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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vorname - Vorschaltwiderstand
1926; Österr. Bürgert. Gesetzb. §. 238, u. a. Das
Deutsche Gesetzbncd war bemübt, den Gefahren vor-
zubeugen, welche die befreite V. erfahrungsmäßig
häufig für die Aiüudel herbeiführt. Wegen der Ge-
schlechtsvormuudschaft s. d. Der Gemeindewai-
senrat ist Hilfsorgan der Obervormundschaft. Er
hat insbesondere dein Vormundschaftsgericht die
Personen vorzuschlagen, die sich im einzelnen Fall
zum Vormund, Gegenvormund, Mitglied des Fa-
milienrats eignen (s. Waisenrat).
Vorname, s. Personenname.
Vorort, nach der bis 1848 gültigen Verfassung
der Schweiz derjenige Kanton, in dem die Tagsatzung
ihre Sitzungen hielt und der die Leitung der Bun-
desangelegenheiten in den Zeiten hatte, in welchen
die Tagsatzung nicht versammelt war. - V. nennt
man auch die in unmittelbarer Nähe einer gröhern
Stadt gelegenen und in deren Wirtschaftsbereich
fallenden Ortschaften.
Vorortverkehr, aucb Lokalvertehr genannt,
der Eisenbahnverkehr einer Großstadt mit den
umliegenden Ortschaften, der, im Gegensatz zum
Fernverkehr ((5 rtern v e r k e b r), durch besonders
eingelegte Vorortzügc (Lokalzüge) vermittelt wird.
Besonders entwickelt ist der V. in Berlin infolge de5
Baues der Berliner Stadt- und Ringbahn (s. d.) und
der Wannseebahn (s. d.); ebenso in London.
Vörösmarty (spr. wörösck-), Michael, uugar.
Dichter, geb. 1. Dez. 1800 zu Nyet im Stublweisicw
durger Komitat, studierte in Pest die Neckte und war
einige Zeit Advokat. 1848 war er Mitglied der
Nationalversammlung, später des Pester Begnadi-
gungstribunals und winde von den österr. Behörden
zwar verurteilt, nach kurzer Haft jedoch begnadigt.
Er starb 1i). Nov. 1855. Im I.1866 wurde ibm in
Stuhlweißenburg ein Denkmal errichtet. Schon als
Student schrieb V. das histor. Trauerspiel "König
Salomon" (1821), das romantische Gedicht "Der
Sieg der Treue" (1823) und das Drama "König
Sigismnnd" (1823). Bald folgte das Epos "Zalans
Flucht" (1825), das Trauerfpiel "Kont" (1825), das
epische Gedicht "Cserhalom" (1826; deutsch 1879),
das romantische Gedicht "Zaubertbal" (1827), das
Epos "Erlau" (1828), das Drama "Osongor und
Tünde" (1831), das epische Gedicht "Die beiden
Nachbarburgeu" (1833), das Lustspiel "Die Geheim-
nisse des Schleiers" (1835), die Trauerspiele "Banns
Maröt" (1838; deutsch, 2. Aufl., Pest 1879) und
"Die Oillier und die Huuyaden" (1845) und zahl-
reiche kleinere Gedichte (deutsch in Auswahl von
Kertbeny, Pest 1857, und Paul Hoffmann, Wien
1895). Populär wurde besonders der patriotische
"gxoxat" ("Aufruf", 1837; deutsch von I. Macktt,
Pest 1861). Die beste Ausgabe seiner Werke be-
sorgte P. Gyulai (12 Bde., Pest 1864; 2. Aufl. 1884),
der auch eine vorzügliche Biographie V.s schrieb (ebd.
1864; 4. Aufl. 1896). ' >.turmpaß.
Vörös Torony (spr. wörösch toronj), s. Roter-
Vörösvagas (spr. wöröschwahgahsch), ungar.
Name der Klein-Gemeinde Cservenyicza im ungar.
Komitat Snros (s. d.).
Vorparlament, die Versammlung, die zu
Frankfurt a. M. vom 31. März bis 4. April 184^
tagte, unl die Einberufuug eines deutschen Parla-
ments vorzubereiten. (S. Deutschland und Dent-
sches Reich, Geschichte.)
Vorpommern, s. Pommern.
