Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

435

Přibislau – Priel

identifizierten, wurden rohe Holzbilder des P., eine Hippe oder Keule in der Hand, ein hin und her schwankendes Rohr auf dem Haupte, als Vogelscheuchen in den Gärten aufgestellt. Röm. Dichter machten diesen Gott nicht selten zum Gegenstand kleinerer, an Witz und epigrammatischen Pointen, aber auch an Unsauberkeiten reichen Dichtungen (Priapea); eine beträchtliche Anzahl (82) davon sind erhalten. Sie sind von Sciopius (Schoppe) und Anton besonders herausgegeben und auch in die Ausgaben der lat. Anthologie von Burmann und von Meyer sowie in die Textausgabe des Petronius von Bücheler (3. Aufl., Berl. 1882), in Lucian Müllers «Catull» (Lpz. 1874) und in Bährens’ «Poetae latini minores» (5 Bde., ebd. 1879‒83) aufgenommen.

Přibislau (spr. pschi-), czech. Přibyslav, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Chotěboř in Böhmen, rechts an der Sazawa und an der Linie Wien-Tetschen der Österr. Nordwestbahn (Station P.-Schlappenz), Sitz eines Bezirksgerichts (213,57 qkm, 16367 E.), hat (1890) 2607 meist czech. E.; Stärke- und Ölkuchenfabrik, Dampfmühle, Ziegeleien und Ackerbau. In der nächsten Umgebung, bei Schönfeld, ein großes kegelförmiges Denkmal an der Stelle, wo Žiška starb.

Přibor (spr. pschi-), czech. Name von Freiberg (s. d.) in Mähren.

Přibram (spr. pschi-). 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 693,68 qkm und (1890) 68895 (33374 männl., 35521 weibl.) E. in 73 Gemeinden mit 154 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Dobřisch und P. – 2) Königl. Bergstadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft, einer Bergdirektion sowie eines Bezirksgerichts (375,54 qkm, 46316 czech. E.), südwestlich von Prag, an der Linie Rakonitz-Protiwin der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 13412, mit der benachbarten Stadt Birkenberg 18536 meist czech. E., eine Bergakademie, Bergschule, czech. Lehrerbildungsanstalt, czech. Staatsreal- und Obergymnasium und eine gewerbliche Fortbildungsschule. Die größte Bedeutung hat P. durch seinen Bergbau auf Silber und Bleierz, der nicht nur der bedeutendste in Böhmen, sondern in der ganzen Monarchie ist. Er reicht urkundlich bis 1330 hinauf, wurde durch Kriege häufig unterbrochen und geschädigt und ist seit 1819, einige Kuxanteile der Gemeinde und der Bürgerschaft ausgenommen, in ausschließlichem Besitz des Staates. In P. sind die zwei tiefsten Förder- und Wasserhaltungsschächte der Erde, der Adalbertschacht (1109 m) und der Mariaschacht (1090 m). Die Přibramhütte liefert aus den eigenen und den Kuttenbergern und Joachimsthalern Erzen mit 500 Arbeitern etwa 40000 kg Silber und 1900 t Blei. Über der Stadt der Heilige Berg oder Heiligberg (576 m) mit reichverzierter Kirche, Propstei und Redemptoristenkloster, der berühmteste Wallfahrtsort Böhmens (jährlich etwa 100000 Wallfahrer).

Pribylowgruppe, zu Alaska gehörige Inselgruppe im Beringmeer, unter 57° nördl. Br., besteht aus zwei kleinern, Walrus Island und Bobrovia, und zwei größern Inseln, St. Paul und St. George, auf denen jährlich 100000 Pelz-Seehunde geschlagen werden.

Prichard (spr. prittschĕrd), James Cowles, engl. Physiolog, geb. 11. Febr. 1786 zu Roß in Herefordshire, studierte Medizin und ließ sich als Arzt in Bristol nieder, wo er sich vorzugsweise der Behandlung von Geisteskrankheiten widmete. So wurde er auf physiol. Studien geführt, deren erste Frucht: «Researches into the physical history of mankind», zunächst 1813, später in vermehrter Gestalt erschien (3. Aufl., 5 Bde., Lond. 1838‒47; deutsch von Wagner und Will, 4 Bde., Lpz. 1840‒48) und die Frage über Einheit oder Verschiedenheit des Menschengeschlechts mit einem großen Aufwand von Gelehrsamkeit behandelt. Eine sehr populär gewordene Zusammenstellung seiner Forschungen über denselben Gegenstand ist die «Natural history of man» (Lond. 1843; 4. Aufl. von Norris, ebd. 1865). In dem Werke «The eastern origin of the Celtic nations» (Lond. 1831) legte er wichtige ethnogr. und linguistische Bemerkungen nieder, während er in der «Analysis of Egyptian mythology» (Lond. 1819 u. ö.; deutsch von L. Haymann, Bonn 1837) die vorhandenen Hilfsmittel mit Umsicht benutzte. Mediz. Werke P.s sind: «History of the epidemic fever that prevailed in the years 1817‒19» (Bristol 1820), «Treatise on diseases of the nervous system» (Lond. 1822), «Review of the doctrine of a vital principle, as maintained by some writers on physiology» (ebd. 1829), «Treatise on insanity» (ebd. 1835) und «On the different forms of insanity in relation to jurisprudence» (ebd. 1842). Nachdem ihm die Universität Oxford die Doktorwürde erteilt und die Ethnologische Gesellschaft ihn zu ihrem Präsidenten erwählt hatte, ehrte die Regierung 1845 seine Verdienste durch Ernennung zum Kommissar für Irrenhäuser (Commissioner of lunacy). Hierdurch veranlaßt, zog er nach London, wo er 22. Dez. 1848 starb. P. hat wesentlich zur Förderung der Physiologie und Anthropologie beigetragen; in der Psychiatrie hat er sich einen dauernden Namen gemacht durch die Aufstellung der nach ihm auch jetzt noch als Moral insanity bezeichneten Krankheitsform. ^[Spaltenwechsel]

Prichsenstadt, Stadt im Bezirksamt Gerolzhofen des bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, an der Nebenlinie Kitzingen-Gerolzhofen der Bayr. Staatsbahnen, hat (1890) 760 E., darunter 65 Katholiken und 67 Israeliten, Postexpedition, Telegraph, evang. Kirche, Korbflechtschule, Kreditverein, Mineralquelle; Weidenkultur-, Hopfen-, Wein-, Obst-, Flachs- und Gemüsebau (besonders Meerrettich).

Prickelsalbe, s. Einreibung.

Pricken, s. Betonnung.

Priebus, Stadt im Kreis Sagan des preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, an der Lausitzer Neisse und der Nebenlinie Hansdorf-P. (im Bau) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Glogau), hat (1890) 1190 E., darunter 183 Katholiken, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Rathaus; Möbeltischlerei, Cigarrenfabrik, Kram- und Viehmärkte.

Priegnitz, s. Prignitz.

Priēgo de Córdoba, Bezirksstadt im SO. der span. Provinz Cordoba, auf getreide- und ölreicher Hochebene, die vortreffliche Pferde liefert, hat (1887) 15766 E.

Priel, enges Fahrwasser zwischen zwei Sandbänken; auf den Watten der Nordseeküste die kleinen, während der Ebbe bemerkbar werdenden Wasserrinnen (auch Rillen, Baljen oder Ley genannt).

Priel, die zwei höchsten Punkte der Gebirgsgruppe an der Grenze von Oberösterreich und Steiermark, zwischen den Flüssen Traun und Steyr, deren wildester und höchster Teil sehr bezeichnend das Tote