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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Jün-Ho; Juni; Junikäfer; Junikälte; Junimea; Junimisten; Junin; Junior; Juniorat; Juniperus; Junius; Junius (Briefe des)

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Jün-Ho – Junius (Briefe des)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Jung-Stilling'

Seine schriftstellerische Laufbahn eröffnete J. mit der an tiefen religiösen Anschauungen reichen, von Goethe zum Druck beförderten Erzählung seines Lebens: «Heinrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft» (3 Bde., Berl. und Lpz. 1777–78), die uns in die Kreise der Stillen im Lande hineinführt und der er später «Heinrich Stillings häusliches Leben» (Berl. 1789) folgen ließ. Beide Werke ließ er dann in einer neuen Gestalt u.d.T. «Heinrich Stillings Leben, eine wahre Geschichte» (5 Bde., Berl. 1800) erscheinen. Den Schluß dazu bildet «Heinrich Stillings Alter» (Heidelb. 1817), hg. von seinem Enkel W. Schwarz. Seine kameralistischen Werke waren für ihre Zeit verdienstlich; berühmter aber machten ihn seine zahlreichen mysticistischen Schriften, wie «Theobald, oder die Schwärmer» (2 Bde., Lpz. 1784–85; 2. Aufl., ebd. 1797), «Das Heimweh», «Der Volkslehrer», «Der christl. Menschenfreund», «Der graue Mann, eine Volksschrift» (Nürnb. 1795–1816), «Das Schatzkästlein», «Theorie der Geisterkunde» (Nürnb. 1808), «Apologie der Theorie der Geisterkunde» (ebd. 1809), «Scenen aus dem Geisterreiche» (Frankf. 1797–1801; neue Ausg., Stuttg. 1870). Von seinen frühern moralisch lehrhaften, künstlerisch sehr schwachen Romanen sind zu nennen: «Geschichte des Herrn von Morgenthau» (2 Bde., Berl. 1779) und «Geschichte Florentins von Fahlendorn» (3 Bde., Mannh. 1781–83; neue Aufl. 1825); zuletzt ließ er «Erzählungen» (3 Bde., Frankf. 1814–15) erscheinen. Eine schöne Charakteristik J.s giebt Goethe: «Aus meinem Leben» (Bd. 2). Ausgaben von J.s «Sämtlichen Schriften» (14 Bde., 1835–39; 12 Bde., 1841–42 u. 1843–44) sowie seiner «Lebensgeschichte» (zuletzt 1859) sind zu Stuttgart erschienen. – Vgl. Bodemann, Züge aus dem Leben von Johann Heinrich Jung, genannt Stilling (Bielef. 1868); Petersen, Jung-Stilling (Kopenh. 1890).

Jün-Ho, s. Kaiserkanal.

Juni oder Junius, jetzt der sechste Monat, mit 30 Tagen, war nach dem alten röm. Kalender, in dem das Jahr mit dem März anfing, der vierte und erhielt seinen Namen nach der Juno, daher er auch von Ovid mensis Junonius genannt wird; nach andern dagegen nach L. Junius Brutus, dem ersten röm. Konsul. Im deutschen Kalender heißt der J. Brachmonat, weil in ihm bei der Dreifelderwirtschaft das Brachfeld bearbeitet wird. Während der ersten zwei Drittel des J. steht die Sonne im Zeichen der Zwillinge, während des letzten in dem des Krebses. Als Lostage (s. d.) gelten im J.: Medardus (8.), St. Vitus (15.), Johannes der Täufer (24.), Petri und Pauli (29.). Die wichtigste landwirtschaftliche Verrichtung im J. ist die Heuernte. Die Witterung ist während der ersten zwei Drittel des J. infolge von Regentagen und Nordwinden oft noch ziemlich kühl und wird meist erst im letzten Drittel, nach Eintritt des Sommersolstitiums, beständiger und wärmer; gegen Ende des J. steigt die Temperatur gewöhnlich schnell.

