht so
energisch durch wie das preuß. Gesetz. Die Z. soll
nämlich unterbleiben, weuu wenigstens die Hälfte
der beteiligten Besiker (der Kopfzahl uack), in Hessen,
wenn vier Fünftel "ebenso übrigens im Gebiet des
rbein.-prenß. Neckte, weuu fünf Sechstel) aller Be-
teiligten widersprechen. 'Auch soll für das ein-
geworfene Gritndstüct tbuulickst Ersatz iu Boden
von gleicher Besckaffenbeit und ^age geleistet wer-
den, während man sich in Preußen für einen Aus-
fall in der Güte mit einem ^uwacks an Fläche be-
gnügeil muß und umgekehrt.
Zufammenrnckung, s. ^usanimeusetzung.
Zusammcnschlagung, in: österr. Bergreckt, s.
Konsolidation. jscke (Gesteine.
Zusammenschwemmnng^gebilde, s. Klasti-
Zusammensetzung oder'Komposition, im
grammatischen Sinne die Verbindung zweier oder
mebrerer Wortstäinme derart, daß sie unter einen
Aeeent fallen und nur der letzte Wortstanim flek-
tiert (dekliniert oder konjugiert) wird. Die mit Prä-
positionen zusammengesetzten Verba, z. B. beistehen,
aufhalten, auch wenn sie im Satze von der Präposi-
tion untrennbar sind, wie z. B. unterscklageu, sind
nur im uneigeutlicken Siune ')Usannnensetzungen,
da in ältern Perioden der Sprachgeschichte die Prä-
position dem Verbnm nur als adverbiale Bestim-
mung dient und eine selbständige Stellung im Satze
hat. (S. Tmesis.) Von der Z. ist zu unterscheiden
die Zusamm en rü cku n g oder uneigentlicke'> < auch
Iuxtaposition genannt", bei der selbständig
flektierte Wörter unter eineu Aecent verbunden wer-
den und so das Auseben von Komposita erdalten,
z.B. Blumenduft, wo "Blumeu" der wirkliche Ge-
nitiv ist. In Bezug auf ibre Bedeutuug kann inan
die Komposita nach sebr verschiedenen Gesichts-
punkten einteilen. Tie beiden wichtigsten Unter-
schiede sind folgende: 1) Beiordnende und unter-
ordnende Z. Bei der beiordnenden Komposition
stehen die beiden Glieder gleichwertig nebeneinander,
io daß nur eine Addition zweier Begriffe stattfindet,
z. B. neugrch. ^'^.'.x6-7ic/.'.3<x (^vnailio-^ilidH),
"Frauen und Kinder", lat. ckuo-ä^cim "zwölf", d. i.
'2 ^ 10, während bei der unterordnenden das eine
Glied vom andern abhängig ist, z. B. Schwertgriff,
d. i. Griff des Schwertes. 2) Z. n iederer Ord-
nung und höherer Ordnnng (für letzteres auch
Besitzkomposita oder ^<nni,o^itil unlwtn). Dieser
Unterschied stellt eine Bedeutungsentwicklung ur-
sprünglich substanttviscker Z. dar, die, indem von
der Bedeutung einer Substanz abgeseben wurde uud
nur die der Substanz anhaftenden Qualitäten als
Begriffsinhalt übrigblieben, in adjcktivifche Wörter
verwandelt wurden. So kam z. B. "Tickkopf" (d. i.
"dicker Kopf") znm Sinne "einen Dickkopf habend,
dickköpfig", lat. inün'n-miimug ("großer Geist") zur
Bedeutuug "groß-, hochherzig". Die Z. der germau.
Spracheu ist von I. Grimm, "Deutsche Grammatik",
2. Tl., behandelt, die der indogerman. Sprachen
überhaupt von Bopp in der "Vergleichenden Gram-
matik", Bd. ^" (^. Ausg., Verl. 1871), von Brug-
mann im "Grnndriß der vergleichenden Grammatik",
Bd. 2 (Strasib. 1888 fg.), von Iusti, "über die Zu-
sammensetzung der Noniina in den indogerman.