Vorposten, vorgeschobene Trllppenabteilungen,
denen die Aufklärung der Verhältnisse beim Feinde
^ und die Sicherung der ruhenden Truppen zufällt.
Die V. unterstehen dem Vorpostencommandeur.
Die Aufklärung ist vorzugsweise Sache der Kaval-
lerie, die Sicherung dagegen liegt der Infanterie
ob. Die V. gliedern sich in das Vorpostengros,
die Vorpostencompagnien und die Vorpostentaval-
lerie. Das Vorposteng r o s steht meist in der
Nähe derOperationsstraße hinter einem widerstands-
fähigen Punkte und dient den Vorpostencompagnien
zum Rückhalt bei einen: feindlichen Angriffe. Die
Vorpostencompagnien bilden die Hauptsiche-
rungslinie und verschaffen durch ihren Widerstand
den ruhenden Truppen Zeit zur Gefechtsbereitschaft.
Sie sickern sich durch die von ihnen vorzuschiebenden
Feldwachen (s. d.) oder selbständigen Unter
offizierposten. Die Vorpostenkavallerie be-
findet sich bei Tage in vorderster Linie, hält Füb-
lung mit dem Feinde und beobachtet das vorliegende
Gelände. In übersichtlichem Gelände wird sie in
einem Pikett zusammengehalten, in unübersicbv
lichem dagegen in mehrere zergliedert. Die Pikette
setzen ihrerseits Feldwachen oder selbständige Unter-
offizierposten aus. Patrouillen klären nach vor-
wärts auf und unterhalten die Verbindung zwifchen
den einzelnen Teilen der Vorpostenaufstellung.
Vorpostenhund, s. Kriegshund.
Vorprämie, s. Prämiengeschüft.
Vorrecht, s. Privilegium und Priorität; über
V. (oder Vorzugsrecht) im Konkurs s. Rang
ordnung der Gläubiger im Konkursverfahren.
Vorreinigung, eine Operation der Zuckerfabri-
kation, der solcher Rohzncker, der nicht rein oder
weih genug ist, um bei der in der betreffenden Raf-
finerie gebräuchlichen Filtration und der dabei an-
gewandten Menge Knochenkohle ein nach dem Fil-
trieren genügend entfärbtesKlärsel zu ergeben,unter-
worfen wird, um ihn nachher in gewohnter Weise
zn verarbeiten; hierdurch wird also erreicht, auch ge-
ringe, wohlfeile Zuckerarten zur Raffinerie nützlicd
zu verwenden. Diese V. wird durch Ausschleudern
oder Auswaschen bewirkt. Behufs des Ausschl e u -
derns wird der betreffende Zucker mit einem etwas
verdünnten paffenden Sirup gemischt (gemaischt"
nnd das Gemisch ausgeschleudert, bls der zugesetzte
zugleicb mit dem an den: Zucker haftenden Sirup
entfernt ist. Das Aus waschen geschieht, indem
man den Zucker in große flache Gefäße ("Wannen")
mit Siebbodcn bringt und anfangs unreinen, dann
immer reinern Sirup (Decksirup) darauf fließen und
allmählich dnrch den Zucker hindurcksickern läßt.
Dadnrch wird der anhaftende unreine Sirup durcb
immer reinern verdrängt <" ausgedeckt"), und zwar
bis zur Erlangung drs beabsichtigten Reinheits-
grades des Zuckers. - Über V. dc-5 Getreides s.
Mehlfabritatiou. ^Präcession (s. d.).
Vorrücken der Nachtgleichen, soviel wie
Vorsaal (anatom.j, s. Gehör.
Vorsatz, s. Dow^.
Vorsatzblätter, s. Buchbinderei.
Vorschaltwiderstand, ein meist aus einem
Draht bestehender Widerstand zur Einschaltung m
den Stromkreis elektrischer Vetriebsanlagen behufs
Regulierung der Stromstärke und Spannungsdiffe-
renz. Das Material der V. ist gewöhnlich Eisen
oder eine schlecht leitende Legierung. Spiralförmig
gewickelt, werden solche Drahtwiderstände auf Holz-
rahmen befestigt und mit einem Kurbeleinfchalter
verbunden, so daß je nach Bedarf ein Teil oder der
ganze Widerstand eingeschaltet werden kann.