Junikäfer (Phyllopertha horticola L.), Gartenlaubkäfer, kleiner Rosenkäfer, ein sehr häufiger, bisweilen den Gewächsen, besonders den Rosen, schädlicher Käfer von 8 bis 10 mm Länge, blauschwarz, behaart mit braunen Flügeldecken, fliegt von Ende Mai bis Anfang Juni. Das Weibchen legt seine Eier mit Vorliebe in Gärten, wo die Larven durch Benagen der Wurzeln der Pflanzen oft schädlich werden. Gelegentlich wird auch der Brach- oder Julikäfer (s. d.) J. genannt. ↔

Junikälte, im Juni auftretende Kälterückfälle (s. d.).

Junimea («die Jugend»), rumän. Verein, der in Jassy entstand und anfangs nur litterar. Zwecke verfolgte. Durch gute Übersetzungen von Klassikern, Herausgabe von Schulbüchern und durch die von Negruzzi (s. d.) gegründete Zeitschrift «Convorbiri literare» suchte er die rumän. Sprache zu veredeln und auf die Bildung des Geschmacks zu wirken. Später wendete sich der Verein auch der Politik zu und nahm als jungkonservative Gruppierung der Junimisten eine Mittelstellung zwischen den Liberalen unter Bratianu und der Bojarenpartei unter Catargiu ein. Schon 1888 gelang es den Junimisten unter der Führung von Rosetti und Carp die Leitung des Staates in ihre Hände zu bekommen. Nach mannigfachen Wechseln (s. Rumänien) hat sich die jungkonservative Partei seit dem letzten Ministerium unter Catargiu (30. Dez. 1891) ganz mit der hochkonservativen Bojarenpartei Rumäniens verschmolzen.

Junimisten, s. Junimea.

Junīn (spr. chu-), Departamento der südamerik. Republik Peru, 65014 qkm groß, mit (1876) 209871 E., umfaßt den rauhesten Teil der Cordilleren, das Tiefland und die Vorberge am Ostabhang bis zum Ucayali Tambo und Ene. In J. liegt Oroya, der frühere Endpunkt der berühmten Gebirgsbahn, ferner Tarma und Huancayo. J. Ist reich an Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Zinnober und Steinkohle. Der Name stammt von dem Dorfe J. am See von Chinchaycocha, das durch den Sieg Bolivars (6. Aug. 1824) bekannt ist. Hauptstadt ist Cerro de Pasco (s. d.).

Junĭor (lat., abgekürzt jun.), der Jüngere, besonders als Zusatz zu dem Namen einer Person, die von einer ältern (senior) gleichen Namens unterschieden werden soll.

Juniorāt (neulat.), s. Jüngstenrecht.

Junipĕrus, s. Wacholder und Ceder.

Junĭus, s. Juni.

Junius, Briefe des, eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der polit. Litteratur der Engländer. Sie erschienen unter dem Pseudonym Junius im «Public Advertiser» vom 21. Jan. 1769 bis 12. Mai 1772 und griffen die Mitglieder des Kabinetts und andere Staatsbeamte, die Tribunale, das Parlament, selbst den König schonungslos, aber mit Talent, Sachkenntnis und Beredsamkeit an. Ein deshalb wider den Herausgeber, den Buchdrucker Woodfall, 1770 von der Regierung erhobener Prozeß verlief ergebnislos. J. veranstaltete selbst 1772 eine Gesamtausgabe seiner Briefe mit einer Widmung an das engl. Volk und einer Vorrede. Neu, vermischt mit zahlreichen andern Briefen, gab sie Woodfalls, des ersten Verlegers, Sohn heraus (3 Bde., 1812–14). Eine fernere Ausgabe wurde 1849 von John Wade veranstaltet (Neuausgabe: «Junius, A new and enlarged Edition», 2 Bde.; Bd. 1, Lond. 1873; Bd. 2, 1869) mit einer ausführlichen Darstellung der verschiedenen Mutmaßungen über den Ursprung der Briefe sowie den an den Publizisten Wilkes und an Lord Chatham gerichteten Privatbriefen. Das Publikum erschöpfte sich in Mutmaßungen über die Person des Verfassers. Ohne auch nur annähernde Begründnng schrieb man die Briefe General Lee, R. Glover, dem Genfer Delolme, dem Herzog von Portland, Lord Temple u.a. zu. Allerhand spekulative Mystifikationen verstärkten die Unsicherheit; so erschienen London 1800 «Miscella-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 1005.