Sprachen" (Gott. 18lil) u. a.
Zusammenstoß vonSchiffen, s. slollision und
Strastenrecht auf See; Z. von Zügen, s. Eisenbahn-
unfälle, ss. Konkurrenz.
Zusammentreffen mehrerer Verbrechen,
Zusaizakte, s. Additionalakte.
Zufatzfrage, s. ^lebenfrage.
Zufaizmarke, soviel wie Doppelmarke.
Zusehen, Stadt im Kreis der (5der des Fürsten-
tums Waldeck, an der links zur Eder gehenden Gbe,
hat (1895) (X)2 (5., Postageutur, Fernsprechverbin-
dung, evang. Kirche; Vtolkerei und Sägewerk.
Zuschlage, in der Metallurgie, s. Beschicken und
Eisenerzeugung; H y drauli s ch e Z., s. (5emeut.
Zuschiags'billetet, s. Eisenbahntarife.
Zuschlagssteueru, eine Fornr der Kommunal-
befteuerung, die in Frankreich befonders ausgebil-
det ist, fich aber anch in Deutfchland findet. (S. Ge-
meindestelieril und Gemeindcnmlagen.)
Zuschlagszölle, Zölle, die zu den tarifmäßigen
Zöllen als Zufchlag erhoben werden, entweder bei
der Einfuhr von Waren nnter fremder Flagge (s.
Flaggenzuschlag), oder aus Niederlagen eines nicht
einbeimiscken Hafens (s. 8ui-wxo ä'6itti'6i)öy, oder
aus Staateu, mit denen Zollkrieg besteht (s. Retor-
sionszolle), oder endlich auch um die Erhöhung einer
inländischen Prodnktionssteuer, z.B. bei der Zucker-
steuer (s. d.), auszugleichen.
Zuschneidemaschinen, Maschinen zum gleick-
zeitigen Zusckneiden mehrerer ^agcn Tuch u. s. w.
Zuschttßkafsen, s. Fabrittassen.
Zusmarshaufen. 1) Bezirksamt im bayr.
Reg.-Bez. Schwaben, hat 322,io (iwn und (1895)
15l)80 (70<>1 männl./80^9 weibl.) E. in 43 Ge-
meinden mit 85 Ortschaften. - 2) Flecken und
Hauptort des Bezirksamtes Z., rechts an der zur
Donan gebenden Zusam, Sitz des Bezirksamtes
und eines Amtsgerichts (Landgericht Augsburg",
bat l18'.>5) U>65 E., darunter 18 Evangelische, Post-
erpedition, Telegraph und ein Schloß. Hier wurden
17. Mai K',18 die Kaiserlichen unter Holzapfel von
Turenne und Wrangel gefcklagen.
Zuständigkeit, im allgemeinen das, was je-
mandem zusteht; so bezeichnet Rechtszuständigkeit
oder rechtliche Kompetenzen den Inbeariss der Reckte,
welcke jemandem zustehen. Im besondern ist Z. Be-
zeichnung für deu Geschäftskreis, der einer Verwal-
tungsbehörde oder einein Gericht zugewiesen ist. Zu-
staudigcs Gericht ist ein solches, welches in einer
Sacke zur Ausübung der Gericktsbarkeit, d. h. zur
Prüfung, Eutfcheiduug oder Regelung der Sache
berufen ist. Die Z. der Gerichte ist für Deutschland
im Gebiete der ordentlichen streitigen Gerichtsbarkeit
durch (^ericktsverfassungs^esetz vom 27. Jan. 18 < 7
geordnet, für Österreich, jedoch nur für bürgerliche
Recktsfacben, durch die Iurisdiktionsnorm vom
1. Aug. 18l>5. Sie ist insoweit der Einwirkung der
^andesgesetzgebungen und der Justizverwaltungen